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[Term]: Terminologie und Definitionen  » nicht erledigt Physik in der Alltagssprache
▶ Physikalische Zahlenangabe

12.11.2014, 15:21:00
Beitrag #1
Physik in der Alltagssprache
moin...
heute im wetterbericht des ZDF:

".... erwarten wir eine Temperatur von zwanzig komma ein Grad..."

(gemeint: 20,1 Grad Celsius)

M. E. müsste es physikalisch heißen:

".... erwarten wir eine Temperatur von zwanzig komma eins Grad...", also mit "s" hinter "ein",

oder st das zu kleinlich gedacht?

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12.11.2014, 20:14:05
Beitrag #2
RE: Physik in der Alltagssprache
Seit wann arbeiten die Wetterauguren mit Zehntelgraden? Eek!

Adhoc kann ich leider nur meine Intuition befragen und die meint, dass die Form ohne das S umgangssprachlich mindestens akzeptabel, wenn nicht gar die Regel ist. Ähnlich bei Entfernungsangaben usw. Getippt will es mir aber nicht über die Finger, komischerweise, also ist es wohl eine mündliche Sache. Vielleicht weiß wer anderes mehr dazu?


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12.11.2014, 21:25:26
Beitrag #3
RE: Physik in der Alltagssprache
Also Canoo behauptet ja, dass die Form 'eins' auf's Zählen und Rechnen beschränkt ist. Ich weiß allerdings nicht, wie es um die deskriptive Adäquatheit dieser Seite bestellt ist; zumindest entspricht die Einschätzung auch meiner Intuition. Im genannten Beispiel wird 'eins' ja quantifizierend verwendet, insofern fänd' ich's plausibel, das zu flektieren.

Wie werden denn in der Germanistik die deklinierten Formen von 'ein-' behandelt, als flektierte Formen des Zahlworts oder als unbestimmte Artikel? Im Netz fand ich vereinzelt Aussagen, dass man hier 'eins' und nicht 'ein' Grad sagen würde, weil es schließlich um die Zahl und nicht den bestimmten Artikel ginge; das fand ich nicht so richtig überzeugend. (Ich frage auch deshalb, weil im halbwegs eng verwandten Isländischen die Zahlwörter bis einschließlich Vier flektieren, aber im Deutschen steht die Eins ja alleine da, sodass eine solche Analyse vielleicht weniger passend erscheint)

Könnte nicht vielleicht sogar ein Fall von Hyperkorrektur vorliegen? Lächel

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12.11.2014, 22:48:53
Beitrag #4
RE: Physik in der Alltagssprache
Ichweißnichtwiedumme Frage am Rande: Macht es einen Unterschied, ob man

  • oder
  • 0,1°
sagt?

Bei ersterem bin ich mir sicher, dass es ein Grad sein muss, beim zweiten schwanke ich jetzt zwischen Null Komma eins und Null Komma ein.


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12.11.2014, 23:23:12
Beitrag #5
RE: Physik in der Alltagssprache
(12.11.2014 22:48:53)janwo schrieb:  Ichweißnichtwiedumme Frage am Rande: Macht es einen Unterschied, ob man

  • oder
  • 0,1°
sagt?

Bei ersterem bin ich mir sicher, dass es ein Grad sein muss, beim zweiten schwanke ich jetzt zwischen Null Komma eins und Null Komma ein.

Stimmt, das ist interessant Lächel
Ich denke schon, dass es einen Unterschied macht, aufgrund der mathematischen Konvention, Nachkommastellen als einzelne Ziffern, also sprachlich wie beim Zählen zu behandeln.
Bei 0,01° würde ich dann übrigens ganz klar 'eins' nehmen; "Null Komma Null Ein Grad" klingt komisch. Spannend ist allerdings, dass das zumindest beir mir erst bei zwei Nachkommastellen voll greift; bei einer bin ich auch unsicher.

Insofern wäre es zumindest im Rahmen diese Konvention konsequent, "Null Komma Eins" zu sagen, aber scheinbar konfligieren hier logisch motivierte Nomenklatur und Grammatik.

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13.11.2014, 11:13:30
Beitrag #6
RE: Physik in der Alltagssprache
moin,

einen Widerspruch zwischen grammatischen und physikalischen Regeln scheint es hier, auf den 1. Blick zu geben.

Bei Aufzählungen heißt es immer mathematisch eins, zwei, drei

"ein" ist ja zuerst ein unbestimmter Artikel.

Ein Richter müsste einen Zeugen exakt wie folgt befragen:

"Wieviele Autos haben Sie vor dem Haus gesehen, eins oder mehrere?"

Die Antwort "ich habe ein Auto gesehen" könnte irreführend sein,
es könnte irgendein Auto gemeint sein, ohne zu wissen, ob es mehrere gab,
es kommt für den Richter dabei vielleicht auch auf die Betonung an,
oder er muss nochmal nachfragen:
"Bitte beantworten Sie genau meine Frage: Waren es eins oder mehrere Autos?"

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13.11.2014, 11:56:26
Beitrag #7
RE: Physik in der Alltagssprache
Nach meinem Sprachgefühl kommt hier: "Wieviele Autos haben Sie vor dem Haus gesehen, eins oder mehrere?" 'eins' vor, weil es ohne Substantiv gebraucht wird. Es hat mit der Zählform 'eins' nicht unbedingt etwas zu tun, ich sage auch oft 'eines' in diesem Kontext. 'Hast du ein Auto gesehen? - Ja, ich habe eines gesehen.' Wenn man 'eines' einsetzen kann, handelt es sich, meiner Meinung nach, nicht um das bloße Zahlwort, sondern um die neutrale nominalisierte Adjektivform.
Bei 'Ich habe ein Auto gesehen.' wird die Zahl allein durch die Betonung hervorgehoben (im Niederländisch zum Beispiel würde man hier 'een' und 'één' unterscheiden, also auch in der Schrift). Oder man benutzt so etwas wie 'Ich habe genau/nur ein Auto gesehen.'
Daher empfinde ich es auch zunächst als ungrammatikalisch zu sagen: 'Waren es eins oder mehrere Autos?' Weil 'ein' sich hier direkt auf 'Autos' bezieht und nicht 'eines' heißen kann: 'Waren es ein oder mehrere Autos?'


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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15.11.2014, 16:53:06
Beitrag #8
RE: Physik in der Alltagssprache
Zitat Kevin:

"im Niederländisch zum Beispiel würde man hier 'een' und 'één' unterscheiden, also auch in der Schrift"

diese Unterscheidung ist mir sehr sympatisch,
sollte man im Deutschen auch einführen...

Zur Unterscheidung gibt es noch die Möglichkeit zu sagen:

ich habe ein einziges Auto gesehen...

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15.11.2014, 17:02:45
Beitrag #9
RE: Physik in der Alltagssprache
hm, grübel....da fällt mir etwas auf bei niederländisch een und één:

wäre es im Deutschen nicht auch sinnvoll, eine Akzentuierung/Betonung in der Schriftsprache darzustellen?

so mancher schriftsprachliche kommunikative Zweifelsfall könnte damit vermieden werden.

Man kann sich helfen mit Sperrschrift oder Fettschrift, als quasi Hervorhebung,
obwohl das m. E. noch kein exakter Hinweis auf phonetische Betonung ist.

aber in normaler Schreibschrift (die soll es ja hin und wieder auch noch geben...) sehe ich da
keine Norm, außer vielleicht: Unterstreichung?

danke für jeden Hinweis

quakki

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16.11.2014, 23:34:10
Beitrag #10
RE: Physik in der Alltagssprache
Es gäbe so einige hilfreiche Verbesserung an so gut wie jeder Schreibung. Sicherlich wäre die Akzentuierung bei Betonung eine davon. Allerdings gehen die meisten Orthographien nicht auf die Prosodie ein, bis auf satzfinale Zeichen vielleicht wie Ausrufezeichen oder auch Anführungszeichen für bezweifelten Inhalt. Vor allem für prosodische und paralinguistische Inhalte könnte sich die Orthographie öffnen. Aber auch als jemand der schon seit längerem im Internet unterwegs ist und mit Chatten großgeworden ist, muss ich sagen, dass ich die linguistische Funktion von Smileys selbst in Hausarbeiten manchmal vermisse. (Oder die Unfähigkeit wahrnehme, ohne sie auszukommen. Zwinker)


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Martin Solveig ~ Heart of Africa
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17.11.2014, 14:48:40
Beitrag #11
RE: Physik in der Alltagssprache
Zitat Kevin:

".....sagen, dass ich die linguistische Funktion von Smileys selbst in Hausarbeiten manchmal vermisse. (Oder die Unfähigkeit wahrnehme, ohne sie auszukommen. Zwinker)"

hm, nochmal grübel.... , wie sähe solche mit Smiley angereicherte Akzentuierung in Prosa-Schriftn aus?
Gibt es Romane oder Erzählungen....?

Man muss es ausprobieren, in Prosa ist es vielleicht auch nur nervig...

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