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 » nicht erledigt Morphologische Analyse von "besser"

14.02.2015, 13:48:35
Beitrag #1
Morphologische Analyse von "besser"
Hallo einmal wieder!
(Wenn ich zu viel frage, rügt mich ruhig! ;-))
ist "bess" als Morphem zu sehen? Mich reizt es, "bess" bloß als allomorphische Variante zu {gut} zu betrachten, so wie "größ" in "größer" allomorphische Variante zu "groß" ist.
Gibt es eigentlich ein Morphemwörterbuch?
Bin gespannt!
GS


si quis vestrum quaesierit, cui ego linguae praecipue operam dem, sciat - atque gaudeat - me nulla lingua magis delectari quam Latina, quae iure atque merito omnium linguarum regina per multa saecula habebatur. quam quidem non ita docendam esse censeo, ut nunc temporis ubique fere terrarum fieri solet - quasi non omnino sit lingua -, sed ita ut in illis linguis fieri solet, quae vivae dicuntur - id est loquendo, scribendo, audiendo. ita enim fiet, ut discipuli Latine vere discant ac denique mirificus quidam aditus eis patefiat ad cultum atque humanitatem Europaeam plus duorum milium annorum :-)
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14.02.2015, 13:57:27
Beitrag #2
RE: Morphologische Analyse von "besser"
Interessante Frage Big Grin

Das Phänomen muss auf jeden Fall sehr alt sein, weil alle germanischen Sprachen diese Unregelmäßigkeit haben. Anscheinend gab es einmal ein Adjektiv *bataz welches neben *gotaz (dem Vorgänger von "gut") existierte und irgendwann verschmolzen sie.

Ich sehe da Parallelen zum Verb für "gehen" in den romanischen Sprachen, wo die konjugierten Formen ein und desselben Verbes völlig chaotisch von ambulare, vadere und ire abstammen.

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14.02.2015, 14:00:15
Beitrag #3
RE: Morphologische Analyse von "besser"
und erhalte ich dann im Superlativ mit "be" eine weitere Variante?

Bei der Gelegenheit noch eine Frage zur Analyse von Komparativen:
Ist eine Form wie "(der) schönste (Hund)" so zu analysieren, dass ich erst die Personalendung abtrenne und in einem weiteren Schritt dann das Superlativ-{st}? Dabei kommt es ja zur Situation, dass mitten in meinem Morphologiebäumchen ein Element vorkommt, dass nicht frei vorkommen kann (nämlich "schönst") ...


si quis vestrum quaesierit, cui ego linguae praecipue operam dem, sciat - atque gaudeat - me nulla lingua magis delectari quam Latina, quae iure atque merito omnium linguarum regina per multa saecula habebatur. quam quidem non ita docendam esse censeo, ut nunc temporis ubique fere terrarum fieri solet - quasi non omnino sit lingua -, sed ita ut in illis linguis fieri solet, quae vivae dicuntur - id est loquendo, scribendo, audiendo. ita enim fiet, ut discipuli Latine vere discant ac denique mirificus quidam aditus eis patefiat ad cultum atque humanitatem Europaeam plus duorum milium annorum :-)
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14.02.2015, 14:31:58
Beitrag #4
RE: Morphologische Analyse von "besser"
Synchron würde ich sagen 'ja', 'be-' wäre dann ein weiteres Allomorph. Diachron ist 'best' eine Zusammenziehung aus '*batistaz'. Diachron ist daher das Wurzelmorphem '*bat-'. Ein weiteres Allomorphem ist dann aber auch in vielen germanischen Sprachen 'well' (bzw. andere Formen des Wortes), das als Adverb für 'gut' funktioniert.

Das macht nichts, dass im Baum ein Element nicht frei stehen kann. Es wäre allerdings mehr als unwahrscheinlich bei 'st' als Interfix auszugehen, das zwischen Deklinationsendung und Stamm träte. Daher schlicht: [[[schön]st]e].


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
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14.02.2015, 14:33:32
Beitrag #5
RE: Morphologische Analyse von "besser"
Edit:
Vorschlag zurückgezogen Rolleyes

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14.02.2015, 15:09:03
Beitrag #6
RE: Morphologische Analyse von "besser"
ich danke euch :-)

Nebenbei gefragt:
Wer treibt sich denn hier v.a. herum? Studenten? Lehrer? Assistenten? Magister/Master? Oder weiß das niemand vom jeweils anderen? ;-)


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14.02.2015, 15:35:18
Beitrag #7
RE: Morphologische Analyse von "besser"
(14.02.2015 13:48:35)Glottisschläger schrieb:  Hallo einmal wieder!
(Wenn ich zu viel frage, rügt mich ruhig! ;-))

Janee... Das Fragen ist ja im Sinne und Teil des Daseinszwecks unseres Forums. Gegen "zu viel" gibt es ein Tageslimit von 50 Beiträgen. Fühle Dich herausgefordert, der erste zu sein, der diese Marke erreicht. Zwinker


(14.02.2015 15:09:03)Glottisschläger schrieb:  Nebenbei gefragt:
Wer treibt sich denn hier v.a. herum? Studenten? Lehrer? Assistenten? Magister/Master? Oder weiß das niemand vom jeweils anderen? ;-)

Alles von Oberstufenschülern bis Lehrstuhlinhaber ist hier vertreten, wobei Studis wohl die größte Gruppe ausmachen, die meisten Beiträge aber von (Post-)Mastern/Magistern stammen, was aber auch daran liegt, dass die zum Teil schon seit 10 Jahren hier dabei sind ;-). Die größte Altersgruppe (54%) ist die der 20-29-Jährigen, und wir haben unter denen, die es angeben, etwas mehr weibliche als männliche User.
(*grübel* ich glaub, das füge ich mal auf der Infoseite ein...)



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14.02.2015, 17:34:27
Beitrag #8
RE: Morphologische Analyse von "besser"
Die Frage wäre, was der deskriptiven Eleganz am dienlichsten ist. Nehmen wir zwei Allomorphe {bess-} und {be-] an, müssen wir doppelt so viel erklären. Synchron zumindest können wir auch von einem Allomorph {bes(s)-} mit der lautlichen Form /bes/ ausgehen, an das die Suffixe {-er} und {-t} treten, wie bei {größ-} auch. Die Tatsache, dass diese Formen ausschließlich als Suppletive in den Gradationsformen von gut auftauchen, spricht sehr dafür, dass man sie als Allomorphe von {gut} auffassen sollte, und nicht als selbstständige Morpheme.


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15.02.2015, 18:01:04
Beitrag #9
RE: Morphologische Analyse von "besser"
Würde bei {bes-} aber nicht im Superlativ die Form {besest} entstehen? Zumindest synchron. Man müsste dann wieder eine Regel haben, dass kein Füllvokal eingefügt wird, oder?


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15.02.2015, 21:14:41
Beitrag #10
RE: Morphologische Analyse von "besser"
Stimmt, ist 'n Einsilbler mit Kurzvokal. :/


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16.02.2015, 02:14:35
Beitrag #11
RE: Morphologische Analyse von "besser"
(14.02.2015 17:34:27)janwo schrieb:  Die Tatsache, dass diese Formen ausschließlich als Suppletive in den Gradationsformen von gut auftauchen, spricht sehr dafür, dass man sie als Allomorphe von {gut} auffassen sollte, und nicht als selbstständige Morpheme.
Sollte man nicht umgekehrt den Positiv von besser und (am) best(en) als Suppletivform des Paradigmas auffassen und entsprechend den Positiv von mehr, (am) meist(en)?


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16.02.2015, 10:20:15
Beitrag #12
RE: Morphologische Analyse von "besser"
Könnte man. Das Problem ist, dass der Positiv die Zitierform ist und insofern salienter ist, auch wenn das zugehörige Allomorph weniger Formen aufweist.


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17.02.2015, 00:44:47
Beitrag #13
RE: Morphologische Analyse von "besser"
Muss man eigentlich für jedes Phänomen eine rein synchrone (Ersatz)beschreibung finden, die jegliche diachrone Entwicklungen außer Acht lässt? Falls ja würde ich hier einfach von den drei suppletiven Formen {gut}, {bess-} und {be-} ausgehen. Diachron wäre es ja doch Synkretismus aus den beiden Wörtern für 'gut', 'gotaz' und 'bataz', oder?


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17.02.2015, 09:49:27
Beitrag #14
RE: Morphologische Analyse von "besser"
Müssen muss man das überhaupt nicht. Ob man das tun will, liegt vor allem daran, ob man lieber historisch akkurat sein will oder lieber sich am synchronen Sprachgefühl der Sprecher orientieren will, für die die historische Entwicklung unbekannt und irrelevant ist.


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17.02.2015, 21:05:50
Beitrag #15
RE: Morphologische Analyse von "besser"
Es sollte auch nun nicht so absolut klingen. Aber kann denn ein 'Synchronitätsnarr' völlig ohne Diachronie auskommen und für jedes Phänomen eine synchrone Erklärung Beschreibung finden?


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