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[Graph]: Graphematik, Orthographie, Schriftforschung  » Erledigt: Heute Heute Dehnungs-h
▶ Orthografie, Dehnungs-h,

25.11.2012, 15:16:42
Beitrag #1
Dehnungs-h
Hallo, ich habe folgende Frage im Bezug auf das Dehnungs-h, und zwar, wie es kommt, dass das Wort Dole ohne ein Dehnungs-h auskommt, ebenso die Wörter Schere und Träne aber die Wörter Sahne, Ehre, Bohle und Muhme hingegen ein Dehnungs-h aufweisen.
Meine Erklärung wäre die folgende, aber ich weiß nicht, ob das so richtig ist:

Eine weitere Möglichkeit, um die Vokalgespanntheit anzuzeigen, bietet das Dehnungs-h. Dies kann vor <r>, <l>, <m> und <n> stehen. Das einsilbige Wort dehnst ist z.B. auf das Dehungs-h angewiesen, damit der Leser weiß, dass der davorstehende Vokal gespannt gesprochen wird (nach Fuhrhop 2009: 16).
Ohne das Dehnungs-h sind die o.g. Sonoranten kennzeichnend für den Beginn komplexer Silbenendränder, die auf einen kurzen silbischen Kern folgen: Welt, Furcht, Sand. Bei diesen wird der Vokal kurz gesprochen.
Dennoch gibt es auch Wörter, die ohne Dehnungs-h auskommen, obwohl sie ein Sonorantengraphem besitzen. Dies lässt sich unter anderem durch den „Gewichtsausgleich“ erklären. Das bedeutet, dass bei komplexer werdenden Anfangsrändern, die Wahrscheinlichkeit ein Dehnungs-h zu finden, sinkt wie z.B. bei Schere und Träne. Außerdem tritt es „in morphologisch einfachen Formen nur bei kurzem, d.h. einfachem Endrand“ auf (Duden 2005: S. 73).

Jetzt könnte man jedoch fragen, warum man Dole anstatt *Dohle schreibt, aber Sahne anstatt Sane, da diese Wörter ja beide einen einfachen Anfangsrand besitzen (und demzugfolge eigentlich beide ein Dehnungs-h aufweisen müssten) aber trotzdem unterschiedlich verschriftlicht werden.
Wie lässt sich das dies Phänomen nun plausibel erklären......................????????


In den Wörtern Sahne, Ehre, Bohle und Muhme hingegen wird das Dehnungs-h verschriftlicht, da der Anfangsrand einfach ist und der Sonorant vom vokalischen Kern getrennt werden muss, damit es dem Leser leichter fällt, den langen Vokal zu erkennen.

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26.11.2012, 15:21:42
Beitrag #2
RE: Dehnungs-h
Hallo,
die Vorkommensregeln für das Dehnungs-<h> findest Du bei Nanna Fuhrhop: Orthographie. 2. Aufl. Heidelberg: Winter, 2006, S. 15f. so gut es geht erläutert. Mehr kann man dazu ohne Blick in die Sprachgeschichte nicht sagen. Und den holt man sich z.B. bei Stricker, Stefanie / Bergmann, Rolf / Wich-Reif, Claudia: Sprachhistorisches Arbeitsbuch zur deutschen Gegenwartssprache. Heidelberg: Winter, 2012; Seiten 10-12, 21f. 31f.
Die Kennzeichnung geht zurück auf eine weggefallene Silbe wie ihn den folgenden Beispielen:
mhd. gemahel > nhd. Gemahl
mhd. tâhele > nhd. Dohle
mhd. zehen > nhd. zehn
Stricker/Bergmann/Rolf-Wich, Seite 10 schrieb:Das Zeichen <h> erscheint stets intervokalisch, und zwar vor einem schwach betonten Vokal /ə/, der im Neuhochdeutschen nicht mehr vorhanden ist. Ein Zusammenhang zwischen der Länge des vorausgehenden Vokals und der Setzung des <h> besteht nicht.
Was dann passierte: das /h/ verstummt, bleibt aber graphisch erhalten. In Folge verschmelzen die beiden jetzt benachbarten Vokale zu einem Langvokal oder das /ə/ fällt, unter Ersatzdehnung, phonologisch wie orthographisch weg, so dass das immer noch stehende <h> als Längenzeichen uminterpretiert wird. Diese Verwendung wird analogisch ausgeweitet auf Wörter, in denen ursprünglich kein intervokalisches /h/ <h> zu finden war, z.B. mhd. bane > nhd. Bahn.


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