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[Syn]: Syntax, Phraseologie  » Erledigt: Heute Heute X-Bar Schema bei Zirkumposition

30.09.2012, 12:48:02
Beitrag #1
X-Bar Schema bei Zirkumposition
Hallo!

Ich erstelle gerade ein Konzept für eine Hausarbeit über die Verbstellung im Deutschen (SVO vs SOV) und kam auf die Frage, ob es nicht auch die Möglichkeit gibt, eine SVOV Grundstellung anzunehmen.
Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Phrasenstrukturgrammatiken (X-Bar, GB) kann es nur einen Kopf für eine Phrase geben.
Soviel zum Hintergrund, jetzt meine eigentliche Frage:

Wie analysiert und interpretiert denn generative Grammatik Zirkumpositionen? Ich habe im Netz nach Artikeln – mit einem X-Bar Schema – für bspw.: ‚um des Friedens willen‘ gesucht aber nichts gefunden. Kann mir vielleicht einen Artikel zu diesem Thema empfehlen oder kann es mir sogar erklären?
In meinen Augen müsste man diese Konstruktion ‚um…. Willen‘ ja als eine Phrase mit zwei Köpfen bzw. einem gespaltenen Kopf analysieren. Oder liege ich da falsch?


Vielen dank im Voraus!
Pitpitpat


Hallo, ich bin pitpitpat und seit 27.09.2012 12:35 hier angemeldet.
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30.09.2012, 21:23:20
Beitrag #2
RE: X-Bar Schema bei Zirkumposition
Hallo,
also mit Zirkumposition kenne ich mich nicht genau aus. Entweder wird es wie bei "ge-stand-en" durch die Morphologie gelöst oder wie bei Verben mit Präfix "aufstehen" -> "Er steht morgens auf." durch Verbbewegung. An diesem Beispiel siehst du auch, dass selbst in Hauptsätzen ein Teil des Verbes satzfinal steht. Die Annahme, dass das Deutsche auf syntaktischer Tiefenstruktur SOV-Stellung hat, ist schon ganz richtig und deckt sich in den meisten Fällen auch eher mit syntaktischen Regeln als SVO anzunehmen. Eine Split-Stellung anzunehmen würde daher nicht nötig sein. Hauptsatzstellungen à la SVO kommen durch Verbbewegungen zustande. Daher kommen auch die Partikelreste in satzfinaler Stellung zustande, weil diese eben an ihrem Fleck bleiben.
Die Phrase "um... Willen" ist keine Zirkumform. Es mag zwar so aussehen, weil sie immer zusammen auftreten. Aber ich würde das schlicht als feststehende Formulierung betrachten. Es bleibt eine PP: [um [HimmelsDET WillenN]NP]PP. Ich kenne mich semantisch nicht aus, vielleicht könnte man da von einer Zirkumform sprechen.

Ansonsten entstünden meiner Meinung nach Zirkumpositionen durch Bewegungen, wenn es denn wirklich welche sind. Denn es könnte eigentlich nur Zirkumpositionen auf der Oberflächenstruktur geben. Auf der Tiefenstruktur sollte es sie eigentlich nicht geben, da es eben nicht den syntaktischen Regeln entspräche und es immer einen Kopf geben müsste. So sehe ich als Laie das zumindest.
Ich hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen. Zwinker


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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03.10.2012, 12:14:16
Beitrag #3
RE: X-Bar Schema bei Zirkumposition
Hallo,
heute beim Aufwachen fiel mir aber die niederdeutsche, bzw. norddeutsche Zirkumposition bei manchen "Prä"positionen ein:

"dőőr de Dőőr dőőr" - "durch die Tür durch"
"mit mi mit" - "mit mir mit"
"bi dat Geld bi" - "bei dem Geld bei"

Mit Erhalt des Präfix "her-" hier nur noch als "r-" realisiert:
"uut dat Huus ruut" - "aus dem Haus heraus"
"in de Büx rin" - "in die Hose herein"
"an dat Huus ran" - "an das Haus heran"

(Die Wiederaufnahme dient der Verstärkung des Adverbs.)

Bei solchen Positionen wäre ich mir nicht sicher. Das generative Syntaxmodell würde aber keine zwei Köpfe erlauben. Man könnte von zwei verschachtelten PPs ausgehen:
[[dőőr [de Dőőr]NP]PP [dőőr]P0]PP

Das heißt, dass die PP "dőőr de Dőőr" das Kompliment von P0 wäre.

Allerdings halte ich das für Schwachsinn. Zwinker Das würde keinen Sinn ergeben, weil P0 dann die PP regieren würde. Oder geht das doch?

Erschwerend kommt hinzu, dass im Niederdeutschen auch wahlweise nur eine der beiden Präpositionen/Postpositionen möglich ist, und zwar beide:
"He güng de Dőőr dőőr." - *Er ging die Tür durch.
"He güng dőőr de Dőőr." - Er ging durch die Tür.
"He güng dőőr de Dőőr dőőr." - Er ging durch die Tür durch. (norddt.)
Das gilt für eine Vielzahl der Prä-/Postpositionen.
Pragmatisch wird meistens "dőőr de Dőőr" oder je nach Stellung "dőőr de Dőőr dőőr" benutzt. Bei manchen Prä-/Postpositionen aber auch eher die letztere Stellung.
Ich würde einmal davon ausgehen, dass egal wie die Position ist, davor, dahinter, drumherum, die syntaktische Struktur wäre gleich. Das Problem ist nur, dass in den Fällen davor und drumherum der Fall von der ersten Präposition zugewiesen wird, wenn nur die letzte steht bin ich mir nicht sicher, aber ich würde sagen durch die letzte Präposition (Postposition).

Es gehen aber auch Nachhälle mit anderen Prä-/Postpositionen:
"achter den Sarg an" - "hinter dem Sarg"
"bet Klock söven to" - "bis sieben Uhr"
"in de Stuuv binnen" - "in der Stube drinne" (norddt.)

Die Präposition ist immer der Kopf und die NP sein Komplement. Was mit der Postposition passieren soll, weiß ich nicht genau. Wie gesagt, ich würde es spontan als zweite PP realisieren, bin mir aber nicht sicher.

Was haltet ihr davon, wenn man die Prä-/Postpositionen einfach "Ambipositionen" nennt?
(Besser als Prost-position aus "prä" und "post"... Zwinker)


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04.10.2012, 11:22:01
Beitrag #4
RE: X-Bar Schema bei Zirkumposition
(03.10.2012 12:14:16)Kevin schrieb:  Was haltet ihr davon, wenn man die Prä-/Postpositionen einfach "Ambipositionen" nennt?
(Besser als Prost-position aus "prä" und "post"... Zwinker)

Nee, Ambipositionen wären für mich welche, die (für sich genommen) entweder prä- oder postponiert werden können. Ein Bisschen wie dt. wegen: wegen dieser Sache / dieser Sache wegen


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04.10.2012, 11:41:14
Beitrag #5
RE: X-Bar Schema bei Zirkumposition
(04.10.2012 11:22:01)janwo schrieb:  Nee, Ambipositionen wären für mich welche, die (für sich genommen) entweder prä- oder postponiert werden können. Ein Bisschen wie dt. wegen: wegen dieser Sache / dieser Sache wegen

Aber dann verstehe ich jetzt den Unterschied zu den Prä-/Postpositionen von oben nicht: de Dőőr dőőr und dőőr de Dőőr sind beide möglich, in eigentlich jedem Kontext.


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04.10.2012, 11:41:43
Beitrag #6
RE: X-Bar Schema bei Zirkumposition
Hi Kevin,


vielen Dank für deine ausführlichen Antworten!

Es kann sein, dass die Zirkumpositionen im Deutschen letztendlich erstarrte Redewendungen sind. Aber diese Erklärung schafft meiner Meinung nach das Problem nicht aus der Welt:

Ob es eben möglich ist, dass es mehr als einen Kopf einer Phrase bzw. einen geteilten Kopf mit zwei Positionen gibt. Ich weiss, dass damit eine der Grundannahmen der generativen Grammatik verletzt ist und ich versuche gerade darüber nach zu denken, ob man dafür innerhalb der generativen Grammatik nicht einen Platz findet.

Im Deutschen gibt es ja die Möglichkeit verschachtelte Strukturen zu erzeugen (Bspw.: 'DIE Literaturwissenschaftlern schwer zu vermittelnde LINGUISTIK') und ich habe das Beispiel der Zirkumposition für mich gewählt, weil sich dort das Problem noch verschärft.

Wir können uns problemlos eine Sprache vorstellen, in der Zirkumpositionen real existieren würden und wir sie nicht als historisch bedingt auflösen könnten. Wie würde man dann damit umgehen?

Das ist die Frage, vor der ich stehe.

Zur Verbstellung im Deutschen - was ja mein eigentliches Thema ist:

Ich verstehe die Gründe, die die generative Grammatik für die SOV Annahme hat, aber ein paar Prämissen machen mir Bauchweh:

1. Es gibt eine (syntaktische) Tiefenstruktur. Daraus folgt:

2. Es gibt eine Grunstellung (in unserem Fall SOV daLächel

3. Knoten (im X-Bar Schema) immer nur zwei Äste haben.


Ich würde gerne für SVOV Grundstellung plädieren, wie ich sie bei Werner Abraham gefunden habe, jedoch finde ich bislang nichts, was mir helfen könnte, diese Struktur in die generative Grammatik zu integrieren.

Liebe Grüße


Hendrik


PS: Ich glaube, der Oberbegriff für Post-, Prä, Ambi- und Zirkumpositionen heißt Adposition


Hallo, ich bin pitpitpat und seit 27.09.2012 12:35 hier angemeldet.
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04.10.2012, 11:52:47
Beitrag #7
RE: X-Bar Schema bei Zirkumposition
(04.10.2012 11:41:43)pitpitpat schrieb:  PS: Ich glaube, der Oberbegriff für Post-, Prä, Ambi- und Zirkumpositionen heißt Adposition

Genau so ist das. abersowasvon


(04.10.2012 11:41:14)Kevin schrieb:  Aber dann verstehe ich jetzt den Unterschied zu den Prä-/Postpositionen von oben nicht: de Dőőr dőőr und dőőr de Dőőr sind beide möglich, in eigentlich jedem Kontext.
Was ich anführte war eine einzelne Adposition, die entweder präponiert oder postponiert werden kann. Was Du angeführt hast ist zunächst das Gleiche in grün, aber dann drittens noch ein Adpositionenpärchen, dessen Glieder je eines präponiert und eines postponiert wird.


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04.10.2012, 13:55:38
Beitrag #8
RE: X-Bar Schema bei Zirkumposition
Ah, nun habe ich dich verstanden, janwo. Ja, dann bleibt es halt bei den Prost-Positionen. (Scherz... Zwinker)

Zitat:Im Deutschen gibt es ja die Möglichkeit verschachtelte Strukturen zu erzeugen (Bspw.: 'DIE Literaturwissenschaftlern schwer zu vermittelnde LINGUISTIK') und ich habe das Beispiel der Zirkumposition für mich gewählt, weil sich dort das Problem noch verschärft.
Der Satz hat nichts mit Zirkumposition zu tun, weil DIE und LINGUISTIK nicht der gleichen Kategorie angehören oder sonst irgendwie. DIE kommt in die Spec-Position der NP und der Rest ist auch ganz einfach auslösbar. (Bei der DP-Hypothese wäre der Determinierer dann der Kopf, das Prinzip aber gleich.)

Man kann im Allgemeinen davon ausgehen, dass es keine echte Zirkumposition gibt im generativen Modell. Das würde den Grundfesten der Generativen Syntax widersprechen. Alles ist durch andere Strukturen aufzulösen, die dem Modell entsprechen. (Du solltest dich nicht davon stören lassen, dass ich "dőőr de Dőőr dőőr" nicht richtig aufdröseln kann. Ich bin noch Student, kein Syntaktiker. EIn solcher könnte dir solche Sätze wohl viel eher zeigen.)

Wieso bereiten dir diese Prämissen Bauchweh?

Zitat:Ich würde gerne für SVOV Grundstellung plädieren, wie ich sie bei Werner Abraham gefunden habe, jedoch finde ich bislang nichts, was mir helfen könnte, diese Struktur in die generative Grammatik zu integrieren.
Kannst du mir vielleicht sagen, wo W. Abraham auf eine SVOV Stellung eingeht?
Meiner Meinung nach ist eine solche Stellung nicht mit dem generativen Modell vereinbar. Deswegen hast du wohl auch noch nichts dazu gefunden. Die SOV-Stellung ist die einzige Stellung, die am allerehesten mit dem Modell übereinstimmt. Die Gründe sind ja auch ziemlich eindeutig und einleuchtend.
Wie genau stellst du dir das denn vor? Also, hast du dir schon Gedanken dazu gemacht? Willst du mit zwei Köpfen arbeiten?
Im Deutschen wird eine NP dem Verb immer nach links zugewiesen: "einen Apfel essen". (Wie im Türkischen, auch eine SOV-Sprache, auch: "bir elma ekmek") In SVO-Sprachen immer nach rechts: "to eat an apple". Alleine das würde als Argument ausreichen, von einer SOV-Stellung auszugehen. Der Rest, wieso in Hauptsätzen meistens V2-Stellung herrscht, ist durch Verbbewegungen zu erklären. Aber du siehst, dass die Verbbewegung in die V2-Stellung im Grunde nur geschieht, um die Flektionsmerkmale "abzuholen". Sobald das Verb oder Teile davon die Möglichkeit haben, bleiben sie in der SOV-Stellung: "Ich würde lieber nach hause gehen." - "Nun räum gefälligst und auf der Stelle ohne Ausreden dein Zimmer blitzeblank auf." Diese Verben oder Partikeln bleiben dort, weil sie nicht mit dem Verb in die IP nach vorne bewegt werden. Das zeigt, dass eben dort das Verb basisgeneriert wird. (In Nebensätzen gilt dann immer SOV-Stellung, weil die vordere Stelle blockiert wird.) Von einer SVOV-Stellung auszugehen, würde viel mehr Probleme aufwerfen als das es sie lösen würde.
Ich bin aber trotzdem gespannt, ob du mich eines besseren belehren kannst. Vielleicht hast du ja auch noch bessere Argumente als ich. Zwinker


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05.10.2012, 10:48:21
Beitrag #9
RE: X-Bar Schema bei Zirkumposition
Hi Kevin,

ich habe gewiss keine besseren Argumente als du, aber darum bin ich dir auch sehr dankbar, da ich meine Gedanken an deinen schärfen kann.

ich glaube auch nicht, dass die ‚DIE…LINGUISTEN‘ gemeinsam Kopf einer Phrase sind (wie eventuell bei Zirkumpositionen) und ich bin mir sicher, dass man diese Phrase mit Hilfe der generativen Grammatik problemlos analysieren kann. Dennoch ist es interessant, dass eine fakultative Ergänzung zwischen Artikel und Nomen geschoben werden kann, oder?

Zur SVO – SOV – SVOV Struktur:
Ganz so eindeutig ist das Deutsche in der Hinsicht nicht: rigide SOV Sprachen, wie beispielweise das Koreanische, sind grundsätzlich kopffinal, während das Deutsche in dieser Hinsicht noch ein paar Überraschungen hat:
Genetivattribute: Die Macht der Liebe / der Liebe Macht
SOV Sprachen haben eher Postpositionen als Präpositionen…

Zitat: Der Rest, wieso in Hauptsätzen meistens V2-Stellung herrscht, ist durch Verbbewegungen zu erklären. Aber du siehst, dass die Verbbewegung in die V2-Stellung im Grunde nur geschieht, um die Flektionsmerkmale "abzuholen". Sobald das Verb oder Teile davon die Möglichkeit haben, bleiben sie in der SOV-Stellung: "Ich würde lieber nach hause gehen."

Wir kommen jetzt in den Berreich der Psychologie der Verben Zunge . Ich bervorzuge die Vorstellung, dass das Verb sowohl in der C0 als auch in der V0 Position stehen möchte. Diese Klammerung wird eigentlich nur verhindert durch eine bereits besetzte C0 Position (durch dort basisgenerierte Konjunktionen) oder dadurch, dass das Verb nicht komplex ist. In diesem Fall bleibt V0 leer. Ausnahmen wären der Optativ/Exklamationssatz ('Einmal frischen Fisch essen!' / 'Was das für ein fauliger Fisch ist' allerdings auch möglich: 'Was ist das für ein fauliger Fisch!'), sowie elliptischen Fragesätzen (ich nenne die jetzt mal einfach so, ich weiss nicht wie man sie besser beschreibt): 'Wer den fauligen Fisch auf den Tisch gelegt hat? (fragst du mich?)
Mit deiner Erklärung der Standorttreuen Verben, die nur wandern um sich Flexionmerkmale abzuholen, müsstest du mir noch erklären, wie sie ihre Flektionmerkmale im eingeleiteten Nebensatz erhalten.

Die Idee einer SVOV Struktur läßt sich durchaus mit der generativen Grammatik vereinbaren, wenn man lediglich das topologische Satzfeldermodell ‚auf‘ die CP Struktur legt: Dann entspricht die Linke Satzklammer dem Kopf der CP und die rechte Satzklammer dem Kopf der VP (bzw. TP).
Man behält also die generative Grammatik komplett bei und muss nur akzeptieren, dass die eigenartige Satzklammer des Deutschen einen Sinn hat. Das hat – glaube ich – Abraham im Sinn, wenn er die Vorteile von SVOV in pragmatischer Hinsicht analysiert. (Hier ein kurzer Text, das Buch zum Thema muss ich noch mal raussuchen, wenn es dich interessiert.)
Auf die Idee, dass die Prämissen der generativen Grammatik wohlmöglich anfechtbar sind, bin ich über einen Artikel von Hubert Haider gekommen.
Haiders These: Germanische Sprachen sind entweder OV oder VO, ursprünglich waren sie aber ein Mischtyp, in dem drei Konstruktionen parallel existierten. Das Jiddische ist für Haider ein Überbleibsel dieses Strukturtypus. Im Jiddischen gibt es sowohl die ‚englische‘ Version (VOO), die deutsche Verison (OOV) als auch den Mischtyp: OVO
Das Beispiel aus Haiders Aufsatz (alles korrekte jiddische Sätze in hochdeutschen Worten):
Max hat Rifken das Buch gegeben
Max hat gegeben Rifken das Buch
Max hat Rifken gegeben das Buch
Meine Überlegung war: Wenn es eine derart freie Verbstellung gibt (bzw gegeben hat), wie sollte man dann von einer Grundstellung sprechen können? Was macht man, wenn man keine sinnvolle Tiefenstruktur mit einer kopffinalen oder -initialen VP annehmen kann?

Mir scheint, dass die große Errungenschaft der generativen Grammatik, nämlich ihre Fähigkeit wohlgeformte Sätze zu generieren und das Linearisierungsproblem gelöst zu haben, auch gleichzeitig ihr Nachteil ist: Sie nimmt eine syntaktische Tiefenstruktur an (für die es keine starke Evidenz sondern nur Spracherwerbsindizien gibt) und diese Tiefenstruktur unterstellt dem Menschen bei der Srpachgenerierung ein Hirn wie mein alter C64 und nicht wie ein pfiffiger, analoger Parallelprozessor. Damit bin ich wieder bei meiner alten Frage: Wieso sollte es nur einen Kopf für ein Phrase geben können und dieser muss am Rand der Phrase stehen?

Wie du vielleicht merkst, ist der letzte Absatz mehr Polemik als sinnvolles Argumentieren, aber ich verfüge auch leider nur über rudimentäres Linguistisches Wissen.


Liebe Grüße

pitpitpat


Hallo, ich bin pitpitpat und seit 27.09.2012 12:35 hier angemeldet.
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