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 » nicht erledigt die deutsche 'Académie francaise'

23.07.2014, 14:51:31
Beitrag #1
die deutsche 'Académie francaise'
Bonjour

Soweit ich weiß, gibt es in Frankreich die 'Académie francaise', die in Bezug auf Rechtsschreibung und Grammatik festlegt, was korrekt und was falsch ist.

Kann mir jemand sagen, wer letztendlich festlegt, was im Deutschen als korrekt und was als falsch angesehen wird?
Und vor allem: wie genau das festgelegt wird.

Wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es in Deutschland angeblich keine Institution, die mit der Académie francaise vergleichbar ist.
Aber es gibt ja immerhin diesen 'Rat für deutsche Rechtschreibung'. Und irgendwie muss ja festgelegt worden sein, was dem amtlichen Regelwerk entspricht und was ihm zuwiderläuft.


Danke und Grüße.


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22.08.2014, 16:19:32
Beitrag #2
RE: die deutsche 'Académie francaise'
Entschuldige die späte Antwort. Ich hatte das Thema hier aus den Augen verloren.

Was überhaupt nur "festgelegt" wird, sind die sogenannten Regeln der amtlichen Rechtschreibung. Für Deutschland werden die im Bundesgesetzblatt verkündet, wie die anderen deutschsprachigen Staaten das handhaben, weiß ich leider nicht genau genug.

Amtliche Rechtschreibung heißt aber auch, dass sie letztlich nur verbindlich ist für amtliche Institutionen, d.h. den Schriftverkehr der Behörden untereinander und mit dem Bürger. (Umgekehrt dürfen wir uns auch ohne Einhaltung dieser Regeln an die Behörden wenden.) Als Bürger bekommen wir diese amtlichen Regeln nur so lange vorgeschrieben, wie wir der Schulpflicht unterliegen. Denn Schulen sind ja in der Regel Behörden oder ihnen in dieser Hinsicht gleichgestellt.

Glücklicherweise haben wir keine Institution, die auch nur annähernd genügend Autorität hätte, um uns Sprechern vorzuschreiben, was richtig und gut sei. Es gibt zwar welche, die möchten das gerne, aber die sind nun mal nicht der Gesetzgeber. (Siehe auch hier und hier).

Viele Leute halten ja die Werke des Duden-Verlags für Vorschriften über richtig und falsch, letztlich sind es aber nur Wörterlisten, die unter Anwendung der amtlichen Rechtschreibregeln erstellt wurden (Band 1) oder aber desrkiptive Verallgemeinerungen über den Sprachgebrauch (der Mehrheit) der deutschen Sprachgemeinschaft (Band 5, Grammatik).

Die Frage ist, wozu bräuchten wir eine derartige Normierungs-Institution?


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27.08.2014, 13:57:55
Beitrag #3
RE: die deutsche 'Académie francaise'
Danke für deine Antwort.

Anhand des von dir Geschriebenen und anhand dessen, was ich 'sonst so' gefunden habe, würde ich es dann ungefähr so formulieren:
Der Rat für deutsche Rechtschreibung arbeitet ein amtliches Regelwerk aus und empfiehlt es dem
Gesetzgeber. Dieser nimmt es dann (normalerweise) an, veröffentlicht es in einem Bundesgesetzblatt o.Ä.
und erklärt es für Ämter & Schulen für verbindlich.
Grammatiken und Wörterbücher sind dann nicht an diese Regeln gebunden, halten sich in nahezu allen Fällen
aber dennoch daran.

(22.08.2014 16:19:32)janwo schrieb:  Glücklicherweise haben wir keine Institution, die auch nur annähernd genügend Autorität hätte, um uns Sprechern vorzuschreiben, was richtig und gut sei.....
Die Frage ist, wozu bräuchten wir eine derartige Normierungs-Institution?

Ich bin da an sich deiner Meinung; nämlich, dass eine solche Normierungs-Institution nicht benötigt wird.
Aber de facto wird es doch auch hierzulande normiert und vorgeschrieben. Es wird nur etwas dezenter getan.


Kleiner Nachtrag: Habe meine Nachricht eben nochmal überflogen.
Früher habe ich immer daß und o.ä. geschrieben. Mittlerweile schreibe ich dass und o.Ä.
Die 'unsichtbare Norm' hat mich also schon fest im Griff. Naja, also ziemlich fest :-)

Grüße.


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27.08.2014, 14:42:29
Beitrag #4
RE: die deutsche 'Académie francaise'
(27.08.2014 13:57:55)Sf6 schrieb:  Anhand des von dir Geschriebenen und anhand dessen, was ich 'sonst so' gefunden habe, würde ich es dann ungefähr so formulieren:
Der Rat für deutsche Rechtschreibung arbeitet ein amtliches Regelwerk aus und empfiehlt es dem
Gesetzgeber. Dieser nimmt es dann (normalerweise) an, veröffentlicht es in einem Bundesgesetzblatt o.Ä.
und erklärt es für Ämter & Schulen für verbindlich.

Ich glaube, letztendlich wäre der genaue Ablauf eine Frage, die vielleicht besser ein Jurist oder ggf. ein Politikwissenschaftler beantworten sollte.

Ich hatte es mir via Wikipedia so zusammen gereimt, dass der zentrale Ausgangspunkt zunächst die Kultusministerkonferrenz ist; die Rechtschreibreform ist eigentlich Ländersache. Die Kultusministerkonferrenz beauftragt den Rat für deutsche Rechtschreibung (der auch Vertreter anderer deutschsprachiger Staaten umfasst) mit der Ausarbeitung eines Regelwerks. In die andere Richtung sorgt die Kultusministerkonferrenz dafür, dass das erarbeitete Regelwerk dann an die Bundesländer weitergereicht und umgesetzt wird. Die Rechtsform, die für die Festlegung der amtlichen Rechtschreibung gewählt wird, ist kein (Bundes)gesetz, sondern eine Reihe von Verwaltungsvorschriften, die nach meinem Verständnis jeweils auf Landesebene festgesetzt werden.

Das sieht beispielsweise für Schulen in Rheinland-Pfalz dann so aus:
http://leb.bildung-rp.de/fileadmin/user_....06.15.pdf

So hatte ich das bisher verstanden -- Ist das einigermaßen richtig?

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27.08.2014, 15:44:15
Beitrag #5
RE: die deutsche 'Académie francaise'
(27.08.2014 13:57:55)Sf6 schrieb:  Ich bin da an sich deiner Meinung; nämlich, dass eine solche Normierungs-Institution nicht benötigt wird.
Aber de facto wird es doch auch hierzulande normiert und vorgeschrieben. Es wird nur etwas dezenter getan.
Das muss man aber konzeptionell noch davon trennen, ob es wirklich vorgeschrieben wird, oder ob wir uns (wenn auch unbewusst) angeschts eines Gewöhnungseffektes entscheiden. Denn:
(27.08.2014 13:57:55)Sf6 schrieb:  Kleiner Nachtrag: Habe meine Nachricht eben nochmal überflogen.
Früher habe ich immer daß und o.ä. geschrieben. Mittlerweile schreibe ich dass und o.Ä.
Die 'unsichtbare Norm' hat mich also schon fest im Griff. Naja, also ziemlich fest :-)
Man gewöht sich an, so zu schreiben, wie man's vor sich sieht. Dass es auch anders geht, sieht man recht schön in diversen Medien an dre Schnittstelle von Schriftlichkeit und Mündlichkeit, wo es z.B. konsequente Kleinschreibung gibt oder die Hervorhebung prosodischer Merkmale (er hat WAAAS gesagt?!), beides ist auf gänzlich anderen Wegen konventionalisiert als per Rechtsvorschrift.


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