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 » Erledigt: Heute Heute Phonematische Analyse: Glottal Stop / Knacklaut im Deutschen

27.10.2007, 11:22:41
Beitrag #1
Phonematische Analyse: Glottal Stop / Knacklaut im Deutschen
Hallo, alle miteinander.

Zur Zeit knuspere ich an einer Einführung über distinktive Merkmale und Merkmalsgeometrie. Beim Lesen sind mir ein paar Fragen gekommen, die mich etwas verwirren. Eine der spezielleren Fragen betrifft den Glottalen Plosiv.

Ihm wird zu Beginn der Status als eigenes Phonem abgesprochen, (so wie ich es verstanden habe,) weil sein Auftreten vorhersagbar ist. Fortan wird er in der weiteren Analyse des deutschen Phonemsystems unterschlagen. Gleichzeitig aber werden aspirierte, stimmlose Plosive (deren wortinitiales Auftreten auch vorhersagbar ist) als Allophon der unaspirierten Plosive analysiert.
Die vorgestellte Merkmalsgeometrie für das Deutsche ermöglicht es, aspirierte Plosive auszudrücken, bietet jedoch keine Möglichkeit, /?+Vokal/ analog als Allophon von /Vokal/ auszudrücken.

Gibt es eine Arbeit, die den Glottal Stop in dieser Hinsicht behandelt oder seine "Unterschlagung" begründet?

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28.10.2007, 11:39:31
Beitrag #2
 
Hallo,

Aspiriertheit ist nur ein Merkmal eines Konsonanten, und es gibt diesen Konsonanten dann eben in zwei "Geschmacksrichtungen" - mit dem Merkmal "aspiriert" und ohne. Daher zwei Allophone. Der Glottal stop wird aber als eigenständiger, unabhängiger Konsonant analysiert. Er hat mit dem Vokal quasi "nix zu tun," sondern steht nur davor.

Beantwortet das die Frage?

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28.10.2007, 15:55:08
Beitrag #3
 
Vielen Dank für deine Antwort! Leider ist es nicht ganz das, was ich gesucht hatte.
Ich habe es auch bisher so gelernt, daß der Glottal Stop ein Phonem des Deutschen ist. Allerdings wird in der Analyse, die mir vorliegt, dem Glottal Stop der Status als eigenständiges Phonem abgesprochen, weil seine Distribution so eingeschränkt und vorhersagbar ist.

Bis zu diesem Punkt kann ich der Argumentation auch folgen. Was mir aber Schwierigkeiten macht ist, daß der Glottal Stop mit dieser Feststellung abgehakt wird und von da an unterschlagen.

Es wird keine Möglichkeit einer alternativen Analyse angesprochen, wie etwa, ihn als Allophon des Vokals zu betrachten, so wie es mit aspirierten Plosiven geschieht. In diesem Fall stünde nämlich die Aussage "Am Beginn einer betonten Silbe wird ein Vokal mit Glottal Stop davor realisiert, ansonsten ohne" analog zur Aussage "Am Wortbeginn wird ein stimmloser Plosiv mit Aspiration realisiert, ansonsten ohne".

Da mir das so ungewöhnlich erschien, dachte ich, daß es dazu vielleicht laufende Diskussionen gibt oder gab und der Glottal Stop damit ein Sonderfall ist, der in Lehrbüchern nicht (mehr) vertieft wird.
Gab es eine solche Diskussion oder kennst du / ihr Quellen dazu?
Vielen Dank!

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30.10.2007, 11:59:00
Beitrag #4
 
Ok, dann versuche ich es nochmal.

Ich verstehe das so: Der Glottal Stop ist kein Phonem, weil nicht bedeutungsunterscheidend. (Es gibt kein Minimalpaar /?an/ vs. /an/ oder so). Also ein Phon, kein Phonem. Deswegen braucht man ihn in einer Analyse des Phonemsystems nicht zu berücksichtigen.

Es gibt aber kein Allophon "Glottal stop + Vokal", weil der Glottal stop kein Merkmal des Vokals ist, sondern ein eigenständiges Phon. Aspiriertheit ist dagegen ein Merkmal des Konsonanten selber, das heißt, die Aussprache des Konsonanten verändert sich. Ein aspiriertes [p] ist z.B. kein "unaspiriertes [p] mit einer Aspiration davor," sondern ein qualitativ anderer Laut. Deswegen analysiert man das aspirierte [p] als Allophon von /p/. Aber ein Merkmal "Glottalstopheit" gibt es nicht. Ein /a/ mit einem Glottal stop davor ist (theoretisch wenigstens) immer noch dasselbe /a/, die Aussprache des Vokals verändert sich nicht. [?a] wird nicht als ein Laut aufgefaßt, sondern als Lautkette, im Prinzip nicht anders als [ta] oder [ba], nur, daß der Konsonant nicht bedeutungsunterscheidend ist. So habe ich das zumindest immer verstanden.

Man korrigiere mich, wenn das nicht richtig ist, Phonologie ist nicht meine starke Seite. Zwinker Ob es Literatur dazu gibt, weiß ich folglich auch nicht.

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