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 » Erledigt: Heute Heute Aussprache des l am Silbenende

07.08.2011, 20:20:53
Beitrag #1
Aussprache des l am Silbenende
Moin,
ich frage mich schon seit einiger Zeit, ob es ein reales Phänomen ist oder nur in meiner eigenen Aussprache zu finden ist. Und zwar geht es um das l am Ende einer Silbe.
Meine Kurzinvestigation bei anderen zeigte, dass ich nicht der einzige bin, der das l so ausspricht.
Für mich ist das l in z.B. "Balken" kein l wie in "Laus". Die Zunge berührt nicht die Alveolen. Gibt es dafür ein eigenes Zeichen oder so?

LG
Kevin


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
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08.08.2011, 12:18:21
Beitrag #2
RE: Aussprache des l am Silbenende
Die einzige signifikante L-Variation in meiner näheren Umgebung, derer ich mir bewusst bin, ist [ɫ] Zwinker

Ich kenne mich mit der Aussprache des Deutschen nicht so gut aus, weshalb ich nicht sagen kann, ob das, was du beschreibst was gängiges ist. Als ich deine Beispielwörter ausprobiert habe, habe ich sie interessanter Weise manchmal als retroflexe produziert, schiebe das aber auf Hyperartikulation, teilweise auch etwas weiter vorne an den Zähnen. Eine Systematik konnte ich aber nicht entdecken. Kannst du den Laut resp. seine Artikulation etwas genauer beschreiben? Dann lässt sich vielleicht ein Zeichen finden.

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08.08.2011, 13:45:28
Beitrag #3
RE: Aussprache des l am Silbenende
Hmm, also ich habe noch einmal weitergefragt und anscheinend ist es wirklich ein Aussprachephänomen. (Ich habe bisher nur Norddeutsche gefragt, weil ich hier lebe.)
Also, der Laut entsteht nur, wenn man das Wort in einer schnellen Geschwindigkeit ausspricht, als wäre das Wort in einem Satz. Wenn man die Leute bittet, es einmal alleine auszusprechen, neigen sie dazu, das l vollständig zu artikulieren.
Das l klingt fast vokalisch. Ich würde es laienhaft folgendermaßen transkribieren: [baɪknˌ] (Das letzte soll halt der silbische Konsonant sein, finde das Zeichen gerade nicht links.)
Es ist so, als würde die Zungenspitze zwar an der richtigen Stelle sein, aber halt nicht die Alveolen berühren, sodass der Laut nahezu vokalisch ist. (So wie ein zu weit vorne gesprochenes j.)


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08.08.2011, 16:10:39
Beitrag #4
RE: Aussprache des l am Silbenende
Ist das nicht einfach eine Assimilationserscheinung?


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08.08.2011, 19:15:58
Beitrag #5
RE: Aussprache des l am Silbenende
An den Vokal, oder wie meinst du? Mich dücht, dass das durch die Schnelligkeit entsteht, dass das l einfach nicht "zuende" artikuliert wird. Aber gibt es für sowas etwas aus dem IPA-Pott? Ich finde den Unterschied schon krass.


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08.08.2011, 20:01:12
Beitrag #6
RE: Aussprache des l am Silbenende
Axiom/Dogma/Mantra: Wenn es artikulierbar ist, lässt es sich auch mit IPA darstellen. Teach
Die Frage ist nur: wie. Zwinker


Die Assimilation kann an folgende Konsonanten oder Vokale erfolgen, z.B. indem die Zunge bereits eine dem folgenden Laut angenäherte Position einnimmt. Wenn man möchte, kann man diese Positionsveränderung durch IPA-Diakritika markieren.
Ich habe ja an anderer Stelle schon mal einige Diakritka erklärt. Die kann man kreativ einsetzen.

Siehe auch: L-Vokalisierung, z.B. hier


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08.08.2011, 20:09:17
Beitrag #7
RE: Aussprache des l am Silbenende
Eine mögliche Lösung wäre das "extra-short" Diakritikum. Ob das aber wirklich angemessen ist, muss man Situationsabhängig entscheiden. Wenn du dir sicher bist, dass das [l] zu einem Vokal wird, dann schreib's eben wie du vorschlugst z.B. als [ɪ̭].

Man könnte auch experimentell mal nachschauen, nur ein EPG oder so hat man im Allgemeinen ja nicht im Wohnzimmer stehen Zwinker

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08.08.2011, 20:43:15
Beitrag #8
RE: Aussprache des l am Silbenende
(08.08.2011 20:09:17)thf schrieb:  nur ein EPG oder so hat man im Allgemeinen ja nicht im Wohnzimmer stehen Zwinker

Stimmt. das gehört ja auch ins Arbeitszimmer. *scnr* Aetsch_teufel



Ad rem: Mit der Kürze allein ist es nicht getan, wenn sich der Artikulationsort ändert.


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08.08.2011, 23:10:55
Beitrag #9
RE: Aussprache des l am Silbenende
Hallo, vielen Dank für die Links, die waren wirklich interessant. Also ist die l-Vokalisierung erst einmal kein Hirngespinst meinerseits.
Dennoch wundert es mich, dass das alles für süddeutsche Mundarten gemacht wurde, aber dieses Phänomen meiner Stichproben nach auch hier im hohen Norden existiert.

Das [ı] ist aber nicht der genaue Lautwert, das stört mich noch etwas. Ich finde bisher auch nicht das richtige Diakritika. Es müsste ja eines her, das angibt, dass die Zunge eben nicht den Artikulationsort berührt, sondern kurz davor. Wie ein j, das bei den Alveolen gesprochen wird, es ist aber nicht ɹ. Ich würde den Laut eher als Approximant bezeichnen, wie j und ɥ und nicht direkt als vollen Vokal. (Außerdem beißen die Zähne leicht auf die Zunge an den Seiten.)

Also auftreten tut das vokalische l bei eigentlich allen Lautumgebungen, alle Vokale vorher und auch mit anderen Konsonanten zusammen in der Coda. (Aber bei "du fehlst" oder "Schuld" zum Beispiel tritt es wieder leicht als konsonantisch auf. Ich schätze einmal durch Assimilierung an s.)

Ich habe es einmal aufgenommen. Wer über meine Sprechstimme lacht, kriegt eins oppen Kopp! Zwinker
Das sage ich:
Balken
melken
Milch
Mulch
Auch wenn es manchmal wie l klingt, ist es doch vokalisch/approximantisch.

(Wieso kann man keine wma oder avi anhängen? Ich kann es leider nicht hochladen.)


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Martin Solveig ~ Heart of Africa
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08.08.2011, 23:27:49
Beitrag #10
RE: Aussprache des l am Silbenende
(08.08.2011 23:10:55)Kevin schrieb:  (Wieso kann man keine wma oder avi anhängen? Ich kann es leider nicht hochladen.)

immernurmeckern
Irgendwo muss auch mal gut sein. Ich will nicht alle Formate hier erlauben, vor allem nicht die "fetten".

.mp3, .ogg, .ram, .wav gehen. Oder .tar oder .zip


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25.09.2011, 22:40:08
Beitrag #11
RE: Aussprache des l am Silbenende
Also, ich muss erst einmal sagen, dass du durch und durch Recht hast, Kevin! Ich spreche das nämlich genau so aus. Und wohne in Süddeutschland. Big Grin
Ich würde es auf den ersten "Aussprecher" auch eher als einen Approximanten bezeichnen.
Doch, ich merke einen ANhauch von pharyngalisch-frikativisch-konsonantischem Etwas, das aber nicht so weit hinten und palatalisiert ausgesprochen wird.
Eben, die Zwischenstufe von [l] zu [ʎ] oder [ɪ]/[i].


Hier steht meine Signatur.
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26.09.2011, 10:51:59
Beitrag #12
RE: Aussprache des l am Silbenende
Ich kann es auch bestätigen - wenn ich "Balken" schnell in einem Satz ausspreche kommt auch etwas Vokalartiges dabei rum.

Interessant: Das erste Wort der Tochter eines Freundes ist "Ball" - das klingt allerdings auch ganz stark nach "bai"!


Starfleet Yeah
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28.09.2011, 15:59:39
Beitrag #13
RE: Aussprache des l am Silbenende
Ich tendiere dazu, das /l/ zumindest in solche und welche zu vokalisieren: [zɔʏçə vɛeçə]. Ich hab allerdings noch nie drauf geachtet, ob andere aus der Gegend, in der ich aufgewachsen bin (westliches Nordhessen, d.h. Waldeck) das auch machen. Blöd ist nur, dass meine Familie mittlerweile dort nicht mehr wohnt, ich also im Prinzip nicht mehr da hinkomme. Einige Kommilitonen und Bekannte hier in Marburg kommen allerdings von da, also mal gucken.

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28.09.2011, 16:30:04
Beitrag #14
RE: Aussprache des l am Silbenende
Nachtrag: Die Kleine hat ein neues Wort - Milch. Und sie spricht es wie [mı:ç]. Ich würde vermuten, dass viele Sprecher bei diesen Vokal+l+Konsonant-Kombinationen dazu tendieren, dass l zu "verschludern":


Starfleet Yeah
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