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[HowTo]: Anleitungen, Tutorials, Techniken  » nicht erledigt Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt

21.03.2012, 19:52:11
Beitrag #46
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
(21.03.2012 19:15:16)burlupar schrieb:  
(21.03.2012 17:47:24)Alarich schrieb:  Zu der fiel noch ein b.z.w. auf:

empfingst - Pfingsten
führst - Fürst
em-pf-ingst und führ-st zusammen genommen und gekürzt erinnert widerum an das wohl sehr alte fränkische "pfürdi" (entspricht heutzutage etwa einem Hallo)

In den meisten österreichischen Bundesländern verwenden die Leute die Verabschiedung "Pfiati" (genauer "Pfiat di" und Mz. "Pfiat eich/enk/…"). In einem Bundesland geht die Aussprache anders: "Pfüate".

Ich dachte, das kommt von "behüte dich" – hat das was mit deinem "pfürdi" zu tun?
Gut möglich. Sehr interessant. Danke! "Behüte dich" liest sich aber vielleicht doch auch schon sehr christlich missionar(r)isch. Ob das so die Herkunft und ursprüngliche Bedeutung ist, vermag zumindest ich noch längst nicht sicher zu interpretieren.

Sonntag - Tag der Sonne - ein sonniger und gleichwohl sonderbarer Tag - christlich missionar(r)isch: Tag des Herrn - ein herrlicher Tag
sonderbar - bar der Sonne (sehe ich ihre strahlende Wärme und Liebe und spüre sie auf meiner Haut) - ... : http://de.wiktionary.org/wiki/sonderbar

(02.01.2012 22:44:14)Mindaugas schrieb:  Das polnische Wort schreibt sich übrigens ziemia und stammt aus urslav. *zemlja (aksl. zemlja, dieses wiederum aus baltoslavisch *žem(i)jā (lit. žemė). Die Folge /mj/ entwickelt sich zu /mlj/ im Slavischen, im westslavischen schwindet das /l/ hier wieder. Da ich Alarich aber so verstehe, dass die beiden Wörter nicht "urverwandt" sein sollen, sondern das germanische Etymon für Scham aus dem Slavischen entlehnt, tut das nichts zur Sache, denn es könnte ja vor der l-Epenthese entlehnt worden sein. Wenn Polnisch aber wieder /ʒ/ hat, ist dies neu entstanden.

Unwahrscheinlich ist es aber allein deshalb, weil slav. /e/ hier als /a/ erscheinen soll, noch dazu bei j-haltigem Suffix, wo wir Umlaut erwarten müssten, da es ja schon in germanischer Zeit entlehnt sein müsste.
Sprachliche Übergänge, wie von mir angenommen von ziemia (Erde) zu Scham (mit sehr auffälliger Bedeutungswandlung), hat es vom Slavischen/Westslavischen und umgekehrt vielleicht häufiger gegeben, als allgemein bisher angenommen.

Nur ein weiteres Beispiel:
Russisch: ничего - ... i wo - nüscht - Nüschel (Kopf, ggf. + entsprechende Kopfbewegung) - bedeutet nichts

Bitte korrigiert mich gegebenenfalls.

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22.03.2012, 20:28:02
Beitrag #47
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
Was hat es eigentlich mit dem Wort fahrlässig auf sich?

Wenn das von fahren (im Alleingang machen) lassen kommt, also das Adjektiv dazu ist … hätte das plumpe Wortspiel mit "ich fahr lässig (durch die Stadt)" sogar einen etymologischen Zusammenhang mit fahrlässig – vorausgesetzt wieder, lässig heißt ebenfalls sowas wie (die Sache passieren) lassend.


Servus, ich bin burlupar. Der Name ist aus dem Dialekt meiner westösterreichischen Heimatgemeinde und heißt "Taugenichts". Besucht meinen Sprachblog!
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22.03.2012, 22:56:44
Beitrag #48
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
(21.03.2012 17:47:24)Alarich schrieb:  
(17.02.2012 16:21:31)Alarich schrieb:  Was bedeutet das Wort "Goûter" im Zusammenhang "Dôme du Goûter"?

Mit Freude aufgeführt:

Altbekannter Text:
"Dein Name werde geheiligt"

Zu dem eine neue Antwort:
Dein Name, wie du ihn empfingst und führst, so führt er auch dich,
werde geheiligt dann, oder nicht.

Zu der fiel noch ein b.z.w. auf:

empfingst - Pfingsten
führst - Fürst
em-pf-ingst und führ-st zusammen genommen und gekürzt erinnert widerum an das wohl sehr alte fränkische "pfürdi" (entspricht heutzutage etwa einem Hallo)

Name - nehmen - bedeutet wohl widerum auch empfangen oder noch eher empfohlen (von Pfahl, bestenfalls Eichenpfahl - ehemals stark symbolisch)
geheiligt - dazu ist "geheinickt oder auch "gehainigt" (von Hain) nicht anzutreffen, doch dafür "geeinigt" (ergibt dann auch Eins, verbunden ein Ganzes).

Es gibt wohl noch sehr viel mehr Worte, die sich zur Gegenüberstellung anbieten und zusammen betrachtet sehr schöne und tiefe Blicke in früher viel weitreichender zusammenhängende Lebenswelten der Menschen ermöglichen.

Beispielsweise, Spaß:
Sau-Bär - Zuber - Zauber - sauber

Sau-Bär, Sau-Eber
Speziell zu "Bär" ist auch der Eber "Bär der Ebene" zu betrachten, der im Gegensatz zu anderen Bären nicht vertikal auf Bäume klettern kann, um z.B. Honig zu naschen. Bären "waschen" sich im Gewässer, (Wild-) Sau und Eber suhlen sich mehr in sumpfiger Erde bei den Eichen. Sauber beichten?

oder:

streitig - Streit, ick (ich)?,
lustig - Lust, ick (ich)?
traurig - Trau(e)r, ick (ich)?
freudig - Freud(e), ick (ich)?

Habe leider im Moment keine Zeit für eine ausführliche Antwort, werde mich den Beispielen aber am Wochenende widmen.

Nur kurz zum Namen: eines der ältesten Erbwörter überhaupt, und nahezu in allen indogermanischen Sprachen belegt, z.B. latein. nōmen, griech. onoma, hethitisch laman, russ. imja, ir. aimn.

Es ist absolut intransparent, d.h., von keiner verbalen oder sonstigen Basis erkennbar abgeleitet.
Das Wort "nehmen" klingt zwar ähnlich, ist aber nicht verwandt.

(Anmerkung für Kenner: Wie auch immer man das Wort für "Name" rekonstruiert, setzt man in der Regel doch zwei Laryngale an, welche, ist strittig. Sicher geht man mit *HnEHmen-.
Bei der Wurzel *nem- deutet nichts auf Laryngale.)


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25.03.2012, 15:43:56
Beitrag #49
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
(21.03.2012 17:47:24)Alarich schrieb:  Beispielsweise, Spaß:
Sau-Bär - Zuber - Zauber - sauber

Sau-Bär, Sau-Eber
Speziell zu "Bär" ist auch der Eber "Bär der Ebene" zu betrachten, der im Gegensatz zu anderen Bären nicht vertikal auf Bäume klettern kann, um z.B. Honig zu naschen. Bären "waschen" sich im Gewässer, (Wild-) Sau und Eber suhlen sich mehr in sumpfiger Erde bei den Eichen. Sauber beichten?

Das ist so absurd, das ist nicht mal mehr volksetymologisch.

Ernsthafte Antwort:
Der Bär, altengl. bera, altnord. bjǫrn geht auf ein germ. *berōn zurück. Über die ursprüngliche Bedeutung gibt es zwei konkurrierende Ansichten, entweder man stellt es mit litauisch bėras "braun" zu einer Wurzel bher-, dann es der Bär der charakteristisch Braune, oder mit griech. θήρ thēr "wildes Tier", lat. ferus "wild", lit. žvėris, slav. žvěrь "(Wild-)Tier" zu einer Wurzel *gwher- "wild", dann wäre der Bär der charakteristisch Wilde.

Das ursprüngliche indogermanische Wort für Bär, *h2r̥tko- liegt vor in lat. ursus, griech. ἄρκτος árktos, altind. ṛkṣa-, hethitisch ḫartaga-, irisch art.

Euphemismen für den Bär sind nicht selten, so haben wir slav. mědvědъ, wörtlich "Honigesser", litauisch lokys, lett. lācis, altpreußisch clokis, das Benennungsmotiv ist nicht ganz klar und hängt vielleicht damit zusammen, dass der Bär Fische fängt.

Der Eber hingegen heißt ae. eofor, anord. jǫfurr. Das zeigt, dass die germanische Vorform eine ganz andere war, nämlich *ebura-. Slav. veprь und lett. vepris gehören ebenso dazu wie lat. aper. Eine Grundform lässt sich nicht rekonstruieren, vielleicht handelt es sich um ein nordeuropäisches Substratwort.

Sauber ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen (vulgärlat. suber für klass. sōbrius).

Zuber könnte "(Gefäß mit) zwei Griffe(n)" bedeuten, das Hinterglied ber- gehört dann zu germ. *beran- "tragen", gut bezeugt in der ganzen Indogermania: aind. bharati, griech. φέρω phérō, lat. ferō, air. beirid, slav. berǫ etc. etc.

Alarich schrieb:Was bedeutet das Wort "Goûter" im Zusammenhang "Dôme du Goûter"?

Das Element "Goûter" dürfte das gleiche sein wie in den Ortsnamen "Refuge du Goûter" und "Aiguille du Goûter", wahrscheinlich nicht gleichzusetzen mit dem Verb "schmecken" (lat. gustare), vielleicht wird man in Hubschmid 1951: Alpenwörter romanischen und vorromanischen Ursprungs fündig.


Und weiter geht's:
Deutsch -ig, gesprochen /ɪç/ ist ein Derivationssuffix, mittels welchem man Adjektive von verschiedenen Basen ableiten kann. Dem entspricht genau altengl. -ig, neuengl. -y.
Im Germanischen standen *-īgaz und *-agaz in dieser Funktion nebeneinander.

Es handelt sich um ein sehr altes Suffix, wie der Vergleich zeigt, es erscheint auch als lat. -icus, griech. -ικος -ikos, altind. -ika-, slav. -ъkъ. Die Grundbedeutung war "gehörig zu, in Verbindungen stehend mit".
Dies deutet auf eine indogermanische Grundform *-iko- neben -oko- (und nach Ausweis von sanskr. -iśa- auch *-iḱo-, die Kentumsprachen lassen hier keine Unterscheidung zu).

Das Pronomen ich ist zwar homophon, aber gänzlich anderer Herkunft.
Auf der einen Seiten stehen Formen wie lat. egō, griech. ἐγώ egṓ, auf der anderen solche wie altind. aham und altkirchenslav. azъ.
Diese lassen sich nicht auf eine direkte gemeinsame Vorform zurückführen, da die indische Form eine Aspirate voraussetzt (sonst wäre es †ajam) und die griechische und lateinische sie ausschließen (sonst hieße es †ehō, †ἐχω). Somit muss man von einer Form *eǵō einerseit und *eǵhom andererseits ausgehen.

Diese sind nicht unvereinbar, wenn man sie laryngalistisch jeweils als *eǵoh2 und *eǵh2om ansetzt. Beide Formen sind aber von ihrer Struktur gleichermaßen intransparent und man kann schlecht eine als Grundform und die andere als Ableitung erklären. (Zudem könnte litauisch anstelle von zu erwartendem †ažu oder †ažą, sofern es sich nicht um eine irreguläre Auslautentwicklung handelt, eine völlig endungslose Form *eǵ(h2) voraussetzen. [Beide "Suffixe" *-oh2 und *-om gleichen den verbalen Endungen der 1. Sg.]) Jedenfalls ist es meines Erachtens falsch, einen dieser beiden (bzw. drei) Ansätze als absolut zu setzen, wie man es manchmal in der Literatur sieht, solange man die Varianten nicht erklären kann.

Das Germanische *ik kann die *eǵō-Variante nicht fortsetzen, wenn sich der Auslaut regulär entwickelt hat, für *eǵh2om muss man mit einer Auslautverhärtung rechnen (da es nicht †ig heißt), was an sich unproblematisch ist.


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04.06.2012, 10:17:45
Beitrag #50
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
(25.03.2012 15:43:56)Mindaugas schrieb:  
Alarich schrieb:Was bedeutet das Wort "Goûter" im Zusammenhang "Dôme du Goûter"?

Das Element "Goûter" dürfte das gleiche sein wie in den Ortsnamen "Refuge du Goûter" und "Aiguille du Goûter", wahrscheinlich nicht gleichzusetzen mit dem Verb "schmecken" (lat. gustare), vielleicht wird man in Hubschmid 1951: Alpenwörter romanischen und vorromanischen Ursprungs fündig.
Abermals vielen Dank für die Ausführungen, die ich mit Respekt zur Kenntnis nehme. Das Element "Goûter" beschäftigt mich weiterhin. Meine Deutung/Interpretaton steht im direkten Zusammenhang mit Kuh und Cow, dann auch kauen und Gau. In dem Zusammenhang ist auch schmecken und Stierkult (Kuhkult, Mitras) zu betrachten.

Desweiteren entsteht bei mir der Eindruck, dass altägyptische Gottheiten in der deutschen Sprache enthalten sind.
Zitat: „Oh Geb, Stier des Himmels, ich bin Horus...Ich bin gegangen und zurückgekehrt, als vierter Gott der vier Götter, der das Wasser gebracht hat. Ich bin gerechtfertigt für das, was ich getan habe. Ich bin Tefen (Waise)[5], der gerichtet hat mit Tefnut, die beiden Wahrheiten, obwohl Zeugen fehlten. Die beiden Wahrheiten haben befohlen, dass die Throne des Geb zu mir zurückkehren, so dass ich mich erheben kann, so wie ich es mir gewünscht habe.“

– Pyramidentext 260[1]

http://de.wikipedia.org/wiki/Tefnut
Entsprechend dem zitierten Pyramidentext bedeutet "das wasser ist tief" übersetzt "das Wasser ist waise".

Das Wort "Recht" ist von "Re" die Sonne abzuleiten, denn sie bringt alles ans Licht.

Das Wort "rechts" wäre auch von "Re" die Sonne abzuleiten, denn sie geht gen Norden (Nordpolarstern) orientiert auch rechts im Osten auf.

Oder "Riese" von "Re" die Sonne, mit Bezug zu den Pyramiden

Weitere mögliche Verbindungen zu altägyptische oder auch anderen Gottheiten sind in den Worten "Herr", "Haar", "Ohr", "hören" herzuleiten.

Nach meinen Eindrücken wurden Körperteile als Merkhilfe entsprechend der Rang- oder auch Weltenzuordnung von oben bis unten nach Gottheiten (z.B. indischen, altägyptischen, persischen) benannt, um sie so leichter in Erinnerung zu bewahren. Daraus wären territoriale Völkerwanderwege mit Berührungspunkte zu unterschiedlichen Kulturen erkennbar. Ähnlich funktionieren noch heute Kinderreime, wie "das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen", u.s.w.

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04.06.2012, 11:00:16
Beitrag #51
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
(04.06.2012 10:17:45)Alarich schrieb:  Das Wort "Recht" ist von "Re" die Sonne abzuleiten, denn sie bringt alles ans Licht.

Das Wort "rechts" wäre auch von "Re" die Sonne abzuleiten, denn sie geht gen Norden (Nordpolarstern) orientiert auch rechts im Osten auf.

Oder "Riese" von "Re" die Sonne, mit Bezug zu den Pyramiden

Weitere mögliche Verbindungen zu altägyptische oder auch anderen Gottheiten sind in den Worten "Herr", "Haar", "Ohr", "hören" herzuleiten.

Mit allem gebührenden Respekt: Das ist wieder einmal Märchenstunde. So funktioniert seriöse Etymologie nicht, und das haben wir auch schon des öfteren erklärt. Ohne konkrete Laut- und Bedeutungskorrespondenzen ist derlei nur ein munteres Assoziieren. Das mag belustigend sein, ist aber ohne Informations- oder Wahrheitswert.


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04.06.2012, 13:29:08
Beitrag #52
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
(04.06.2012 10:17:45)Alarich schrieb:  Das Wort "rechts" wäre auch von "Re" die Sonne abzuleiten, denn sie geht gen Norden (Nordpolarstern) orientiert auch rechts im Osten auf.

Das würde ja voraussetzen, dass, als das Wort "rechts" entstand, im deutschen Sprachraum die Nord-Orientierung vorherrschend gewesen sein muss.

Soweit mit bekannt, entwickelt sich diese in der europäischen Kultur aber erst in der Neuzeit, davor war Osten der Bezugspunkt und "rechts" wäre Süden. Daher heißt es auch "orientieren, Orientierung", darin steckt wirklich das Wort "Orient", also "ausrichten nach Osten".

(Mal abgesehen davon, dass es an sich nicht stimmig ist, hat man hier also noch außerlinguistische Evidenz.)


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25.06.2012, 20:39:24
Beitrag #53
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
(12.01.2012 11:28:59)Mindaugas schrieb:  Wenn wir nun "Nacht" und "nackt" betrachten, sehen wir keine semantischen Berührungspunkte. Hinzu kommt, dass das Wort für "Nacht" äußerst stabil ist, also in der Geschichte seiner Bezeugung in den indogermanischen Sprachen keine Bedeutungsveränderungen durchgemacht hat, das Wort für "nackt" auch nicht, von kleineren lautlichen Abweichungen (vermutlich aus tabuistischen Gründen abgesehen), nirgendwo ist ein Übergang von der einen Bedeutung in die andere zu beobachten.
Vielleicht ist im Wort "nackt" mit der Aussprache "k" körperliches betont und im Wort "Nacht" mit der Aussprache "ch" die Achtung, Über(-n-)Achtung, geistig Verbindendes? Somit ergäben beide Worte "Nacht" und "nackt" wie Geist und Körper ausgänglich zusammengehörig ein ergänzendes Ganzes und waren ursprünglich vielleicht lange Zeit nie getrennt. Aussprache ist schon seit ewig langer Zeit variierend unterschiedlich, somit ebenfalls lange Zeit selbiges gemeint sein konnte und eine spätere Trennstelle ebenfalls schon lange Zeit zurück liegen kann, diese wenn es sie gibt linguistisch deshalb nicht leicht zu finden ist.

Sind die Worte "Nacht" und "nackt" nicht auch vergleichbar mit den regional unterschiedlich ausgesprochenen Worten "Tach" und "Tag"?

Zumindest die Worte "Tach" und "Tag" haben noch immer deutlich ein und die selbe Bedeutung, solang es das regionale Wort "Tach" noch gibt und nicht schon bald auch nahezu vollständig erloschen wurde mittels Sprachstandardisierung, Normierung, die dort Thema ist: http://www.linguisten.de/Thread-Normieru...n=lastpost

(04.06.2012 13:29:08)Mindaugas schrieb:  
(04.06.2012 10:17:45)Alarich schrieb:  Das Wort "rechts" wäre auch von "Re" die Sonne abzuleiten, denn sie geht gen Norden (Nordpolarstern) orientiert auch rechts im Osten auf.

Das würde ja voraussetzen, dass, als das Wort "rechts" entstand, im deutschen Sprachraum die Nord-Orientierung vorherrschend gewesen sein muss.

Soweit mit bekannt, entwickelt sich diese in der europäischen Kultur aber erst in der Neuzeit, davor war Osten der Bezugspunkt und "rechts" wäre Süden. Daher heißt es auch "orientieren, Orientierung", darin steckt wirklich das Wort "Orient", also "ausrichten nach Osten".

(Mal abgesehen davon, dass es an sich nicht stimmig ist, hat man hier also noch außerlinguistische Evidenz.)
Seefahrende Menschen gibt es wohl schon länger als das Wort "rechts", würde ich eher vermuten. Auch die Sachsen waren vormals Seefahrer. Die konnten sich großteils orientierten nur am Nordpolarstern, der sich dann zum Morgen links von der aufgehenden unsichtbaren Sonne befindet, um es mal vielleicht auch etwas umständlicher auszudrücken. Daraus erkenne ich keinen Widerspruch zur Ableitung des Wortes "rechts" von "Re" die Sonne, wobei ich eure gegebenen Antworten keinesfalls respektlos ignoriere, sondern mit ungetrübten Interesse zur Kenntnis nehme.

Ist sonnenklar, dass die Worte Sand, gesund, Sünde und Sühne von "Sonne", "Sun" abzuleiten sind oder sehe ich das nach eurer Meinung auch falsch?

http://de.wiktionary.org/wiki/Sand (Isländisch: sandur)

1. Die Farbe des Sandes ähnelt die der Sonne.
2. Sand wird von der Sonne angestrahlt be-son(n)-ders hell glänzend, warm bis sehr heiß.
3. Sand ist insbe-son(n)-dere unmittelbar am Rande des Meeres, am Übergang zwischen 2 der 4 uralt wichtigsten Elemente Erde und Wasser. Die Sonne wird durch das Meer stark reflektiert. Sie ist dort auf bis ab zu sehen.

http://de.wiktionary.org/wiki/gesund
1. Zum Heilen bedarf es in gewissen Lebenssittuationen Sonnenwärme, insbesondere wenn das Wetter kalt ist und ein körperlich verletzter Mensch an kalten Tagen in Europa weder wärmende Kleidung noch die Möglichkeit Feuer zu machen hat.
2. Sonniges Gemüt entsteht durch Sonnenlicht über die Augen und dazu gutestenfalls ganzkörperlich von Kleidung unbedeckt durch angenehme Wärme der Sonnenstrahlen über die freie "nackte" Haut von der Stirn bis zu den Füßen.

http://de.wiktionary.org/wiki/Sünde
http://de.wiktionary.org/wiki/Sühne
Negativierungen der Sonne. Siehe dazu auch:
http://de.wiktionary.org/wiki/sonderbar
Bar der Sonne...
Vielfach sonderbar, barfüßig bis barhändig ist unter freien Himmel bei Tag die Sonne bar zu ersuchen und zu empfinden, so auch mit der ungeschmälert ältereren Gebetshaltung, Arme und Handflächen zur Sonne hinwenden.

Sonach wären noch mehr Worte leicht anders gedeutet abzuleiten, Personennamen wie "Alexander", Ortsnamen wie "Alexandria", "Stralsund", "Sonnleiten" und sonstige mehr:

http://de.wiktionary.org/wiki/Alexander
http://de.wikipedia.org/wiki/Alexandria

http://de.wikipedia.org/wiki/Stralsund

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15.08.2012, 09:22:48
Beitrag #54
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
Zu "nackt" und "Nacht" sind meinerseits zwei weitere Worte zum Betrachten hinzu gekommen:

nagen, naget: wohl auch im Sinne von spitz und blank
nugget, nuggets, leider ohne Angaben zur Etymologie: http://en.wiktionary.org/wiki/nugget

Sind die möglicherweise alle drei bis vier etymologisch verwandt?

Dann bin ich auf Ratten aufmerksam geworden, die besonders in Indien und China als "intelligente" Tiere geschätzt werden. Mir stellt sich die Frage: Sind die Worte Rat und beraten etymologisch von Ratte abzuleiten?

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15.08.2012, 10:06:45
Beitrag #55
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
Nein.


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01.10.2012, 14:14:08
Beitrag #56
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
Kann das deutsche Wort Schema, abgeleitet von griechisch σχήμα (s-chéma) "Haltung, Gebärde, Gestalt", womöglich sowohl mit den Worten schämen, Scham, als auch mit ziemia, Ziemia → pl (Boden, Land, Erde) verwandt sein?

Betrachtend: Sie gebahr mit starken Gebärden auf der Erde und nicht ohne Scham, wohlauf voller Charme.

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01.10.2012, 14:25:32
Beitrag #57
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
Das hatten wir doch schon mal weiter vorne in diesem Thread: http://www.linguisten.de/Thread-Guten-Mo...ug#pid4192


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04.10.2012, 19:19:48
Beitrag #58
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
Hat jemand von euch ausführlichere Informationen zu dem Wort गूढ (hi) (gūḍh) und möchte sie bitte hier rein stellen?

Mehr war leider noch nicht zu finden: http://hi.wiktionary.org/wiki/गूढ

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10.11.2013, 22:04:07
Beitrag #59
RE: Guten Morgen — oder wie man Etymologie betreibt
Weil es so schön zum Thema passt: Mein heutiges Erlebnis auf der plattdeutschen Büchermesse.

Ich habe am Stand vom Institut für niederdeutsche Sprache gearbeitet und ein älterer Herr (sicherlich an die 80) trat an den Stand schaute verwirrt umher und zeigte auf das Wort "Moin" und fragte mich, ob das Wort kennen würde. Ich meinte, dass ich das kenne und dass es aller Voraussicht nach aus dem Friesischen stammt. Er meinte dann ungefähr folgendes:
Nein, da irren Sie sich. Ich habe einige Zeit dazu geforscht und das, was in den Büchern steht, stimmt nicht. (Er faselte dann etwas von Hünengräbern und Gefängnissen für Frauen, die zu hässlich waren - sowieso war seine ganze Redensart sehr chauvinistisch) Früher wurden die eigenen Töchter verkauft, wenn man kein Geld mehr hatte. Wenn sie ihre Menstruation bekamen, waren sie geschlechtsreif und sind dadurch lukrativer geworden. Und überall auf den Dörfern damals wurde mit Frauen gehandelt und manchmal sind die Söhne und Väter in das nächste Dorf gegangen und von überall kamen die Leute und fragten nach neuen Mädchen. Die Männer sagten dann immer "Morgen", um sie zu beschwichtigen, "Morgen bringen wir neue". Und das sei dann verkürzt zu "Moin". (Als er den Faden verlor, sprach er zu einer anderen Theorie, in der "Moin" von "Marzipan" käme. Kurz danach manchte er einen Rücksprung und meinte, dass sich "Moin" ja auch noch in dem Wort "Menstruation" finden ließe. Das erschreckende war, dass er eigentlich nicht dement war und auch wahrscheinlich studiert hat.)
Er hat noch einige andere wilde Thesen über irgendwelche Wörter erzählt. Ich wollte nur höflich sein und ihn nicht unterbrechen. Aber irgendwann wurde es so fantastisch, dass ich nicht mehr weghören konnte.
Mich hat diese ganze etymologische Hergehensweise nur sehr an meinen einen Vorredner erinnert und ich musste es mit euch teilen. Zwinker


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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