Metahilfe: Was wir hier (nicht) tun - Informationen zum Thema Fragen und Hilfen im Forum.

Du kennst dich aus? — Prima. Unser Fragenbeantwortungs-Team freut sich immer über engagierte Verstärkung!



1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste
Antwort schreiben 
 » nicht erledigt grice und quintilian

03.01.2012, 13:09:10
Beitrag #1
grice und quintilian
hallo gemeinde,

ich habe ein kleines anliegen: in einem literaturwissenschaftlichen seminar über kürze in rhetorik und poetik sind mir gemeinsamkeiten zwischen quintilians rhetoriklehre und den griceschen konversationsmaximen aufgefallen. darüber will ich nun eine kleine hausarbeit schreiben. die einzelnen stellen, bei denen sich quintilians lehren auf grice' maximen abbilden lassen, habe ich bereits ausgemacht. kann mir womöglich jemand noch einschlägige literatur empfehlen oder weiß jemand was schlaues dazu?

vielen dank im voraus! Lächel


Hallo, ich bin huschpuscheli und seit 03.01.2012 11:02 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
08.01.2012, 19:38:20
Beitrag #2
RE: grice und quintilian
schade, dass scheinbar niemand was dazu weiß... Traurig


Hallo, ich bin huschpuscheli und seit 03.01.2012 11:02 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
08.01.2012, 22:18:54
Beitrag #3
RE: grice und quintilian
Geduld.... Das Thema wurde einer Expertin zugewiesen. Wenn die auf die Schnelle nix findet bzw. weiß, ist es auch nicht so einfach.


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
09.01.2012, 09:47:48
Beitrag #4
RE: grice und quintilian
Ich bin, ehrlich gesagt, etwas überfragt und habe mal versucht, ein bisschen zu recherchieren.
Eigentlich liegen ein Vergleich oder zumindest einige Parallelen nahe, finde ich auch, aber was ich an Vergleichen/Parallelen gefunden habe, bezieht sich vor allem auf die Analyse von Ironie, die sich dann auf die unterschiedlichen Figuren der Rhetorik nach Quintilian beruft (z. B. auch in Lapp, Linguistik der Ironie, 1997 oder in verschiedenen Haus- und Magisterarbeiten, die man über Google Scholar findet).

Man könnte diesbezüglich mit den Konversationsmaximen argumentieren, vielmehr aber noch mit dem Begriff der Implikatur bei Grice. Das wiederum finde ich noch naheliegender, weil ja Grices Maximen ganz generell auf Kommunikationsprozesse bezogen sind, die Theorie der Implikaturen aber im Hinblick auf die Rhetorik vielleicht etwas spezieller angewandt werden kann.

Kannst du eventuell die Gemeinsamkeiten und Auffälligkeiten kurz beschreiben? Vielleicht fällt dann der Groschen...

Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
17.01.2012, 18:00:15
Beitrag #5
RE: grice und quintilian
(09.01.2012 09:47:48)neous schrieb:  Ich bin, ehrlich gesagt, etwas überfragt und habe mal versucht, ein bisschen zu recherchieren.
Eigentlich liegen ein Vergleich oder zumindest einige Parallelen nahe, finde ich auch, aber was ich an Vergleichen/Parallelen gefunden habe, bezieht sich vor allem auf die Analyse von Ironie, die sich dann auf die unterschiedlichen Figuren der Rhetorik nach Quintilian beruft (z. B. auch in Lapp, Linguistik der Ironie, 1997 oder in verschiedenen Haus- und Magisterarbeiten, die man über Google Scholar findet).

Man könnte diesbezüglich mit den Konversationsmaximen argumentieren, vielmehr aber noch mit dem Begriff der Implikatur bei Grice. Das wiederum finde ich noch naheliegender, weil ja Grices Maximen ganz generell auf Kommunikationsprozesse bezogen sind, die Theorie der Implikaturen aber im Hinblick auf die Rhetorik vielleicht etwas spezieller angewandt werden kann.

Kannst du eventuell die Gemeinsamkeiten und Auffälligkeiten kurz beschreiben? Vielleicht fällt dann der Groschen...

vielen lieben dank für die antwort!

ich glaube, ich fange an "implikatieren" und "implizieren" zusammenzuwürfeln, wenn ich als beispiel bei quintilian anführe, dass man in der narratio das, was man durch schlussprozesse erschließen kann, nicht anzubringen hat. diese ansicht korrespondiert meiner meinung primär mit der quantitätsmaxime und der, dass man sich kurz fassen soll.

zu den parallelen:
  • das kooperationsprinzip spiegelt sich in quintilians forderung nach dem guten menschen wider.
  1. im brevitasgebot quintilians sehe ich die quantitätsmaximen, d.h. nicht mehr sagen als nötig, nur das, was den richter angeht sowie überflüssiges zu streichen und notwendiges zu behalten.
  2. die qualitätsmaximen finden sich in den aussagen quintilians über wahrscheinlichkeit, glaubhaftigtkeit und den beweisen für die taten.
  3. dass man nur das, was sich schickt, was nützlich und passend ist, vortragen soll, deckt sich mit der relevanzmaxime.
  4. letztlich soll man klar formulieren ("perspecuitas" bei quintilian, "be perspicuous" bei grice), dunkelheit ("obscuritas" bei quintilian, "avoid obscurity" bei grice) und ambiguitäten vermeiden, sich kurz (brevis vs brief) ausdrücken und geordnet vorgehen.
dies sind grob die punkte, die ich bei quintilian gefunden habe, die ihre entsprechung bei grice haben.

zur implikatur ist mir noch aufgefallen, dass durch die implikatur ein scheinbarer verstoß gegen die qualitätsmaxime auf diese weise gerettet werden kann. quintilian strebt das nicht an. da die rhetorik nicht an den richter addressiert ist, sondern an die streitenden parteien, soll auch unwahres wahrscheinlich gemacht werden! eine lüge, für die man keine "evidentia" hat, soll vom richter genauso geschluckt werden, wie das, was sowieso wahr und wahrscheinlichist. die qualtätsmaxime wird demnach gebrochen. eine rettung durch eine implikatur wie zb ironie wäre für den betroffenen sehr hinderlich.

über jeden weiteren input bin ich sehr froh. ich hoffe, dass ihr meine herausgearbeiteten gemeinsamkeiten nicht als zu plakativ, banal und an den haaren herbeigezogen empfindet. allein grice' wortwahl ist doch schon sehr auffällig oder? ich wüsste zu gern, ob und inwieweit er von quintilian beeinflusst wurde.


Hallo, ich bin huschpuscheli und seit 03.01.2012 11:02 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
17.01.2012, 18:26:52
Beitrag #6
RE: grice und quintilian
(17.01.2012 18:00:15)huschpuscheli schrieb:  über jeden weiteren input bin ich sehr froh. ich hoffe, dass ihr meine herausgearbeiteten gemeinsamkeiten nicht als zu plakativ, banal und an den haaren herbeigezogen empfindet.

"banal" und "an den Haaren herbeigezogen" widerspricht sich ja schon fast.
Natürlich kann man sagen, dass viele von den Dingen, die Grice oder Quintilian da als Regeln formuliert haben, dem sogenannten "gesunden Menschenverstand" in Sachen kommunikativen Verhaltens entsprechen. Aber dann wäre das ein Vorwurf an die beiden und nicht an Dich. Zwinker

Ob G. von V. beeinflusst wurde, könnte man vielleicht einert B iographie entnehmen, wenn es eine gibt, oder G.'s Publikationen, wenn es dort vielleicht irgendwo einen expliziten Hinweis gibt.


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
17.01.2012, 19:27:06
Beitrag #7
RE: grice und quintilian
Ich finde, dass das, was du herausgearbeitet hat, durchaus überzeugend ist.
Ob da nun wirklich ein direkter Input des einen beim anderen vorliegt, kann man wohl nur durch konkrete Verweise belegen und die ließen sich entweder, wie Jan es vorschlägt, in biographischen Angaben oder in tatsächlichen Referenzen in Grices Originaltexten wiederfinden. Da bin ich aber total überfragt.

Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
19.01.2012, 15:40:04
Beitrag #8
RE: grice und quintilian
(17.01.2012 19:27:06)neous schrieb:  Ich finde, dass das, was du herausgearbeitet hat, durchaus überzeugend ist.
Ob da nun wirklich ein direkter Input des einen beim anderen vorliegt, kann man wohl nur durch konkrete Verweise belegen und die ließen sich entweder, wie Jan es vorschlägt, in biographischen Angaben oder in tatsächlichen Referenzen in Grices Originaltexten wiederfinden. Da bin ich aber total überfragt.

vielen dank für deine antwort. ich habe noch etwas recherchiert: grice hat die vierteilige terminologie von kant und dessen "urteilstafel". in der grice-bio "paul grice: philosopher and linguist von siobhan chapman" kann ich leider keine verbindung zu quintilian finden; nur zu kant und aristoteles' kategorienlehre. letztendlich lande ich dann wohl doch - wie janwo schrieb - beim gesunden menschenverstand Lächel


Hallo, ich bin huschpuscheli und seit 03.01.2012 11:02 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
14.04.2016, 02:06:53
Beitrag #9
RE: grice und quintilian
Hallo! Lächel

Dein Beitrag ist zwar schon mehrere Jahre her, aber macht nichts! Ich schreibe gerade meine Magisterarbeit zu Brevitas in Ovids Metamorphosen und habe mich gerade mit Grice beschäftigt. Mir ist die Parallele zu Quintilian auch sofort aufgefallen und ich hatte mich gefragt, ob da schon jemand was dazu geschrieben hat - war überzeugt davon, da so offensichtlich. Habe "Grice und Quintilian" gegoogelt und bin auf deinen Beitrag gestoßen. Bin gerade total begeistert, dass ihr ein ganzes Seminar zu Kürze hattet!! Da sieht man mal, wie relevant das Thema ist! Zwinker

Wie war deine Hausarbeit? Bist du auf hilfreiche Literatur diesbezüglich gestoßen? Wenn du Lust hast, können wir uns austauschen!

Liebe Grüße

Marina

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
14.04.2016, 07:42:08
Beitrag #10
RE: grice und quintilian
lectori p.s.d.


Interessantes Thema, brevitas bei Ovid und seinen Gestaltwandlern.

Lit: Bär, Roelcke, Steinhauer (Hrsg): Sprachliche Kürze. De Gruyter 2007 ..... ist sicherlich schon bekannt. (?)

Raffung und Dehnung,
Anschaulichkeit und statische Phasen,
Leerstellen/Slots,
Verrätselung, Verstehensverzögerung und Dechiffrierstimuli,
soziokulturelle Hintergründe und deren Kenntnis bei zeitgenössischen Adressaten Ovids und bei heutigen Lesern, überhaupt makro- und mikrostrukturelle Mittel in der Erzähltechnik, das ist spannend.

Überlegenswert:
Konzentration auf eine metamorphotische Narration, bei Randblicken auf das ganze Opus.
also Konzentration z.B. auf Pyramus und Thisbe.

Salute

http://tinyurl.com/japqhj9


Hallo, ich bin Willi Wamser und seit 09.04.2012 15:42 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
Antwort schreiben 


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema:VerfasserAntworten:Ansichten:Letzter Beitrag
  [Pragma] Grice - Levinson - Horn: Warum das Ganze? franese 2 557 24.09.2016 12:24:40
Letzter Beitrag: Elorie
  Konversationsmaximen nach Grice Annette 7 11.869 10.09.2008 22:04:46
Letzter Beitrag: dergärtner

Gehe zu:


1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste