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[Morph]: Morphologie  » nicht erledigt Phrasenkomposita
▶ Baumdiagramm

21.07.2014, 13:50:39
Beitrag #1
Phrasenkomposita
Hallo auch,
vielleicht mag man mir hier auf die Sprünge helfen. Ich stehe gerade etwas auf dem Schlauch und frage mich, wie man Phrasenkomposita in Baumdiagrammen darstellen kann.
Also etwa "Trimm-dich-Pfad", "Hier-kriegt-man-alles-was-man-braucht-Seminar".
Ein weiteres Problem habe ich mit folgender Auffassung. Es wird teilweise davon ausgegangen, dass Phrasenkomposita nicht in der Syntax erzeugt werden, sondern bereits im Lexikon stehen/lexikalisiert sind. Wie kann ich mir das vorstellen? Das gelingt mir beim "Trimm-Dich-Pfad" durchaus noch, aber nicht beim zweiten obigen Beispiel. Man kann ja ad-hoch neue Komposita auf diese Weise bilden, die doch nicht schon bereits im Lexikon stehen können?
Ich würde mich über Hilfe freuen.


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21.07.2014, 14:12:55
Beitrag #2
RE: Phrasenkomposita
Hallo Nanek,

ich frage mich gerade, warum Du Phrasenkomposita mittels Baumdiagrammen darstellen willst.
Bilden Baumdiagramme nicht nur die syntaktische Funktion der Einheiten ab? Somit hättest Du Nominalphrasen, in deren Mittelpunkt ein aus komplexen Phrasen gebildetes Nomen steht. Dieses Nomen wäre dann interessant hinsichtlich des Wortbildungsprozesses. Wenn Du Baumdiagramm in diesem Kontext meinst, dann möchtest Du ergo quasi den Wortbildungsprozess dieser Art Komposita abbilden.

Der kreative Prozess der Ad-hoc-Bildung ist sicherlich auch bei komplexen Phrasenkomposita möglich, hörerseitig wäre eine Analyse des erforderten Wissens interessant, da lexikalisierte Phrasenkomposita quasi jedem Rezipienten zugänglich sind, solange er oder sie in einer Sprachgemeinschaft lebt.
Meiner Ansicht nach verhält es sich ähnlich mit toten Metaphern. Diese sind hochgradig konventionalisiert und lexikalisiert, so dass man sie kaum noch als Metaphern wahrnimmt. Ergo kann man auch bei Phrasenkomposita von Lexikalisierung sprechen. Dennoch gibt es natürlich Ad-hoc-Bildung, die jedoch zu einem gewissen Teil ebenfalls der Syntax unterliegt, um Verhältnisse auszudrücken.
Dennoch kann es beispielsweise Ellipsen geben, ich denke z.B. an meine "Unsicher-wegen-des-Mangels-an-Infos-Antwort".
Ein durchaus interessantes Phänomen, bei dem zu bedenken wäre, wie man Phrasenkomposita konkret definiert.

Wenn ich Dich richtig verstehe, dann möchtest Du nun ein Baumdiagramm nutzen, um das jeweilige Kompositum in seine Einzelbestandteile zu zerlegen, richtig?

LG
Mihail


Hallo, ich bin Mischo.

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21.07.2014, 14:44:23
Beitrag #3
RE: Phrasenkomposita
Hallo Mihail,

vielen Dank für deine Antwort. Aber ich muss zugeben, so ganz verstanden habe ich es noch nicht. Der Rezipient zerlegt ein Phrasenkompositum wie "Trimm-dich-Pfad" nicht mehr in seine einzelnen Bedeutungseinheiten - genau wie bei Metaphern. Er muss seine Bedeutung also nicht erst decodieren, sondern hat sie in einem eigenen Eintrag abgespeichert. Aber das kann doch bei "Hier-kriegt-man-alles-was-man-braucht-Seminar" unmöglich der Fall sein? Das ist ja kein gängiger Ausdruck. Oder meint man nur, dass dahinterstehende Wortbildungsregeln im Lexikon abgespeichert sind?

Was die Baumdiagramme angeht: Richtig, ich möchte den Wortbildungsprozess der Phrasenkomposita somit abbilden. Müsste man dafür für die ganze syntaktische Einheit "Hier-kriegt-man-alles-was-man-braucht" eine VP ansetzen und alle einzelnen Wörter zu dieser zusammenlaufen lassen + das Nomen "Seminar"? Also N -> VP + N?


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21.07.2014, 19:22:06
Beitrag #4
RE: Phrasenkomposita
Hallo Nanek,

dass man Bäume auch in der Morphologie verwenden kann ist zunächst nichts Ungewöhnliches, da die Baumdiagramme strukturelle Beziehungen von Elementen widergeben, nichts anderes. Und diese sind sowohl in der Syntax als auch in der Morphologie oder sonst wo der Fall.

Die Komposita, wie du sie oben hast, kann man druchaus in der Form N -> S + N darstellen. Ich würde da nicht von der VP ausgehen, da es sich um flektierte Sätze handelt, bei denen auch Bewegungsprozesse vollzogen wurden: [VP etwas/dich trimmen] --> trimm dich.
Nun kenne ich mich leider zu wenig in der morphologischen Arbeitsweise aus, um sagen zu können, ob da ein S als höchster Knoten ausreicht oder nicht. Wüsste also spontan nicht, ob IP/CP-Strukturen an dieser Stelle genommen werden und wie detalliert man dafür die Phrasenstruktur im morphologischen Baum beschreibt. Schau doch mal bei Sternefeld (Syntax) rein, da meine ich sowas gesehen zu haben.

Spontan gesehen würde ich dir zustimmen und sagen, dass es bestimmt eine vielzahl solcher hoch frequenter Komposita wie "Trimm-dich-Pfad" gibt, die lexikalisch gespeichert werden. Bei seltenen würde ich eher auf das Kompositionalitätsprinzip setzen und sagen, dass sie so transparent sind und keine lexikalischen Einträge brauchen.

Hoffe, es hilft erstmal.
LG Anna

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23.07.2014, 10:15:42
Beitrag #5
RE: Phrasenkomposita
Dei sogenannten Satzkomposita oder Zusammenrückungen sind an der Grenze von Morphologie und Syntax. Letzten Endes kann man sie tatsächlich mit syntaktischen Mitteln beschreiben, da sie aus (Teil-)Sätzen oder Phrasen entstanden sind. sie sind ja gerade nicht so aufgebaut wie klassische Determinativkomposita.


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04.08.2014, 14:41:46
Beitrag #6
RE: Phrasenkomposita
Danke euch für die Antworten. janwo, "mit syntaktischen Mitteln beschreiben" heißt ich kann eine VP dafür ansetzen?


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04.08.2014, 15:23:40
Beitrag #7
RE: Phrasenkomposita
Ich würde vielleicht eher so ansetzen, dass sie eigenständig gebildet werden. Vielleicht könnte man sagen, dass zuerst das Phrasenkompositum gebildet wird, mit einem eigenen Syntaxbaum und dieses dann als eine Einheit reduziert in einen weiteren Baum eingebettet wird.
Zitat:Es wird teilweise davon ausgegangen, dass Phrasenkomposita nicht in der Syntax erzeugt werden, sondern bereits im Lexikon stehen/lexikalisiert sind.
Damit ist nicht gesagt, wann es lexikalisiert wurde. Wenn der Prozess der syntaktischen Bildung von "Hier kriegt man alles, was man braucht." und die anschließende Schrumpfung auf ein Nomen der zweiten Bildung von einem ganzen Satz mit dem geschrumpften Satz in einem Kompositum vorausgeht, dann ist es zur Zeit der Bildung des zweiten Satzes bereits lexikalisiert im eigenen mentalen Lexikon.

Die Zuordnung als wirkliches Kompositum scheint ja eher fraglich und wird heiß diskutiert. Falls noch nicht gesehen: http://www.sprachlog.de/2009/10/04/phrasenkomposita/

Ich bin leider wieder ziemlich raus aus der Syntax, aber irgendwie widerstrebt es meiner Intuition, dass solche Komposita ebenfalls basisgeneriert werden im gleichen Baum.


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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