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 » nicht erledigt Bedeutung des Wortes "Kunis"

12.07.2011, 10:47:47
Beitrag #1
Bedeutung des Wortes "Kunis"
Hallo,

in Handschriften und Briefen König Ludwig II. benutzt dieser des öfteren das Wort "Kunis". Der (m. E. nicht sehr seriöse) Autor Robert Holzschuh interpretiert in seinem Buch "Das verlorene Paradies Ludwig II." das Wort "Kunis" als Synonym für Geschlechtsteil bzw. Penis. Andere Quellen interpretieren es als "Bart(wuchs)" bzw. "Kreis".
Leider versäumen es alle Autoren, einen Nachweis für ihre Interpretation zu erbringen und so können die Briefe - je nach Veröffentlichung - mehrdeutig sein.
Kann mir hier jemand zu einer korrekten und nachweislichen Deutung des Wortes "Kunis" helfen? Oder benutzte der König hier einen Geheimcode?

Vielen Dank für die Hilfe!

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14.07.2011, 09:05:21
Beitrag #2
RE: Bedeutung des Wortes "Kunis"
Hallo,
in deutschen Wörterbüchern habe ich das Wort nicht gefunden. Ein eher schlechter als rechter Treffer ist wohl lateinisch cunnus, welches allerdings die weibliche Scham bezeichnet.
Der Wechsel des zweiten /u/ zu /i/ könnte entweder mit der Vokalkürze zusammenhängen oder eine (gräzisierende) Verfremdung sein oder mit der französischen Form des Wortes zusammenhängen (die dafür aber eigentlich das <s> nicht mehr hat, aber das ist bloße Spekulation meinerseits.
Über die denkbaren Zusammenhänge mit den anderen angebotenen Übersetzungen möchte ich jetzt nicht phantasieren. [Bild: 7.png]


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14.07.2011, 11:22:41
Beitrag #3
RE: Bedeutung des Wortes "Kunis"
Ich rate mal mit Lächel irgendwie ist mir gleich der Begriff "yoni" aus dem Kamasutra eingefallen. Dort bezeichnet er die weiblichen Geschlechtsteile/die Vulva. Ob eine lautliche Verschiebung von /j/ nach /k/ über sowas wie /ch/ möglich ist, kann ich nur mutmassen. Vielleicht kannte Ludwig das ja....pure Spekulation...Zwinker

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14.07.2011, 11:31:01
Beitrag #4
RE: Bedeutung des Wortes "Kunis"
Da dürfte die indoeuropäische Urverwandtschaft nicht unerheblich sein. Und eine Korrespondenz Plosiv : Frikativ / Approximant ist zwischen den Kentum- und Šatem-Sprachen ja auch nicht gerade unbekannt. Zwinker

Die Yoni wird übrigens gerne auch mal durch einen Kreis bzw. etwas Kreisförmiges symbolisiert, vielleicht daher die "komische" Alternativübersetzung?


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02.05.2012, 16:45:45
Beitrag #5
RE: Bedeutung des Wortes "Kunis"
Aind. y- kann bei urverwandten Wörtern nur ein germanisches j- entsprechen, vgl. etwa dt. Joch, got. juk, aind. yugam.

Einem dt. k würde ai. g oder j (/dʒ/ aus /ɟ/).
Einem romanischen/lateinischen k entspräche k, c (/tʃ/ aus /c/) oder ś.

Aind. yoni- "Scham, Schoß" könnte ein Euphemismus sein und auf ein indoiranisches *i̯au̯-nā-, idg. *i̯eu̯-neh2 und wäre dann verwandt mit griech. ζώνη zṓnē "Gürtel".

Strittig ist auch die Frage, ob engl. cunt und lat. cunnus urverwandt sind, was wegen der germanischen Lautverschiebung eigentlich nicht möglich ist, ob es sich um eine zufällige Entwicklung oder eine Entlehnung handelt.

OED schrieb:cunt
[...] M.E. cunte "female genitalia," akin to O.N. kunta, from P.Gmc. *kunton, of uncertain origin. Some suggest a link with L. cuneus "wedge," others to PIE root *geu- "hollow place," still others to PIE *gwen-, root of queen and Gk. gyne "woman."

The form is similar to L. cunnus "female pudenda" (also, vulgarly, "a woman"), which is likewise of disputed origin, perhaps lit. "gash, slit," from PIE *sker- "to cut," or lit. "sheath," from PIE *kut-no-, from root *(s)keu- "to conceal, hide." [...]


Hallo, ich bin Mindaugas und seit 14.11.2011 19:21 hier angemeldet.
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28.01.2015, 17:42:59
Beitrag #6
RE: Bedeutung des Wortes "Kunis"
(12.07.2011 10:47:47)nimbus schrieb:  Hallo,

in Handschriften und Briefen König Ludwig II. benutzt dieser des öfteren das Wort "Kunis". Der (m. E. nicht sehr seriöse) Autor Robert Holzschuh interpretiert in seinem Buch "Das verlorene Paradies Ludwig II." das Wort "Kunis" als Synonym für Geschlechtsteil bzw. Penis. Andere Quellen interpretieren es als "Bart(wuchs)" bzw. "Kreis".
Leider versäumen es alle Autoren, einen Nachweis für ihre Interpretation zu erbringen und so können die Briefe - je nach Veröffentlichung - mehrdeutig sein.
Kann mir hier jemand zu einer korrekten und nachweislichen Deutung des Wortes "Kunis" helfen? Oder benutzte der König hier einen Geheimcode?

Vielen Dank für die Hilfe!

Hallo,

schön, dass Sie sich für Ludwig II. interessieren. - Das Wort "Kunis" mit dem weiblichen Geschlechtsteil in Verbindung zu bringen, wie es einige meiner "Vorredner" auf sehr wissenschaftliche Weise tun, dürfte ja wohl nichts bringen, da sich Ludwig II. nach dem "Kunis" von Männern erkundigte. M. E. ist sowohl die Transkription als auch die Deutung von Holzschuh falsch. Das in Ludwigs II. Briefen schwer lesbare Wort muss "Kreis" heißen, womit die Deutung als Penis schwer verständlich erscheint. Zudem fragt er nach, ob der "Kunis"/"Kreis" bei einem seiner Auserwählten schon gewachsen ist, was beim Penis schlecht möglich ist.

Es geht tatsächlich um Haare, aber nicht um den Bart, wie manche meinen, sondern um die Schamhaare, die Ludwig II. mit dem Geheimcode (um bei Ihrem Wort zu bleiben) "Kreis" versieht, was nicht mal weit hergeholt ist. Er spricht nämlich auch vom "unteren Kreis" und möchte in einem Fall wissen, "wie weit das bewußte aus dem Kreise absteht". Der von jeder Haarpracht faszinierte König ließ auch Haarwuchsmittel anwenden, was die Frage nach dem Wachsen des "Kreises" erklärt. Das alles ist in den so genannten Kammerbefehlen Ludwigs II. nachzulesen und beweist, dass er homosexuelle Neigungen hatte, was seine Verehrer bekanntermaßen bis heute abstreiten. Als wäre das so etwas Furchtbares!


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08.02.2015, 23:26:54
Beitrag #7
RE: Bedeutung des Wortes "Kunis"
Hallo,

schwankini
gibt es zu Ihrer Aussage auch Belege woher sich das Wort ableitet?
Oder entspringen Ihre Ausfuehrungen aus Zitaten des Konigs?

Meine weiteren Anregungen sind:

Das Wort "cunnus, cunni" (lat.) fuer den weibliche Geschlechtsbereich ist bekannt, wie auch schon die Vorredner ausgefuehrt haben. Der doppelte Plural ist jedoch schwer erklaerbar. Jedoch koennte die Verwendung einer Abwandlung von den Geschlechtbereichen einer Frau auch der Code fuer Ludwig II gewesen sein.
Auch in Namen wie Kunigunde steht "Kuni" fuer Geschlecht (etwa http://www.zeno.org/Goetzinger-1885/A/K%...um?hl=kuni), wenn auch eher fuer Herrschergeschlecht.
Auch hier stoert wieder das am Ende befindliche "s".

Von daher finde ich dass die Ausfuehrungen von Herrn Holzschuh etymologisch - wenn auch nicht in der Verwendung aller Schriftstuecke von Ludwig II - durchaus Sinn machen. Falls die Schriftstuecke von Herrn Holzschuh nicht sowieso damals von einer dritten Person erstellt wurden, um Ludwig II zu komprometieren. Dann waere der offensichtliche "Geheimcode" so konzipiert worden, dass man es auch unzuechtiges Verhalten erkennt. Soweit ich mich erinnere stand die zweifelsfreie Echtheitsbestimmung dieser Schriftstuecke noch aus.

Die Deutung als Bart wie es bspw. die Guglmaenner wissen wollen - konnte leider nicht mit Quellen belegt werden (es ist eine Tatsache!) - macht jedoch in manchen der Schriftstuecke deutlich mehr Sinn. Jedoch etymologisch kenne ich kein einziges Wort fuer Bart, welches Aehnlichkeit zum Wort Kunis aufweist - was auch daran liegen mag, dass ich als Nicht-Barttraeger auch nicht alle verschiedene Bartformen benennen kann.

Kunis als Kreis zu deuten mit dem Sinn von Scharmhaaren funktioniert ebenfalls in Teilen der Schriftstuecke. In einem der Schriftstueck moechte der Koenig eine Zeichnung vom Kunis haben. Von einem Bart duerfte das kein Problem und wenig anstoessig sein. Sobald es aber unter die Guertellinie geht (Scharmhaare und Geschlechtsteile), duerft das schon schwierig zu begruenden sein.
Bei Scharmhaaren habe ich das Problem, dass die normalerweise auch nicht ueber eine gewisse Laenge wachsen und somit die Frage, ob die Haare dort gewachsen sind - genau wie die Frage nach einem gewachsenen Glied beim erwachsenen Mann logisch - zumindest nach heutiger kollektiver Logik- keinen Sinn macht. Sollte es sich um Scharmhaare handeln waere die Frage, ob sie dichter geworden sind passender. Andererseits weiss man nicht welche "Wundermittel" zum Haar und/ oder Peniswachstum frueher unter der Hand verkauft wurden.

Ob Scharmhaare oder Geschlechtsteil gemeint ist, macht nach meiner Auffassung keinen groesseren Unterschied, da sie beide in den (zu schuetzenden) Intimbereich gehoeren, indem auch kein Koenig einfach so herumfuhrwerken darf. Das ist der Kern der Diskussion, - nicht so sehr ob es ein Bart ein Penis oder ein Kreis ist- sondern ob er etwas damals verbotenes tat oder etwas ganz harmloses sich dahinter verbirgt. Aus diesem Grund wuerde sowohl die Deutung von Scharmhaaren als auch die Deutung eines Penis auf etwas verbotenes hindeuten. Wohingegen, falls die Deutung auf Bart sich bezieht, es ueberhaupt nichts anruechiges haette.
Da es wohl weitere Schriftstuecke gibt, die die homophilen Fantasien von Ludwig II bestaetigen, ist seine homosex. Neigung nicht erst seit Herrn Holzschuh bekannt gemacht worden. Strittig ist jedoch, inwiefern und ob er das auslebte. Ob er "nur" Fantasien hatte oder tatsaechlich Maenner fuer seine Dienste rekrutierte und ob er nur schauen wollte oder gar mehr. Hierfuer ware die Auswertung der Schriftstuecke interessant und wichtig und auch ob es tatsaechlich Schriftstuecke aus Ludwig II Hand sind.

Auch kannte sich Ludwig II gut im frz. Sprache und in mittelalterlichen Gebraechen. ielleicht laesst sich hier eine Parallele finden.

Wie man sieht laesst sich die Bedeutung nach Jahren nicht so einfach konstruieren, was auf ein Codewort hindeutet. Ich hoffe ich konnte ein paar Vorschlaege liefern und wuerde gerne weitere Meinungen dazu hoeren.
Alles Gute weiterhin


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20.02.2015, 13:36:47
Beitrag #8
RE: Bedeutung des Wortes "Kunis"
Hallo an alle, die sich an der Diskussion beteiligen.

Ich möchte meinen Beitrag vom 28.01. präzisieren, da offensichtlich weiterhin Interesse am "Kunis" besteht.

Zunächst möchte ich bemerken, dass ich an der Echtheit der von Holzschuh veröffentlichten Briefe nicht zweifle und Reichold (1) folge, der die Herkunft der Briefe und deren Inhalt recherchiert hat. Ihr Inhalt stimmt völlig überein mit Ludwigs II. so genannten Kammerbefehlen, die es zu hunderten gibt und die dann natürlich auch alle gefälscht sein müssten (2). Alle nicht in das Bild vom edlen König Ludwig passenden Schriftstücke als Fälschungen zu deklarieren, ist wohl doch etwas zu einfach.

Nach dem Ursprung des Wortes "Kunis" weiter zu suchen, sollte sich endgültig erübrigen, da Herr Holzschuh, der das Wort in Umlauf gebracht hat, falsch transkribiert hat. Jeder kann sich in einem veröffentlichten Brief (3) überzeugen, dass dort in Ludwigs II. Schrift "Kreis" steht. Wieso Holzschuh "Kunis" daraus gemacht hat, ein Wort, das es ja offensichtlich überhaupt nicht gibt, bleibt sein Geheimnis.

"Kreis" als Bart zu deuten, ist natürlich Unsinn, ein Bart ist ja nichts Anstößiges und bedarf keines "Geheimcodes", wie sindbart in seinem Diskussionsbeitrag richtig erwähnt. Ludwigs Befehl "Melde mir [...] wie weit das bewußte aus dem Kreis absteht" (4) lässt m. E. nur die Deutung zu, dass es sich bei dem "bewußten" um den Penis und beim "Kreis" um die Schambehaarung handelt. Das an anderer Stelle erwähnte "Wachsen" des "Kreises" weist auf den Gebrauch von Haarwuchsmitteln hin, die die Auserwählten wohl ausprobieren mussten, was beim aus den Briefen und Kammerbefehlen herauszulesenden "Haar-Tick" Ludwigs nicht verwundert.

Im Übrigen glaube ich, dass Ludwig II. bis auf gelegentliche Küsse seine Homosexualität nicht praktizierte, es passt einfach nicht zu seiner Vorstellung vom Gott gegebenen idealen Königtum. Er identifizierte sich ja bekanntermaßen mit Lohengrin, dem reinen, edlen Gralsritter. Seit 1872 stellte der oft zitierte § 175 die "widernatürliche" Homosexualität unter Strafe. Einen echten Beweis für den sexuellen Verkehr des Königs mit Bediensteten gibt es bis heute nicht.

Weitere angeregte Diskussion wünscht
schwankini.

(1) Klaus Reichold, Keinen Kuß mehr! Reinheit! Königtum!, München 2003, S. 13 f.
(2) 244 Kammerbefehle und Briefe an Bedienstete in: König Ludwig II. von Bayern. Krankheit, Krise und Entmachtung, Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 2011, Band 74, Heft 2, München 2011, S. 486 ff.
(3) Robert Holzschuh, Das verlorene Paradies Ludwigs II., Frankfurt/Main 2001, S. 49
(4) wie (2), S. 532


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