Metahilfe: Was wir hier (nicht) tun - Informationen zum Thema Fragen und Hilfen im Forum.

Du kennst dich aus? — Prima. Unser Fragenbeantwortungs-Team freut sich immer über engagierte Verstärkung!



1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste
Antwort schreiben 
 » Erledigt: Heute Heute Bedeutungsunterscheidung im past participle

24.07.2012, 13:50:28
Beitrag #1
Bedeutungsunterscheidung im past participle
Hallo zusammen,

Mein Wortfeldvorreiter Lutzeier nimmt in seiner Analyse die Partizip Pefekt-Formen von Verben als Repräsentanten des Wörterformenparadigmas, um Ambiguität zu vermeiden. Der Infinitiv würde oft nicht eindeutig sein, wie zum Beispiel bei bewegen - darum nimmt er bewog und bewegte als eindeutigere Repräsentanten. So weit so gut.

Nun überlege ich, ob das im Englischen auch sinnvoll ist. Auf ein Beispiel bin ich zufällig bei George R.R. Martin gestoßen Big Grin
hang --> hanged --> aufhängen, erhängen
hang --> hung --> aufhängen
("He was hanged, you father was not a tapestry", ungefähr)

Meine Frage nun: Gibt es im Englischen genügend solche Fälle, um zu rechtfertigen, nicht den Infinitiv zu nehmen? Ich würde intuitiv sagen, auf Englisch müssten es weniger sein als im Deutschen.

Findet ihr es auf Deutsch überhaupt sinnvoll? (Denn: durch den semantischen Aspekt, eine semantische Eingrenzung, schließt Lutzeier ohnehin solche Wörter aus dem Wortfeld aus, die semantisch nicht dazu passen - ich könnte mir kein sinnvolles Wortfeld vorstellen, wo beide bewegen vorkämen)


Starfleet Yeah
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
24.07.2012, 15:02:42
Beitrag #2
RE: Bedeutungsunterscheidung im past participle
(24.07.2012 13:50:28)LeaRebecca schrieb:  Findet ihr es auf Deutsch überhaupt sinnvoll? (Denn: durch den semantischen Aspekt, eine semantische Eingrenzung, schließt Lutzeier ohnehin solche Wörter aus dem Wortfeld aus, die semantisch nicht dazu passen - ich könnte mir kein sinnvolles Wortfeld vorstellen, wo beide bewegen vorkämen)
Beide hängen, beide (das zweiwertige [intransitive] und das dreiwertige [transitive]) kann ich mir im Deutschen aber sehr wohl in ein und demselben Wortfeld vorstellen. Beim Verb stecken verhält es sich ähnlich, nur hilft da das Präteritum stak vs. steckte auch nicht mehr wirklich, weil Ersteres auch in der anderen Bedeutung von Letzterem verdrängt wird.

Aber apropos: Was ist eigentlich der Grund, warum leteinische Verben in Wörterbüchern mit dem Indikativ der ersten Person Präsens Singular verzeichnet sind, etwa synonyme Infinitive mit konsonantischer und E-Konjugation?


Ich bin ein Star Cool; holt mich hier raus!
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
24.07.2012, 15:37:38
Beitrag #3
RE: Bedeutungsunterscheidung im past participle
Der Infinitiv als solcher und insbesondere sein Funktion als Nenn- oder Lemmaform ist m.W. jünger als manche alte grammatikographische Tradition. (aber @Mindaugas weiß das bestimmt besser).

Wortartübergreifende Homophone (essen, Essen) wird man immer finden, ob nun im Deutschen oder im Englischen. Je nach Flavour der verwendeten Wortfeldtheorie und Wortartenauffassung ist das aber mehr oder weniger vernachlässigbar. Wenn man sie denn unbedingt vermeiden will, dann ist die Verwendung einer eindeutig verbhaften (ha ha, als ob Partizipen und Gerundien das wären!) vs. eindeutig nomenhaften Form natürlich eine Lösung.


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
24.07.2012, 21:33:07
Beitrag #4
RE: Bedeutungsunterscheidung im past participle
(24.07.2012 15:02:42)Gernot Back schrieb:  Aber apropos: Was ist eigentlich der Grund, warum leteinische Verben in Wörterbüchern mit dem Indikativ der ersten Person Präsens Singular verzeichnet sind, etwa synonyme Infinitive mit konsonantischer und E-Konjugation?

Das kann eigentlich kein Grund sein, in der 1. Person sind die i- und die gemischte Konjungation sowie die a- und Konsonant-Konj. identisch (audiō, capiō bzw. laudō, agō), im Infinitiv kann man die gemischte und konsonantische nicht klar erkennen (capere, agere), die e-Konj. sollte ja durch die Länge markiert sein: monēre.
Man muss also die Konjugationsklasse immer angeben, und oftmals ja auch die Stammformen.

Den genauen Grund kenne ich nicht, er muss aber historisch sein (was sonst?). Vielleicht sind hier die griechischen Lexika Vorbild gewesen, in denen auch nach der 1. Person zitiert wird, weil hier der Infinitiv nicht so klar die Stammbildung erkennen lässt.

Außerdem ist es natürlich Willkür, dass der Infinitiv als Nennform zugrundegelegt wird, in den modernen indogermanischen Sprachen mag er schon irgendwie die "Grundform" sein, aber in altindogermanischen Sprachen ist er oft eine periphere Form, die auch den Konjugationstyp nicht immer erkennen lässt, daher zitiert man in Sanskritwörterbüchern z.B. die Verbalwurzel, welche dem Eintrag im mentalen Lexikon wohl näher kommt als ein "Infinitiv".

In Sprachen, die keinen Infinitiv haben (Altirisch, Neugriechisch), muss ohnehin zitiert werden.


Von daher ist es durchaus legitim, im Deutschen das Partizip als Nennform zu verwenden, allerdings glaube ich nicht, das daraus ein großer Vorteil gegenüber anderen Zitierform erwächst.


Hallo, ich bin Mindaugas und seit 14.11.2011 19:21 hier angemeldet.
Hier könnte meine Signatur stehen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
Antwort schreiben 


Gehe zu:


1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste