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[Theor]: Sprach- und Grammatiktheorie  » Erledigt: Heute Heute infrage kommen regiert welchen Fall?
▶ kommt bei mir nicht infrage ist das korrekt?

12.09.2012, 21:11:08
Beitrag #1
infrage kommen regiert welchen Fall?
Liebe Experten,

bei der Redewendung "infrage kommen" stellt sich für mich die Frage, ist folgender Satz korrekt?
"du kommst bei mir sowiso nicht infrage oder muss es "für mich" heißen? und wenn ja, warum?
ist "infrage" ein Adverb und gibt es für Adverbien Rektion?
am Wort "kommen" kann es doch auch nicht liegen???

oder hat das ganze mit dem Dativus commodi zu tun? der laut Helbig/Buscha substituierbar ist durch für´+ Akkusativ aber : "Der Subjektsnominativ ist ein Agens, dessen Tätigkeit für den Referenten des Dativ als positiv intentional und wünschenswert verstanden wird..."

Subjektsnominativ wäre in meinem Satz "du"
und Referent wäre dann "mir" ???????
und positiv ist der Satz ja nun wirklich nicht, oder?

Bitte helft! Ich finde nichts darüber
vielen Dank schon mal


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13.09.2012, 09:46:59
Beitrag #2
RE: infrage kommen regiert welchen Fall?
Hallo "Konsekutivsatz"!

(12.09.2012 21:11:08)konsekutivsatz schrieb:  bei der Redewendung "infrage kommen" stellt sich für mich die Frage, ist folgender Satz korrekt?
"du kommst bei mir sowiso nicht infrage oder muss es "für mich" heißen? und wenn ja, warum?
ist "infrage" ein Adverb und gibt es für Adverbien Rektion?
Es ist ja sowieso noch nicht so lange her, dass man jetzt neben in Frage kommen auch infrage kommen schreiben darf, man das Verb also auch mit einem Adverb infrage bilden kann, statt als Feste Verbindung (Phraseologismus) mit einer bestimmten Präpositionalergänzung:
http://www.canoo.net/services/Controller...nSensitive

Ich würde sagen: Es heißt in dieser Festen Verbindung auch immer in Frage kommen für jemanden und nie anders!

(12.09.2012 21:11:08)konsekutivsatz schrieb:  am Wort "kommen" kann es doch auch nicht liegen???
Doch, doch, genau an dem Wort liegt das!

Bei in Frage stellen/stehen sagt man z.B. eher bei oder an: Ich stelle bei jemandem(etwas) etwas in Frage/Etwas steht bei jemandem(etwas) in Frage.

(12.09.2012 21:11:08)konsekutivsatz schrieb:  oder hat das ganze mit dem Dativus commodi zu tun? der laut Helbig/Buscha substituierbar ist durch für´+ Akkusativ aber : "Der Subjektsnominativ ist ein Agens, dessen Tätigkeit für den Referenten des Dativ als positiv intentional und wünschenswert verstanden wird..."
Nein, die semantische Rolle eines Benefaktivs oder auch Malefaktivs (benennt denjenigen im Oberflächenkasus "Dativ", zu dessen Schaden etwas ist) kann ich weder in der Festen Verbindung in Frage kommen noch in der Festen Verbindung (etwas) in Frage stellen/stehen sehen.

Gruß Gernot


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13.09.2012, 11:17:59
Beitrag #3
RE: infrage kommen regiert welchen Fall?
Die "infrage kommen"-Konstruktion ist für mich Zwinker genau dasselbe wie dieser Satz auch, oder Sätze wie Das ist ein schweres Thema für ihn.
Eine Konstruktion mit freiem Dativ (quasi als Experiencer eines Wahrnehmungs- oder Empfindungsverbs) ist denkbar: das kam ihm nicht infrage, aber vermutlich nicht jedem akzeptabel.


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13.09.2012, 12:25:59
Beitrag #4
RE: infrage kommen regiert welchen Fall?
Vielen Dank für die Antworten
aber meint ihr, es gibt eine Regel für die Annahme, dass hier der Akkusativ stehen muss?
Lieber Gernot, wenn du schreibst, es käme doch auf das Verb "kommen" an, dann müsste das doch mit der Rektion dieses Verbes zu tun haben...oder ist es doch die Rektion von "infrage" als Adverb?

Ich weiss einfach nicht, wo ich nachlesen soll, um eine Antwort zu finden. Habt ihr da eine Idee?
Im Duden steht "infrage" als Redewendung, aber ist es nicht eher eine Zusammenbildung? Und gibt es Literatur zum Thema Kasus und Zusammenbildungen????

Vielen Dank schon mal
Anna


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13.09.2012, 13:15:38
Beitrag #5
RE: infrage kommen regiert welchen Fall?
Hallo Anna!

(13.09.2012 12:25:59)konsekutivsatz schrieb:  aber meint ihr, es gibt eine Regel für die Annahme, dass hier der Akkusativ stehen muss?
Es geht hier nicht darum, ob hier eine Akkusativergänzung stehen muss, es geht vielmehr darum, dass hier eine bestimmte Präpositivergänzung stehen muss, nämlich eine solche mit der Präposition für, und die erfordert nun einmal den Akkusativ.

(13.09.2012 12:25:59)konsekutivsatz schrieb:  Lieber Gernot, wenn du schreibst, es käme doch auf das Verb "kommen" an, dann müsste das doch mit der Rektion dieses Verbes zu tun haben...oder ist es doch die Rektion von "infrage" als Adverb?
Das Ganze ist, wie gesagt, eine feste Verbindung aus infrage/ in Frage und einem Verb. Da gibt es eigentlich nur die Verben kommen, stellen und stehen. Beim Vergleich dieser drei Möglichkeiten fällt auf, dass man bei der erstgenannten mit kommen dann neben der bereits bestehenden Präpositivergänzung in Frage bzw. der daraus zusammengezogenen Partikel infrage dann noch eine weitere Präpositivergänzung mit für hat, während man bei den anderen beiden Kombinationen mit stehen und stellen eine Präpositivergänzung mit bei vorfindet.

(13.09.2012 12:25:59)konsekutivsatz schrieb:  Ich weiss einfach nicht, wo ich nachlesen soll, um eine Antwort zu finden. Habt ihr da eine Idee?
Im Duden steht "infrage" als Redewendung, aber ist es nicht eher eine Zusammenbildung? Und gibt es Literatur zum Thema Kasus und Zusammenbildungen????
Nein, ich würde es eher als Kollokation, speziell als eine Feste Verbindung oder sogar als ein Funktionsverbgefüge bezeichnen. Auch Redewendungen sind eine besondere Form der Kollokation.

Gruß Gernot


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13.09.2012, 14:32:41
Beitrag #6
RE: infrage kommen regiert welchen Fall?
Lieber Gernot,

(13.09.2012 12:25:59)konsekutivsatz schrieb:  aber meint ihr, es gibt eine Regel für die Annahme, dass hier der Akkusativ stehen muss?
Es geht hier nicht darum, ob hier eine Akkusativergänzung stehen muss, es geht vielmehr darum, dass hier eine bestimmte Präpositivergänzung stehen muss, nämlich eine solche mit der Präposition für, und die erfordert nun einmal den Akkusativ.


Aber woher weisst du das? wo steht, dass "infrage kommen" die Akkusativpräp. nach sich zieht?

(13.09.2012 12:25:59)konsekutivsatz schrieb:  Lieber Gernot, wenn du schreibst, es käme doch auf das Verb "kommen" an, dann müsste das doch mit der Rektion dieses Verbes zu tun haben...oder ist es doch die Rektion von "infrage" als Adverb?
Das Ganze ist, wie gesagt, eine feste Verbindung aus infrage/ in Frage und einem Verb. Da gibt es eigentlich nur die Verben kommen, stellen und stehen. Beim Vergleich dieser drei Möglichkeiten fällt auf, dass man bei der erstgenannten mit kommen dann neben der bereits bestehenden Präpositivergänzung in Frage bzw. der daraus zusammengezogenen Partikel infrage dann noch eine weitere Präpositivergänzung mit für hat, während man bei den anderen beiden Kombinationen mit stehen und stellen eine Präpositivergänzung mit bei vorfindet.


Kann ich nicht auch sagen: das steht bei mir in Frage...oder ich stelle das bei mir infrage?

(13.09.2012 12:25:59)konsekutivsatz schrieb:  Ich weiss einfach nicht, wo ich nachlesen soll, um eine Antwort zu finden. Habt ihr da eine Idee?
Im Duden steht "infrage" als Redewendung, aber ist es nicht eher eine Zusammenbildung? Und gibt es Literatur zum Thema Kasus und Zusammenbildungen????
Nein, ich würde es eher als Kollokation, speziell als eine Feste Verbindung oder sogar als ein Funktionsverbgefüge bezeichnen. Auch Redewendungen sind eine besondere Form der Kollokation.


oh je, danke für den Tip mit der Kollokation. Das Thema scheint ja noch in den Kinderschuhen zu stecken...seufz
viele Grüße
Anna


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13.09.2012, 15:47:41
Beitrag #7
RE: infrage kommen regiert welchen Fall?
(13.09.2012 14:32:41)konsekutivsatz schrieb:  
(13.09.2012 13:15:38)Gernot Back schrieb:  Es geht hier nicht darum, ob hier eine Akkusativergänzung stehen muss, es geht vielmehr darum, dass hier eine bestimmte Präpositivergänzung stehen muss, nämlich eine solche mit der Präposition für, und die erfordert nun einmal den Akkusativ.
Aber woher weisst du das? wo steht, dass "infrage kommen" die Akkusativpräp. nach sich zieht?
Wo steht das? Vielleicht in Frequenzwörterbüchern?
Ich kann auf die Schnelle nur einen Test mit Google machen, der allerdings unzulässigerweise Satzgrenzen ignoriert:
  • "in Frage stellen für": ca. 943.000 Ergebnisse
  • "in Frage stellen bei": ca. 70.200 Ergebnisse
Wie gesagt, es geht nicht darum, dass bei der Festen Verbindung "in Frage kommen" jetzt unbedingt eine Präposition mit dem Akkusativ folgen muss, vielmehr geht es darum, dass sich hier die Kombination mit der Präposition für eingebürgert hat, die nun einmal mit dem Akkusativ steht. Deshalb ist das auch keine Frage der Verbrektion von bestimmten Kasus sondern der Phraseologie!

(13.09.2012 14:32:41)konsekutivsatz schrieb:  Kann ich nicht auch sagen: das steht bei mir in Frage...oder ich stelle das bei mir infrage?

Natürlich könnte man das sagen und würde es möglicherweise auch im selben Sinne wir für verstehen, es wäre nur nicht idiomatisch! Wenn sich viele deine Ausdrucksweise angewöhnen, könnte es das aber noch werden. Ich würde aber, wenn ich so etwas höre eher davon ausgehen, dass hier jemand zwei Redewendungen vermischt hat.

Man sagt eben üblicherweise
etwas für jemanden/etwas in Frage stellen
und
etwas bei jemandem/etwas in Zweifel ziehen
und nicht umgekehrt!

Abgesehen von der fehlenden Idiomatik besteht bei der Aussage

Ich stelle etwas bei mir in Frage

... aber auch die Gefahr, dass man hier eine andere Bedeutung sehen könnte, als wenn man sagt

Ich stelle etwas für mich in Frage.

Bei/An sich (in Bezug auf sich) kann man doch nur in Frage stellen, was einem von anderen als Charaktereigenschaft zugeschrieben wird bzw. was man bisher für einen eigenen Wesenszug gehalten hat.

Im Bezug auf eine Meinung über andere könnte man auch beide Präpositionalphrasen kombinieren:

Für mich (=meiner Meinung nach) steht bei ihm die Qualifikation in/außer Frage.

... aber auch das ließe sich eleganter ohne bei mit einem Possessivartikel ausdrücken:

Für mich steht seine Qualifikation in/außer Frage.


Gruß Gernot


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