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[Morph]: Morphologie  » nicht erledigtMorphologische IC-Analyse
27.05.2016, 17:42:07,
Beitrag #1
89_rainbow Morphologische IC-Analyse
Liebe Expertinnen,

Ich bin absoluter Neuling auf dem Gebiet der IC-Analyse und habe eine frage.
Kann ich bei <versorgst> im ersten Schritt -versorg- und -st- abtrennen ODER -ver- und -sorgst- (und dann weiter in -sorg- und -st).
Ist da beides möglich? Hoffe ich konnte das verständlich ausdrücken.

Und noch eine Frage: Muss das Fugenelement immer im ersten Schritt abgetrennt werden?

Vielen Dank schonmal!

Liebe Grüße

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27.05.2016, 19:09:33,
Beitrag #2
RE: Morphologische IC-Analyse
Normalerweise sagt man, dass Flexion zuerst abgetrennt wird, dann Derivation. Das hieße, man trennt erst das {-st} ab und erhält den präfixstamm {versorg-}, den man dann weiter zerlegt.

Wie soll das gehen, das FW im ersten Schritt abzutrennen? Friedhofsmauer > {Friedhof- -mauer} + {-s-}?! Nein, das Fugenelement sollte eigentlich an einer der beiden Basen hängen, im Deutschen üblicherweise an der ersten/linken.


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28.05.2016, 17:58:02,
Beitrag #3
RE: Morphologische IC-Analyse
(27.05.2016, 19:09:33)janwo schrieb: Normalerweise sagt man, dass Flexion zuerst abgetrennt wird, dann Derivation. Das hieße, man trennt erst das {-st} ab und erhält den präfixstamm {versorg-}, den man dann weiter zerlegt.

Wie soll das gehen, das FW im ersten Schritt abzutrennen? Friedhofsmauer > {Friedhof- -mauer} + {-s-}?! Nein, das Fugenelement sollte eigentlich an einer der beiden Basen hängen, im Deutschen üblicherweise an der ersten/linken.


danke! ja das kenn ich auch so, dass man zuerst die flexion abtrennt (machen die im buch halt immer so). nachdem da steht man soll die verschiednen möglichen ic -anlyse ergebnisse aufzeigen, dachte ich es wär vielleicht anders auch möglich.

wie meinst du an einer der basen hängen? im buch haben die das fugenelemt immer im ersten schritt abgetrennt.
bei rücksichtsmöglichkeit hätte abgetrennt in -rücksichtslosig- und -keit-. im zweiten schritt dann -rücksicht- -s- und -ig-.

LG

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28.05.2016, 22:40:14,
Beitrag #4
RE: Morphologische IC-Analyse
Die alte Spitzfindigkeit, zwischen denkbar, möglich, sinnvoll, regelkonform zu unterscheiden. Denkbar sind auch andere Reihenfolgen. Ist halt bloß die Frage, wie sinnvoll das ganze ist, wenn man damit quasi einen Wortformbildungsprozess nachvollziehen will.

Was du mit rücksichtsmöglichkeit (oder -losigkeit) vorzauberst, ist aber, dass im ersten Schritt das Suffix {-keit} abgetrennt wird und dann im zweiten Schritt plötzlich drei ICs – {rücksicht}, {-s-}, {-ig} – statt zwei da stehen. Das kann nicht sein. Erstens, weil dann das {-los} bzw. {möglich} unter den Tisch fällt und zweitens weil man bei den meisten Analysen streng binär vorgeht, also immer genau zwei ICs entstehen müssen. Also:

rücksichtsmöglichkeit
1. Schritt: rücksichts + möglichkeit
2. Schritt: rücksicht + -s- | möglich +keit
3. Schritt: rück + sicht | -s- | mög + lich | -keit


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29.05.2016, 17:26:49,
Beitrag #5
RE: Morphologische IC-Analyse
sorry, ich hatte mich verschrieben. natürlich rücksichtslosigkeit.
also bei mir wurde die abtrennung in rücksichts + s + losigkeit durchgestrichen.
aber wieso kann ich das nicht machen? im buch wird das fugenelement auch im 1. Schritt abgetrennt :S

Und noch eine frage, wenn ich beim lexem "sicht" angekommen bin, muss ich dann ja noch weiter abtrennen in sich + t (Flexionssuffix). (laut Lösung)
Woher weiß ich dass ich das nochmal trennen kann? Hätte sicht stehen lassen und gesagt es sei ein substant. basismorphem Traurig

das verwirrt mich alles nur noch...

danke dir!

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29.05.2016, 22:46:21,
Beitrag #6
RE: Morphologische IC-Analyse
(29.05.2016, 17:26:49)Piratentochter schrieb: sorry, ich hatte mich verschrieben. natürlich rücksichtslosigkeit.
also bei mir wurde die abtrennung in rücksichts + s + losigkeit durchgestrichen.
aber wieso kann ich das nicht machen? im buch wird das fugenelement auch im 1. Schritt abgetrennt :S

Da hast Du das {-s-} auch zweimal drin. ;-) OK, das ist vermutlich nur ein Tippfehler.

Erster Schritt: rücksichts- + -losigkeit
Die Auftrennung in drei Elemente ist zwar auch machbar, wird aber in vielen Lehrwerken als falsch gebrandmarkt. Fakt ist: das Fugenelement tritt erst dann hinzu, wenn auch ein Kompositionsglied folgt: *{rücksicht-s} ist so nicht grammatisch.

(29.05.2016, 17:26:49)Piratentochter schrieb: Und noch eine frage, wenn ich beim lexem "sicht" angekommen bin, muss ich dann ja noch weiter abtrennen in sich + t (Flexionssuffix). (laut Lösung)
Woher weiß ich dass ich das nochmal trennen kann? Hätte sicht stehen lassen und gesagt es sei ein substant. basismorphem Traurig

Seufz. Das ist aber auch unfair. Natürlich ist Sicht erst einmal ein Substantiv. Das das aus seh(-en) mit Stammveränderung (/h/ > /ç/) plus {-t} gebildet ist (vgl. tragen > Tracht, fliehen > Flucht), weiß aber nur der Insider. Das darf man bei durchschnittlichen Sprachbenutzern nicht als bekannt voraussetzen. Diese Derivation (und nicht Flexion!) ist auch nicht mehr produktiv, glaube ich. Für die reine Analyse der Gegenwartssprache würde ich daher auch sagen, dass Sicht nicht mehr weiter analysierbar ist.


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30.05.2016, 10:23:12,
Beitrag #7
RE: Morphologische IC-Analyse
(29.05.2016, 22:46:21)janwo schrieb:
(29.05.2016, 17:26:49)Piratentochter schrieb: sorry, ich hatte mich verschrieben. natürlich rücksichtslosigkeit.
also bei mir wurde die abtrennung in rücksichts + s + losigkeit durchgestrichen.
aber wieso kann ich das nicht machen? im buch wird das fugenelement auch im 1. Schritt abgetrennt :S

Da hast Du das {-s-} auch zweimal drin. ;-) OK, das ist vermutlich nur ein Tippfehler.

Erster Schritt: rücksichts- + -losigkeit
Die Auftrennung in drei Elemente ist zwar auch machbar, wird aber in vielen Lehrwerken als falsch gebrandmarkt. Fakt ist: das Fugenelement tritt erst dann hinzu, wenn auch ein Kompositionsglied folgt: *{rücksicht-s} ist so nicht grammatisch.

(29.05.2016, 17:26:49)Piratentochter schrieb: Und noch eine frage, wenn ich beim lexem "sicht" angekommen bin, muss ich dann ja noch weiter abtrennen in sich + t (Flexionssuffix). (laut Lösung)
Woher weiß ich dass ich das nochmal trennen kann? Hätte sicht stehen lassen und gesagt es sei ein substant. basismorphem Traurig

Seufz. Das ist aber auch unfair. Natürlich ist Sicht erst einmal ein Substantiv. Das das aus seh(-en) mit Stammveränderung (/h/ > /ç/) plus {-t} gebildet ist (vgl. tragen > Tracht, fliehen > Flucht), weiß aber nur der Insider. Das darf man bei durchschnittlichen Sprachbenutzern nicht als bekannt voraussetzen. Diese Derivation (und nicht Flexion!) ist auch nicht mehr produktiv, glaube ich. Für die reine Analyse der Gegenwartssprache würde ich daher auch sagen, dass Sicht nicht mehr weiter analysierbar ist.

oh wow... vielen dank... komisch, bei mir steht da eindeutig Flexion.
du hast mir wirklich sehr weitergeholfen!

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