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 » nicht erledigt [geteilt] Deonyme im Deutschen und weiteren Sprachen
▶ Aus: Eigene Untersuchungen zur Alltagssprache

17.04.2015, 20:28:47
Beitrag #1
[geteilt] Deonyme im Deutschen und weiteren Sprachen
moin,

leider finde ich keinen Knopf für die Eröffnung eines neuen Themas,
daher häng ich mich hier einmal 'rein, weil mein Thema durchaus auch mit
Alltagssprache zu tun hat.

Ich bin auf der Suche nach im Deutschen geläufigen Deonymen,

also nach von Namen (z. B. Personennamen, Vornamen oder Nachnamen) abgeleiteten Begriffen.

Geläufig sind uns ja einige Eponyme wie z. B. Zeppelin oder Diesel.

An Deonymen fallen mir folgende ein (abgel. von Vornamen):

- Pflaumenaugust
- Prahlhans
- Prozesshansel
- Versicherungsheini
- Miesepeter
- Zappelphilip
- Suppenkasper
- Spargeltarzan
- Heulsuse
- Klatschtrine
- Meckerliese


abgeleitet von Nachnamen:

- Drückeberger
- Schlaumeier
- Gschaftlhuber

- "Kopf-ab-Jäger" (ehem Justizminister der mit der Wiedereinf. der Todesstrafe liebäugelte).

abgeleitet von Titeln:

- Literaturpapst
- Lottokönig
- Modezar
- "ihrdürftallemeinermeinungsein - Chef"

Ähnlich sprachproduktiv sind auch
Komposita, wie z. B.

- "Hans guck in die Luft"
- "Roman - der mit dem Ruck - Herzog"
- "Kevin - der mit dem Wolf tanzt - Kostner"
- "Brad-Pitt-Verschnitt"

Vielen Dank für jeden Hinweis zum Thema und ggf. auf weitere geläufige Deonyme,

gern auch auf fremdsprachliche Deonyme, z. B. engl., frz., ital, niederländ.

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18.04.2015, 20:01:07
Beitrag #2
RE: [geteilt] Deonyme im Deutschen und weiteren Sprachen
Hi, bei de Gruyter ist vor ein paar Jahren mal ein Wörterbuch erschienen: Eigennamen im deutschen Wortschatz .


Edit: Koester, Rudolf. "Eigennamen im deutschen Wortschatz - ein Lexikon". Berlin [u.a.]: de Gruyter, 2003.


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19.04.2015, 13:34:47
Beitrag #3
RE: [geteilt] Deonyme im Deutschen und weiteren Sprachen
Spontan fällt mir da noch der (Be-)Zahlhansel bzw. (Be-)Zahlmichel ein. Dann gibt es da noch (wer es kennt): Kuh Elsa (als Metapher). Achja, den Prozesshansel gibts auch noch. -hansel ist anscheinend relativ produktiv.


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19.04.2015, 19:28:10
Beitrag #4
RE: [geteilt] Deonyme im Deutschen und weiteren Sprachen
Ist die -suse in Heulsuse nicht auch produktiv? Oder kenne ich da bloß so viele Adhoc-Bildungen, weil ich ' Vorschulkind habe? Was ist mit -liese(l)?


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20.04.2015, 13:58:02
Beitrag #5
RE: [geteilt] Deonyme im Deutschen und weiteren Sprachen
Es gibt ja noch einige aus der altgriechischen Mythologie z.B.
  • Damoklesschwert
  • Pyrrhussieg
  • Argusaugen
  • Achillesferse
  • bezirzen
  • aphrodisieren
  • drakonische Strafen
  • Sysiphusarbeit
  • Odyssee

Ich hab sogar den Eindruck davon gibt es im Deutschen fast mehr als biblische Deonyme

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20.04.2015, 22:37:46
Beitrag #6
RE: [geteilt] Deonyme im Deutschen und weiteren Sprachen
Vielen Dank für alle Hinweise und für die genannten Beispiele.

Die griechisch-mythologischen Beispiele

· Damoklesschwert
· Pyrrhussieg
· Argusaugen
· Achillesferse
· Sysiphusarbeit

oder biblische Beispiele wie Hiobsbotschaft oder Aaronstab

sind sprach-produktiv ebenso zusammengesetzt wie etwa

Geigerzähler
Schillerlocke
Bismarckturm

durch Zweier-Zusammensetzungen von

1. Name 2. Objekt, das durch den Namen bzw, Namengeber typisiert oder beschrieben wird.

Hierbei handelt es sich um Objekttypisierungen mit Namensbezug. Es sind aber m. E. keine echten Deonyme, ansonsten wäre ja z. B. auch die Goethestraße ein Deonym.

Bei den Beispielen aus dem berühmten Kinderbuch

- Struwwelpeter
- Zappelphilip
- Suppenkasper

handelt es sich um Zusammensetzungen mit Vornamens-Suffixen,
das sind m. E. echte Deonyme in der Form

1. Charakteristikum einer Person 2. (meistens erfundener) Name

Diverse -susen und - trienen sind auch produktiv.

Dieses Schema funktioniert auch mit erfundenen Nachnamen, wie z. B. Schlaumeier,
oder mit Phantasienamen, z. B. Spargeltarzan, Computerfuzzi.

Eine weitere Spielwiese für deonymische Zusammensetzungen ist des öfteren auch
zur Vermeidung von Verwechslungen anzutreffen, z. B. bei mehrere Personen gleichen Namens in einer Firma oder in einem Verein:

Pommes-Fritz vs. Rotwein-Fritz
Moped-Klaus vs. Fahrrad-Klaus
Garten-Willi vs. Fußball-Willi

Noch zur Ergänzung und Definition:

m. E. echte Eponyme sind alleinstehende Namen (ggf. auch Phantasienamen), die als Gattungsbezeichnung akzeptiert sind, wie etwa

- Cirze
- Zeppelin
- Diesel
- Boykott
- Colt (Waffe)
- Jeep
- Pullman (Salonwagen, Reisebus)

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20.04.2015, 23:15:54
Beitrag #7
RE: [geteilt] Deonyme im Deutschen und weiteren Sprachen
Ich denke, zwischen Bismarckturm und Geigerzähler besteht noch ein wichtiger Unterschied: Ersteres ist selbst noch ein Name, letzteres ist in den appellativischen Wortschatz übergegangen.


Und einmal nachgefragt: Im ersten beitrag nd allen Antworten ist bisher nur von Personennamen die Rede. Was ist denn mit Ortsnamen usw.? Mir fallen spontan Landauer, Kutsche (nach dem ungar. Ort Kocs; siehe auch engl. Coach), Steyr (Kraftfahrzeugmarke; ja, das ist noch ein Name), Pils(ener), Gose, Bock(bier), sowie diverse Versicherungen und Bausparkasen ein. Was ist mit den sprichwörtlich bzw. redensartlich gewordenen Orten Canossa und Waterloo? Was ist mit den diversen Würsten: Debreciner, Frankfurter, Wiener usw.? Etwas exotischer, schon wegen der involvierten Wortart ist mäandern.

P.S.: lesbisch als detoponymisches Adjektiv


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20.04.2015, 23:45:00
Beitrag #8
RE: [geteilt] Deonyme im Deutschen und weiteren Sprachen
(20.04.2015 23:15:54)janwo schrieb:  Etwas exotischer, schon wegen der involvierten Wortart ist mäandern.
Ich stelle mal noch 's(c)hanghaien' und schwed. 'wallraffa' dazu =)

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21.04.2015, 02:07:33
Beitrag #9
RE: [geteilt] Deonyme im Deutschen und weiteren Sprachen
Ich wüsste nicht, warum eine "Hiobsbotschaft" weniger ein Deonym sein soll als eine (für mich eher fremd anmutende) "Klatschtrine". Zumal die Hiobsbotschaft Teil des allgemeinen Wortschatzes ist, während der "Moped-Klaus" oder der "Pommes-Fritz" nur für bestimmte Personen verwendet werden, also semantisch Eigennamen sind.

einige weitere interessante Beispiele:
- Kaiser (nach einem römischen Familienname)
- Casanova (nach einem italienischen Abenteurer)
- Fuchsie (nach einem Botaniker der Renaissance)
- Teddy (nach einem amerikanischen Präsidenten)
- Krankheiten z.B. "Alzheimer", "Parkinson" etc

Auch sehr interessant (wenn auch nicht echte Deonyme) sind geographische Namen, die nach realen Personen benannt sind z.B. Amerika, Lothringen, Kolumbien, Israel...

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21.04.2015, 09:50:37
Beitrag #10
RE: [geteilt] Deonyme im Deutschen und weiteren Sprachen
Ich empfehle auch mal einen Blick in das letzte Etymologie-Rätsel im Sprachlog:

http://www.sprachlog.de/2014/11/08/siege...ren-hosen/

Dort erfahren wir, dass auch (das) Nikotin und (der) Fatzke auf Eigennamen zurückgehen.


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26.04.2015, 14:48:58
Beitrag #11
RE: [geteilt] Deonyme im Deutschen und weiteren Sprachen
Zum Thema Eponyme habe ich noch folgende Ergänzungen
(hier ohne Ortsnamen, das wäre m. E. ein eigenes Thema):

Aus der Metaphern-Theorie von Lakoff/ Johnson ("Leben in Metaphern“),
kann man ansatzweise folgende Entstehungen für Eponyme ableiten:


- Der Name des Erfinders/Erzeugers steht für ein Produkt (z. B. Zeppelin)

- Der Name steht für eine Institution (z. B. „was sagt der Duden?“)

- Der Name steht für ein Ereignis (z. B. Hotelname Watergate)


Aus Bibeltexten fallen mir noch folgende Namen ein,
die für sich allein als Eponym stehen können:

Methusalem, Benjamin, Lazarus, Goliath,
Lucifer, Satan, Beelzebub,
Judas, Pharisäer,

Anknüpfend an Opilogs Casanova sind mir noch
Paparazzo und Leporello eingefallen,

zwei Eponyme die aus frei erfundenen Personennamen entstanden sind.

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26.04.2015, 20:43:17
Beitrag #12
RE: [geteilt] Deonyme im Deutschen und weiteren Sprachen
Neben Erfinder/Entdecker und den anderen genannten gibt es noch andere Benennungsmotive. Ein wichtiges Motiv ist die Honorifikation, also zu wessen Ehren etwas benannt wurde: Radetzkymarsch, Kaiser-Josef-Land, Victoriasee, Pavlova (Dessert), Fürst-Pückler-Eis, das taucht bei Gebietsbezeichnungen in Kolonialländern und der Antarkis auf, bei Straßen- und Ortsnamen, aber eben auch bei anderen Dingen wie dem Marsch und den Speisen, wobei es üblicherweise Komposita mit deonymischem Erstglied und hyperonymisch-generischen Zweitglied sind, sieht man einmal von Victoria (Australischer Bundesstaat) o.ä. ab.
In die Kategorie Entdecker/Erfinder müsste man noch die Erzeuger eingliedern mit solchen Dingen wie Sachertorte, Porsche usw. Außerdem gibt es in dieser Kategorie noch zwei extrem große Wortfelder: die biologische Nomenklatur (Rafflesia, Macadamia, Przewalski-Pferd) und die geologisch-mineralogische Nomenklatur (Millerit, Goslarit).


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