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[Morph]: Morphologie  » Erledigt: Heute Heute zu in der Verbmitte

24.11.2013, 15:05:22
Beitrag #1
zu in der Verbmitte
Er ist nicht willig zu antworten.
Er braucht nicht zurückzukommen.

Wie nennt man solche Verben, in denen man das "zu" in die Mitte setzen kann? Das gibt es doch nur bei "zusammengesetzten Verben", oder? Und, habe ich das richtig verstanden: Das "zu" wird in einfachen Sätzen verwendet, wenn man ein Nicht-Modalverb mit einem Vollverb verbindet?

Danke für die Hilfe.


Hallo, ich bin JKAustria und seit 23.11.2013 22:13 hier angemeldet.
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24.11.2013, 15:24:03
Beitrag #2
RE: zu in der Verbmitte
(24.11.2013 15:05:22)JKAustria schrieb:  Er ist nicht willig zu antworten.
Er braucht nicht zurückzukommen.

Wie nennt man solche Verben, in denen man das "zu" in die Mitte setzen kann? Das gibt es doch nur bei "zusammengesetzten Verben", oder?
Danke für die Hilfe.

Hallo JKAustria,

es gibt verschiedene Arten von "zusammengesetzten Verben" im Deutschen. Die Verwendung eines Verbs im Infinitiv mit zu nennt man auch erweiterter Infinitiv und da verhalten diese beiden Arten von Verben sich unterschiedlich.
Das eine sind die Präfixverben, bei ihnen kann man das Erstglied (ich sage jetzt absichtlich nicht Präfix dazu) nicht abtrennen. Also etwa bei:

Ich verfahre mich.
*Ich fahre mich ver.

Bei Präfixverben kannst du das Erstglied auch im erweiterten Infintiv nicht abtrennen:

Es war unmöglich, mich zu verfahren.
*Es war unmöglich mich ver zu fahren.

Und dann gibt es noch die Partikelverben, von denen du eines als Beispiel gebracht hast, nämlich zurückkommen. Das Erstglied der Partikelverben kann im Gegensatz zu dem der Präfixverben abgetrennt werden, also etwa

Ich komme zurück.
Ich frage nach.
aber
*Ich zurückkomme.
*Ich nachfrage.

Im erweiterten Infinitiv wird daher das zu zwischen Erstglied und Stamm eingefügt:
Er braucht nicht zurückzukommen.
*Er braucht nicht zu zurückkommen.
Ich traue mich, nachzufragen.
*Ich traue mich zu nachfragen.

(24.11.2013 15:05:22)JKAustria schrieb:  Und, habe ich das richtig verstanden: Das "zu" wird in einfachen Sätzen verwendet, wenn man ein Nicht-Modalverb mit einem Vollverb verbindet?

Ich verstehe leider nicht ganz, was du hier mit "einfachen Sätzen" meinst?
Man kann in einigen Fällen auch Modalverben mit einem erweiterten Infinitiv verbinden:

Ich mag es zu schlafen.


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24.11.2013, 15:49:56
Beitrag #3
RE: zu in der Verbmitte
Der erste Teil war sehr aufschlussreich, danke.
Zum zweiten Teil: Wäre es richtig, wenn man sagen würde: Zu verwendet man, wenn man ein Hilfs- oder Modalverb mit einem Vollverb verbindet?


Hallo, ich bin JKAustria und seit 23.11.2013 22:13 hier angemeldet.
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24.11.2013, 15:58:22
Beitrag #4
RE: zu in der Verbmitte
(24.11.2013 15:49:56)JKAustria schrieb:  Der erste Teil war sehr aufschlussreich, danke.
Gern.

(24.11.2013 15:49:56)JKAustria schrieb:  Zum zweiten Teil: Wäre es richtig, wenn man sagen würde: Zu verwendet man, wenn man ein Hilfs- oder Modalverb mit einem Vollverb verbindet?

Gäbe es nur solche Konstruktionen wie Er scheint zu lesen. wäre das wohl eine zutreffende Regel. Aber ganz so einfach ist es leider nicht. Wenn das die Regel wäre, dann wären ja

Ich mag gerne schlafen.

oder
Ich brauche heute nicht arbeiten.

keine grammatischen Sätze.

Mit zu kann man schlicht Konstruktionen bilden, die einen Nebensatz ersetzen. Beispielsweise kann ich sagen:

Ich wünsche mir auszuschlafen.
das könnte ich auch in einem Nebensatz formulieren:
Ich wünsche mir, dass ich ausschlafe.

Ich habe mir vorgenommen, morgen endlich aufzuräumen.
Als Nebensatz:
Ich habe mir vorgenommen, dass ich morgen endlich aufräume(n werde).


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24.11.2013, 21:16:51
Beitrag #5
RE: zu in der Verbmitte
Eine kurze Zwischenfrage:
Unterliegt die Frage ob "zu" oder nicht der Valenz des Verbes? Denn dann wäre sie ja relativ willkürlich, oder nicht?


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24.11.2013, 21:26:12
Beitrag #6
RE: zu in der Verbmitte
Inwiefern der Valenz unterliegend? Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten, die geforderten Ergänzungen durch Konstruktionen mit zu zu belegen (höhö.), die einzigen, für die mir jetzt kein Beispiel einfallen würden, wären Adverbien. Für alle anderen könnte man glaube ich Szenarien durchexerzieren, in denen die Position durch entweder nebensatzwertige Konstruktionen mit zu belegt sind oder durch andere.
Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ob das mit der Valenz zusammenhängt, lasse mich aber gerne erhellen.


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25.11.2013, 00:39:21
Beitrag #7
RE: zu in der Verbmitte
Nicht direkt der Valenz i.e.S. (Transitivität), aber den Distributions- und Verknüpfungsregeln, die gerne mal unter vValenz i.w.S. gehandelt werden und Teil des erweiterten Lexikoneintrages sind (und somit arbiträr, ja). Die regeln, ob da ein erweiterter Infinitiv mit zu folgen kann/darf/muss oder nicht. Das Wo, die Position des zu, vor dem Verb oder "interfigiert" hängt schlichtweg davon ab, ob das Verb morphologisch komplex ist (deriviert: aufzuräumen, komponiert: spazierenzugehen) oder nicht.


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25.11.2013, 19:28:20
Beitrag #8
RE: zu in der Verbmitte
(25.11.2013 00:39:21)janwo schrieb:  Das Wo, die Position des zu, vor dem Verb oder "interfigiert" hängt schlichtweg davon ab, ob das Verb morphologisch komplex ist (deriviert: aufzuräumen, komponiert: spazierenzugehen) oder nicht.

So 'drastisch' formuliert würdest du also Verben, bei denen das Präfix nicht abtrennbar ist, demnach als nicht morphologisch komplex analysieren? Bei verbalen Komposita kommt ja noch die Besonderheit der Schreibung hinzu, es heißt spazieren zu gehen und nicht spazierenzugehen, Zusammenschreibung hat man nur bei der Substantivierung das Spazierengehen oder als Variante beim Partizip I, bei dem sowohl spazierengehende Menschen als auch spazieren gehende Menschen möglich ist.


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25.11.2013, 19:43:19
Beitrag #9
RE: zu in der Verbmitte
(25.11.2013 19:28:20)lingucat schrieb:  
(25.11.2013 00:39:21)janwo schrieb:  Das Wo, die Position des zu, vor dem Verb oder "interfigiert" hängt schlichtweg davon ab, ob das Verb morphologisch komplex ist (deriviert: aufzuräumen, komponiert: spazierenzugehen) oder nicht.

So 'drastisch' formuliert würdest du also Verben, bei denen das Präfix nicht abtrennbar ist, demnach als nicht morphologisch komplex analysieren?
Nee. Mir fielen nur grad keine ein. Bei den echten Präfixen gibt es natürlich Gegenbeispiele: entlaufen > zu entlaufen, *entzulaufen. Es schient eher so zu sein, dass bestimmte (sekundäre? grammatikalisierte?) Präfixe zur Abtrennbarkeit neigen.

(25.11.2013 19:28:20)lingucat schrieb:  Bei verbalen Komposita kommt ja noch die Besonderheit der Schreibung hinzu, es heißt spazieren zu gehen und nicht spazierenzugehen, Zusammenschreibung hat man nur bei der Substantivierung das Spazierengehen oder als Variante beim Partizip I, bei dem sowohl spazierengehende Menschen als auch spazieren gehende Menschen möglich ist.
Naja, die Schreibung ist sekundär. Die folgt ihren eigenen, merkwürdigen Logiken und hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, was morphologisch dahinter steckt/dahintersteckt.


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25.11.2013, 19:49:46
Beitrag #10
RE: zu in der Verbmitte
(25.11.2013 19:43:19)janwo schrieb:  Nee. Mir fielen nur grad keine ein. Bei den echten Präfixen gibt es natürlich Gegenbeispiele: entlaufen > zu entlaufen, *entzulaufen. Es schient eher so zu sein, dass bestimmte (sekundäre? grammatikalisierte?) Präfixe zur Abtrennbarkeit neigen.

Ja, die nennt man dann Verbpartikel, z.B. ab, an, auf, aus, durch, bei, über, unter, .... Es gibt auch einige Erstglieder wie um, die sich je nach Betonung sowohl wie eine Partikel als auch wie ein Präfix verhalten können.

úmfahren --> Ich fahre den Mann um.
umfáhren --> Ich umfahre den Mann.

(25.11.2013 19:43:19)janwo schrieb:  Naja, die Schreibung ist sekundär. Die folgt ihren eigenen, merkwürdigen Logiken und hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, was morphologisch dahinter steckt/dahintersteckt.

Sekundär insofern, als dass sie sich in ihrem Verhalten beim Infinitiv mit zu wie Partikelverben verhalten, nur dass das Erstglied hier halt keine Partikel ist.


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25.11.2013, 21:01:03
Beitrag #11
RE: zu in der Verbmitte
(25.11.2013 19:49:46)lingucat schrieb:  
(25.11.2013 19:43:19)janwo schrieb:  Nee. Mir fielen nur grad keine ein. Bei den echten Präfixen gibt es natürlich Gegenbeispiele: entlaufen > zu entlaufen, *entzulaufen. Es schient eher so zu sein, dass bestimmte (sekundäre? grammatikalisierte?) Präfixe zur Abtrennbarkeit neigen.

Ja, die nennt man dann Verbpartikel, z.B. ab, an, auf, aus, durch, bei, über, unter, .... Es gibt auch einige Erstglieder wie um, die sich je nach Betonung sowohl wie eine Partikel als auch wie ein Präfix verhalten können.

úmfahren --> Ich fahre den Mann um.
umfáhren --> Ich umfahre den Mann.

Jaja, die Prinzipalmarktfrage, ich weiß. Statt jemanden zu umfahren, entschließt sich der münsteraner Radler, ihn lieber umzufahren.

Ich glaube, die unterschiedliche Behandlung der beiden Versorten hat etwas damit zu tun, als wie eng in der Sprecherintuition die Verbindung aus Partikel oder Präfix + Verb aufgefasst wird.


(25.11.2013 19:49:46)lingucat schrieb:  
(25.11.2013 19:43:19)janwo schrieb:  Naja, die Schreibung ist sekundär. Die folgt ihren eigenen, merkwürdigen Logiken und hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, was morphologisch dahinter steckt/dahintersteckt.

Sekundär insofern, als dass sie sich in ihrem Verhalten beim Infinitiv mit zu wie Partikelverben verhalten, nur dass das Erstglied hier halt keine Partikel ist.

Nein, aber die Partikeln werden anscheinend eher wie Kompositionsglieder aufgefasst und nicht wie Derivationsaffixe. damit sind sie einfacher abtrennbar. Ich glaube, wir widersprechen einnader gar nicht wirklich.
Hätt ich mich doch nicht so ungeschickt ausgedückt gestern... Motzjump


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25.11.2013, 21:06:41
Beitrag #12
RE: zu in der Verbmitte
(25.11.2013 21:01:03)janwo schrieb:  Ich glaube, die unterschiedliche Behandlung der beiden Versorten hat etwas damit zu tun, als wie eng in der Sprecherintuition die Verbindung aus Partikel oder Präfix + Verb aufgefasst wird.

Dann als Schlussbemerkung: die 'Sprecherintuition' hat hier nachgewiesener Weise tatsächlich was mit dem Wortakzent zu tun. Nachzulesen z.B. bei Hausmann (2006) oder bei Becker/Peschel (2003), nach denen Hausmann zitiert.


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26.11.2013, 12:27:15
Beitrag #13
RE: zu in der Verbmitte
Zum "zu" fällt mir eine heutige Situation ein. Ich hoffe es ist verzeihlich, dass ich es hier unterschiebe:

Ich produzierte folgenden Satz (schriftlich):
"anscheinend sind wir dazu ja schon zu zweit."

"dazu" bezieht sich auf eine Schreibaufgabe, die wir gemeinsam (zu zweit) bewältigen können.

Ein nichtlinguistischer Freund, der das las, fand diesen Satz ungrammatikalisch und sprach mich irritiert darauf an, meinte, "das geht nicht".
Ich seh darin allerdings überhaupt kein Problem, auch nicht worin er eins sehen könnte. Ihr? Wohlgemerkt hat er den Satz in der von mir beabsichtigten Bedeutung auch nicht auf Anhieb verstanden, er sah darin sowas wie "zu sehr zu zweit für etwas sein". Das seh ich jetzt auch, sonderlich naheliegend ist es aber nicht, und trotz meiner Erklärung, findet er meine Lesart immer noch "unmöglich". Als Lösung schlägt er vor: "Anscheinend sind wir da ja schon zu zweit". Was auch geht, aber das gemeinte nicht wirklich ausdrückt. Wir sind ja nicht da, oder sonstiges.


Hallo, ich bin linguasi.

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26.11.2013, 23:28:33
Beitrag #14
RE: zu in der Verbmitte
Hallo,
also, mit dem "zu" in der Verbmitte hat das nichts zu tun. Auch sind die beiden "zu"s in deinem Satz unabhängig voneinander. Das Wort "dazu" referiert in meinen Augen auf etwas im Satz davor und ließe sich durch "dafür" ersetzen: "anscheinend sind wir dafür ja schon zu zweit". Wahrscheinlich ist das eher umgangssprachlich aber in meinen Augen durchaus grammatikalisch.


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27.11.2013, 00:03:37
Beitrag #15
RE: zu in der Verbmitte
Für die Interpretaion mit "zu sehr" müsste es ja auch zu zu zweit heißen.


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