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 » Minderheitensprachen-Interessen
▶ [geteilt aus:] Vorstellungs-Thread

03.03.2015, 13:18:30
Beitrag #1
Minderheitensprachen-Interessen
Hallo zusammen!

Erstmal freut es mich, dieses Forum gefunden zu haben! Ich weiß nicht, wie aktiv ihr seid; aber das werde ich ja dann sehen. ;-)

Auch ich gehöre zu den interessierten Laien. Meine Vorliebe sind Minderheiten- und Regionalsprachen, wobei ich Sprachenvielfalt allgemein spannend finde.

Dann bin ich mal gespannt. :-)


Hier könnte Son of my comfort's Signatur stehen...
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04.03.2015, 14:03:48
Beitrag #2
RE: Vorstellungs-Thread
Herzlich Willkommen im Forum. Lächel
Hast du denn bestimmte Sprachen im Vorliebenpetto, wenn wir es über Minderheiten- und Regionalsprachen haben?


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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04.03.2015, 16:15:32
Beitrag #3
RE: Vorstellungs-Thread
(04.03.2015 14:03:48)Kevin schrieb:  Herzlich Willkommen im Forum. Lächel
Hast du denn bestimmte Sprachen im Vorliebenpetto, wenn wir es über Minderheiten- und Regionalsprachen haben?


Danke Dir, Kevin!

Mich begleitet seit langer Zeit schon Katalanisch, in all seinen Varietäten. Über das Katalanische bin ich auch aufs Okzitanische gestoßen. Am meisten interessieren mich Minderheitensprachen in Europa, wobei ich leider keine slawischen oder keltischen Sprachen kann.

Aber da ich nun einmal in der BR Dtl. lebe (wie wohl die meisten von Euch), würde ich mich gerne hier für bedrohte (oder bedrängte) Sprachen ehrenamtlich einsetzen. Bisher habe ich da wenig gefunden, aber man soll ja nicht zu früh aufgeben.

Was Du machst mit Niederdeutsch und Gotisch, finde ich schon mal richtig cool!

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04.03.2015, 17:07:56
Beitrag #4
RE: Vorstellungs-Thread
Gotisch ist leider (noch) keine Minderheitensprache, was es aber nicht minder interessant macht. Zwinker Meine Bedrohungsfokusse liegen vor allem auf Norddeutschland (insb. Niederdeutsch) und den keltischen Sprachen, aber auch weniger speziell auf allgemeine Sprachrevitalisierungsszenarien.
Europa ist ja voll mit Minderheiten- und Regionalsprachen, kaum ein Land hat keine. Zudem sind sie relativ gut erforscht, im Vergleich zu schwerer zugänglichen Gebieten in Südamerika und anderswo.
Da du ja aus 'Minga' kommst, kannst du dich ja auch für das Bairische einsetzen. Zwinker Viele Linguisten sehen darin auch eher eine Sprache denn Dialekt. Auch wenn linguistisch da keine einheitliche Definition herrscht und Dialekte wie Sprachen schützens- und rettenswerte Varietäten sind. Europa eignet sich hervorragend dazu, mit Sprachenschutz vor der eigenen Haustür zu beginnen.


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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04.03.2015, 22:54:32
Beitrag #5
RE: Vorstellungs-Thread
Wie kamst du ursprünglich auf Gotisch? Weil es als ostgermanische Sprache was Besonderes ist?

Ich weiß, das sollte man lieber nicht sagen, weil es bar aller wissenschaftlichen Kriterien ist – aber mir persönlich gefällt unter den romanischen Sprachen Okz. besonders gut, und schottisches Gälisch finde ich eine der schönsten Sprachen überhaupt.

Bin mir nicht sicher, ob dem wirklich so ist: Angeblich ist Neuhebräisch (Ivrit) das einzige Beispiel für eine umfassend erfolgreiche Sprachwiederbelebung.

Absolut: Europa hat zwar keine besonders hohe Sprachendichte, aber außer Island (von den Zwergstaaten mal abgesehen) hat jeder Staat mind. eine territoriale Sprachminderheit.

Die Minderheitensprachen Europas sind sicher gut erforscht; wenn sich auch Volk und Wissenschaftler hier und dort nicht sicher sind, was nun "Dialekt" und was "Sprache" ist. Die Sprachen Europas sind sicher nicht zur räumlich (für uns) und verkehrstechnisch besser zugänglich, sondern wohl auch kulturell näher für uns. Obwohl ja gerade das "Exotische" und ganz Neue auch seinen Reiz hat.

Ja, das Bairische... Ich habe mal überlegt, ein Bairschkurs an der Münchner Volkshochschule zu machen. Ich muss ehrlich sagen, von allen 'deutschen Varietäten' hierzulande (also die friesischen, sorbischen und dänischen ausgenommen) finde ich Plattdeutsch am angenehmsten. Aber ja, ich gebe Dir völlig recht: Dialekte sind so schützenswert wie Sprachen. Und überhaupt gibt es (zu meiner Verwunderung) keine universellen Kriterien für die Unterscheidung Sprache–Dialekt.

"Europa eignet sich hervorragend dazu, mit dem Sprachenschutz vor der eigenen Haustür zu beginnen." Das Wort zum Donnerstag. So ist es! :-)

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05.03.2015, 01:07:23
Beitrag #6
RE: Vorstellungs-Thread
Zitat:Wie kamst du ursprünglich auf Gotisch? Weil es als ostgermanische Sprache was Besonderes ist?
Ich liebe Germanisches ohnehin, Gotisch war da als (fast) frühest belegte Sprache und mit diesem dennoch stattlichen Korpus ziemlich interessant. Die vielen Züge des Protogermanischen, die sich darüber am besten nachvollziehen ließen, machen es irgendwie sehr interessant.

Zitat:Ich weiß, das sollte man lieber nicht sagen, weil es bar aller wissenschaftlichen Kriterien ist – aber mir persönlich gefällt unter den romanischen Sprachen Okz. besonders gut, und schottisches Gälisch finde ich eine der schönsten Sprachen überhaupt.
Das ist doch nicht bar aller wissenschaftlichen Kriterien, da spielen zig verschiedene Sachen eine Rolle. Und etwas negatives ist es auch nicht. Diese Vorliebe für (eine) bestimmte Sprache(n) hat erst die feldforschenden Linguisten dazu angetrieben, diese Sprachen zu untersuchen und zu dokumentieren. Ohne Sprachvorlieben wären viele Sprachen undokumentiert gestorben.

Zitat:Bin mir nicht sicher, ob dem wirklich so ist: Angeblich ist Neuhebräisch (Ivrit) das einzige Beispiel für eine umfassend erfolgreiche Sprachwiederbelebung.
In dieser Größenordnung, eindeutig, ja. Aber es gibt dennoch sehr viele andere erfolgreiche Revitalisierungsprojekte, die aber in der Zahl sehr viel kleiner sind, weil die in Frage kommende Sprechergruppe/Ethnie auch kleiner ist.

Zitat:Ja, das Bairische... Ich habe mal überlegt, ein Bairschkurs an der Münchner Volkshochschule zu machen. Ich muss ehrlich sagen, von allen 'deutschen Varietäten' hierzulande (also die friesischen, sorbischen und dänischen ausgenommen) finde ich Plattdeutsch am angenehmsten. Aber ja, ich gebe Dir völlig recht: Dialekte sind so schützenswert wie Sprachen. Und überhaupt gibt es (zu meiner Verwunderung) keine universellen Kriterien für die Unterscheidung Sprache–Dialekt.
Leider alte Angewohnheit, aber falls du mit 'deutsche Varietät' nicht auf deutsch-territorial sondern auf deutsch-abstämmig abzielst, muss ich dich leider doch unterbrechen. Auch wenn es linguistisch noch nicht immer ganz klar ist, die meisten Linguisten stimmen dem aber zu, wird das Plattdeutsche (Niederdeutsche) nicht zu den 'deutsch-abstämmigen' Dialekten gezählt. Bereits zu Zeiten des Althochdeutschen war des Niederdeutschen Urgroßvater, das Altsächsische, eine distinkte Sprache gegenüber dem Althochdeutschen und bildete (vermutlich) mit dem Angelsächsischen und Altfriesischen die westgermanische Gruppe der nordseegermanischen Sprachen. Auch von politischer Seite her wird es als Sprache anerkannt.
Die universellen Kriterien gibt es aus dem Grunde nicht, dass Varietäten (fast) immer in Spektren mit ihren umgebenen Varietäten auftreten und eine Unterscheidung zwischen Dialekt und Sprache in vielen Fällen ein rein willkürlich festgelegter Punkt in diesem Spektrum wäre. Es gibt aber zig Ansätze, die den Versuch einer Definition wagen. Am meisten kann ich mit dem simplen Ansatz anfangen, der Varietäten auf die drei Begriffe Abstandsprache, Ausbausprache und politische Sprache hin untersucht. Luxemburgisch ist für seine umgebenen Varietäten, den moselfränkischen Dialekten des Deutschen, ziemlich gut verständlich, daher keine Abstandsprache. Luxemburgisch erfährt aber einen mäßigen Ausbau (neue Wörter, Register und Standards werden geschaffen) und hat in Luxemburg auch politischen Status. Es muss meist nur ein Kriterium zutreffen. Bairisch erfährt so gut wie keinen Ausbau und genießt keinen politischen Status. Hat aber eine eher eingeschränkte gegenseitige Verständigung mit dem Deutschen oder umgebenen Varietäten, worin auch der Knackus Punktus vieler Sprache-oder-nicht-Sprache-Diskussionen von Linguisten liegt, ob dies Argument nun wirklich zutrifft und/oder ausreichend ist. Als Regionalsprache wird es leider (noch) nicht anerkannt. Die deutschen Dialekte sind allerdings ziemlich distinkt zueinander und der Ethnologue hat zum Beispiel deswegen auch viele der Dialekte, auch das Bairische, als einzelne Sprachen eingestuft. Manches Mal kann ich das weniger nachvollziehen, aber vor allem Varietäten wie Ripuarisch, Allemanisch und Bairisch würde ich schon noch distinkt genug einschätzen und sie eher zu den Sprachen zählen als zu den Dialekten, wenn es denn darum ginge. Und darum geht es leider oft genug, weil die Tatsache, dass es keinen trifftigen wissenschaftlichen Grund für eine Unterscheidung gibt (es gibt zwar welche, aber die sind wenig ausschlaggebend) nicht Realität für die breite Masse ist. Nennst du eine Varietät 'Dialekt' stellst du ihm damit das meist schlechte Prestige anheim, eine 'Sprache' hat heutzutage kaum noch schlechtes Prestige. Dialekt gilt für viele noch als eine 'Abart' von etwas anstatt eines eigenen Systems. Das ist schade und meines Erachtens gibt es da auch viel zu wenig Aufklärungsarbeit.


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08.03.2015, 20:04:30
Beitrag #7
RE: Vorstellungs-Thread
So, tut mir leid! Die Antwort hat doch auf sich warten lassen. ;-)

Habe nochmal Deinen Vorstellungstext gelesen. Hat Dich dann Französisch nicht mehr so 'angemacht'? Oder wolltest Du Dich einfach aufs Germanische konzentrieren? So als Teenie hätte ich mir nicht vorstellen können Deutsch zu studieren. Nach dem Motto: Das kann ich doch schon. Damals war ich jung und naiv. :-) Es lag aber auch daran, dass ich die Britischen Inseln, die Benelux-Länder, Skandinavien oder andere 'deutschsprachige' Länder (Österr., Schweiz usw.) nicht kannte. Das Wort "germanisch" hatte für mich zudem einen zu negativen Beigeschmack. Heute weiß ich ja, dass das Unsinn ist. Und Gotisch? Das Einzige, was mir bisher dazu einfiel, sind Ostgermanen, Bauwerke und Gothic-Subkultur. ;-)

Das Thema Revitalisierung ist sicher einen oder mehrere 'Threads' wert. Ich kenne bloß – im Groben – die Mehrheitspositon der katalanischen Soziolinguistik. Da wird stets davon ausgegangen, dass sich in Konkurrenzsituationen immer (!) die dominante Sprache durchsetzt. Zweisprachigkeit eines ganzen Gebiets wird also sehr kritisch gesehen. Mir selbst fällt auf die Schnelle zumindest ein Gegenbeispiel ein: Singapur mit seinen vier Amtssprachen Englisch, Mandarin, Malaiisch und Tamil. Wobei ich vermute, dass sich diese Mehrsprachigkeit nur aufrecht erhalten lässt, weil die Volksgruppen oder ethnischen Gemeinschaften (u. a. Chinesen, Malaiien und Inder) weitgehend unter sich bleiben. Ein Vorbild für westliche Gesellschaften sehe ich in Singapurs Sprachenpolitik daher nicht.

Also, zum Thema Nieder-/Plattdeutsch: Da kennst Du Dich wesentlich besser aus. Ich meinte tatsächlich eher die Bezeichnungsebene, sprich, alle Varietäten, die "deutsch" genannt werden. Ich dachte lange, die ursprünglichen kontinentalwestgermanischen Volkssprachen ('Stammessprachen') wie Alemannisch, Bajuwarisch, Sächsisch, Thüringisch, Friesisch und Fränkisch hätten sich mit der Zeit so nivelliert, dass aus ihnen erst unsere 'Dialekte', heute dann zunehmend die verhochdeutschten Regiolekte wurden. Dass Niederdeutsch nicht nur eine diatopische Varietät 'des Deutschen' ist (was immer "das Deutsche" sein mag), sondern evtl. einen wirklichen Sonderstatus unten den heute als "deutsch" bezeichneten Sprachen/Dialekte hat und vlt. sogar eine andere Abstammung, war mir nicht klar. Danke für Deine Ausführungen dazu!

Bairisch(-Österreichisch) ist ja auch teil eines Dialektkontinuums und mit angrenzenden Varietäten des (Schwäbisch-)Alemannischen und Ostfränkischen verwandt. Aber Du hast sicher recht: Bairisch wird nur selten als eigene Sprache eingeordnet. Luxemburgisch ist ja auch Teil des moselfränkischen 'Großdialekts', insofern mit echtem Trierer Platt evtl. sogar noch gegenseitig verständlicher als Bairisch mit östlichem Schwäbisch oder südlichem Ostfränkisch.

Ja, die landläufigen Meinungen zu Dialekten sind bedrückend: Folkloristisch-nett, korrumpiertes Deutsch, 'falsches' Reden, hässlich uvm. Zu Minderheiten- oder Regionalsprachen fällt den meisten (Deutschen) sowieso nichts ein.

Ich bin auch immer wieder überrascht, wie wenig man in der Schule über Sprache(-n) und Linguistik lernt. Ich zumindest habe außer dem Sender-Empfänger-Modell kaum etwas in diese Richtung gelernt.

Habe neulich eine nette Karte mit den Wikipedia-Projekten in Minderheitensprachen gefunden. Ob sie vollständig ist, weiß ich nicht:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/co...proche.png

Die Wikimedia-Stiftung und ihre Einzelprojekte finde ich eine schöne Gemeinschaftsarbeit, um kleineren Sprachen in der modernen Welt zu neuem Leben zu verhelfen.

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