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| [Pragma]: Pragmatik, Kommunikationstheorie » Presuppositions in Online Advertising▶ Frage zu "presuppositions" in der Online Werbung; speziell zum Verb "mögen" (Bsp. "Er mag dich") und dessen "presuppositions" |
| 02.09.2011, 12:59:08 Beitrag #1 | |||
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| Presuppositions in Online Advertising Hallo an alle! Ich hab jetzt schon länger nichts mehr gepostet; war meistens mit dem Schreiben meiner Diplomarbeit beschäftigt, zum Thema: The Simulation of Intimacy in Online Advertising. Jetzt bin ich wieder auf ein kleines "Problem"/eine Frage gestoßen in meiner Arbeit, diesmal aus dem Bereich Pragmatik, genauergenommen "presuppositions". (Ich erläutere unten genau die Werbe-Beispiele in meinem Korpus die zu meiner Frage geführt haben, die eigentliche Frage kommt dann in Absatz 5 und ist fett hervorgehoben.) Und zwar habe ich Werbungen für Datingseiten gefunden, bei denen vorgegeben wird den Leser zu kennen. Zum Beispiel eine Werbung, die einem MSN Messenger Chat-Fenster gleicht, in dem eine Frau sagt* "Didn't we use to date in high school?", und Werbungen mit Messages wie "I really want to meet you!", "Hey you... yeah, you...come join us" oder auch auf deutsch "Er mag dich! (Bild von einem gutaussehenden Mann) Bist du interessiert?". Von meinem Sprachgefühl her, liegt all diesen Aussagen zugrunde, dass die Person in der Werbung den Leser scheinbar kennen muss, besonders bei der ersten und bei der vierten Werbung. "Didn't we use to date in highschool" impliziert, dass die Sprecherin irgendeine Information über den Leser hat (wie er heißt, oder wie er aussieht...) die sie darauf schließen lässt, dass der Leser die Person ist, mit der sie in der High School in einer Beziehung war. In der vierten Werbung lässt der Satz "Er mag dich" ebenso darauf schließen, dass der Mann, dessen Bild in der Werbung zu sehen ist, die Leserin (oder den Leser) kennt, bzw. irgendetwas von ihr weiß, anhanddessen er die Entscheidung trifft, dass er sie mag. Meine Frage ist nun: Kann man generell sagen, dass das Verb "mögen" in "X mag Y" vorausssetzt: "X kennt Y" (bzw. "X hat Informationen über Y") im Sinne der Presupposition-Lehre? Vielen Dank schonmal für eure Hilfe! Liebe Grüße, Alexandra *bzw. wo auf dem Profilbild neben dem Chat-Fenster eine Frau zu sehen ist, von der anzunehmen ist, dass sie die Sprecherin ist Hallo, ich bin alexa_x und seit 23.06.2011 18:03:51 hier angemeldet. Hier könnte meine Signatur stehen. | |||
| 02.09.2011, 16:57:42 Beitrag #2 | |||
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| RE: Presuppositions in Online Advertising Hallo alexa_x, Ich würde grundsätzlich zustimmen, dass "X hat Informationen über Y" in diesem Fall Voraussetzung für "X mag Y" und dementsprechend für das Gelingen der Annonce ist. Sie soll ja schließlich vorgaukeln, dass besagter Schönling irgendwo ein Profil, ein Foto oder sonstige Informationen über den Leser gefunden hat, und aufgrund dessen Kontakt aufnehmen will. Was ich aber bedenken würde wäre die "neue" Konnotation von mögen/like. Ich denke an Facebook, wo man ja bei Bildern, Posts, Kommentaren etc. den like-Button klicken kann. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Werbung vorgibt, dass der Typ irgendwo "like" geklickt hat und so an den Leser weitergeleitet wurde. | |||
| 02.09.2011, 19:54:14 Beitrag #3 | |||
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| RE: Presuppositions in Online Advertising Ja, da hängt viel an der Definition von 'kennen'. Wenn X keine (positiven) Informationen über die Tatsache der Existenz von Y hat, kann X auch nicht in der Lage sein, Y zu mögen. Allenfalls kann X dann in der Lage sein, sich Y auszumalen und herbeizuwünschen. | |||
| 03.09.2011, 13:04:22 Beitrag #4 | |||
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| RE: Presuppositions in Online Advertising Danke für die Antworten! (02.09.2011 19:54:14)janwo schrieb: Ja, da hängt viel an der Definition von 'kennen'. Ja, "kennen" war hier wohl nicht das beste Wort.... (02.09.2011 19:54:14)janwo schrieb: Wenn X keine (positiven) Informationen über die Tatsache der Existenz von Y hat, kann X auch nicht in der Lage sein, Y zu mögen. Das habe ich mir eben auch gedacht, aber ich war mir nicht sicher ob man "X hat Informationen über (die Tatsache der Existenz von) Y" als Präsupposition von "X mag Y" bezeichnen kann!? Denn man muss ja unterscheiden zwischen Linguistik und weltlicher Logik. Zum Beispiel setzt A) "Auf der Erde ist Schnee." in der Logik* voraus B) "Es hat geschneit." Aber linguistisch gesehen enthält A nicht die Präsupposition B, oder? Denn B geht nicht aus den Bedeutungskomponenten der Wörter in A hervor, sondern aus dem Wissen, dass es in unserem Universum nur Schnee geben kann, wenn es geschneit hat. Aber der Satz muss sich ja nicht auf unser Universum beziehen, also hat er linguistisch gesehen keine Präsuppositionen, oder? (Ich weiß schon, dass das Beispiel jetzt ein bisschen anders ist als das vorhin besprochene, aber ich versuche nur zu verstehen was nun eine Präsupposition eines Satzes darstellt und was nicht....) *bezogen auf unser Universum, mit unseren physikalischen Gesetzen Hallo, ich bin alexa_x und seit 23.06.2011 18:03:51 hier angemeldet. Hier könnte meine Signatur stehen. | |||
| 04.09.2011, 12:15:31 Beitrag #5 | |||
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RE: Presuppositions in Online Advertising Zitat:Aber linguistisch gesehen enthält A nicht die Präsupposition B, oder? Denn B geht nicht aus den Bedeutungskomponenten der Wörter in A hervor, sondern aus dem Wissen, dass es in unserem Universum nur Schnee geben kann, wenn es geschneit hat. Aber der Satz muss sich ja nicht auf unser Universum beziehen, also hat er linguistisch gesehen keine Präsuppositionen, oder? Zwar ist das Thema bei mir schon eine ganze Weile her, darum werde ich mir garnicht anmaßen, darüber zu spekulieren Allerdings habe ich in meinem alten Semantikbuch eine Stelle dazu gefunden, die vielleicht ganz hilfreich ist:"Many, if not all, sentences carry what is called semantic presuppositions. These are logical preconditions for the sentence to make sense in a given CoU. Semantic presuppositions originate from the lexemes used as well as of the structure of the sentence. [...] When a sentence contains a predicate term, the use of the term in a given CoU requires that the argument fulfils the selectional restrictions. For example, if on says this is green or this is not green, where this refers to some entity x, it is required that x is a visible object (if green is to be taken in its colour predicate sense, that is). If x is invisible, we cannot decide whether it is green or not and the sentences are both neitheir true nor false. The Principle of Polarity notwithstanding, there is always the possibility that a sentence or, more generally a predicate, yields no truth value at all. Failing to have truth value, however, is not on a par with being true or being false. In particular, it does not constitute a case somewhere between true and false. [...] In the cognitive semantics literature this general problem of categorization is not addressed (although it is known as 'category failure' in more traditional approaches)." Aus: Löbner, Sebastian (2002): Understanding Semantics, London: Hodder Education (Understanding language series), pp. 209-210. | |||
| 04.09.2011, 16:58:23 Beitrag #6 | |||
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| RE: Presuppositions in Online Advertising Vielen, vielen Dank! Das erklärt vieles. Vor allem die Passage: Semantic presuppositions originate from the lexemes used as well as of the structure of the sentence. In dem Fall, wäre bei meinem Beispiel mit dem Schnee die Aussage "Es hat geschneit." keine Präsupposition von "Auf der Erde ist Schnee.", weil sie nicht aus den lexemes oder der structure of the sentence hervorgeht, sondern nur aus logischen Überlegungen. Allerdings definiert dein Buch semantic presuppositions, und ich glaube einige Theoretiker definieren auch pragmatic presuppositions, die dann wieder andere Voraussetzungen haben. Aber dabei kommt man dann vom Hundertsten ins Tausendste. Jedenfalls hat mir deine Passage viel weitergeholfen! Steht CoU für context of utterance? Hallo, ich bin alexa_x und seit 23.06.2011 18:03:51 hier angemeldet. Hier könnte meine Signatur stehen. | |||
| 04.09.2011, 22:17:24 Beitrag #7 | |||
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RE: Presuppositions in Online Advertising Zitat:Steht CoU für context of utterance?Ja, genau. Hier habe ich noch was gefunden: Stalnaker recognizes semantic presupposition in the case of simple sentences (1)-(5). And he thinks that semantic presuppositions are also pragmatically presupposed; that is, if P is a semantic presupposition of what the speaker says, then the speaker will in fact take P for granted and take his audience to do so too; he will treat P as part of the common ground: There is no conflict between the semantic and pragmatic concepts of presupposition; they are explications of related but different ideas. In general, any semantic presupposition of a proposition expressed in a given context will be a pragmatic presupposition of the people in the context, but the converse clearly does not hold. To presuppose a proposition in the pragmatic sense is to take its truth for granted, and to assume that others involved in the context do the same… The set of all the presuppositions made by a person in a given context determines a class of possible worlds, the ones consistent with all the presuppositions. This class sets the boundaries of the linguistic situation. (Stalnaker 1972/1999, 38.) | |||
| 05.09.2011, 20:56:06 Beitrag #8 | |||
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RE: Presuppositions in Online Advertising (04.09.2011 22:17:24)LeaRebecca schrieb: There is no conflict between the semantic and pragmatic concepts of presupposition; they are explications of related but different ideas. In general, any semantic presupposition of a proposition expressed in a given context will be a pragmatic presupposition of the people in the context, but the converse clearly does not hold. Also wenn ich das jetzt richtig verstanden habe würde das heißen: -> Dem Satz "Er mag dich." liegt sowohl semantisch gesehen als auch pragmatisch gesehen die Präsupposition "Er hat Informationen über dich." zugrunde. -> Die Aussage "Auf der Erde ist Schnee" hingegen hat keine semantischen Präsuppositionen, kann aber sehr wohl pragmatische haben. Also wenn irgendwo auf der Erde, z.B. eine Frau zu ihrem Mann sagt "Es liegt Schnee", ist sie sich sicher, dass das die Aussage "Es hat geschneit" zutrifft, und nimmt an, dass ihr Mann sich ebenso sicher ist (she takes its truth for granted and assumes her husband does the same). Daher hält der Satz "Es liegt Schnee." in diesem Kontext die pragmatische Präsupposition "Es hat geschneit." (zumindest nach Stalnaker). Hoffe, dass ich das jetzt so richtig verstanden habe... Danke noch einmal, für deine wirklich hilfreichen Quellen! Ich finde im Internet irgendwie nie die richtigen Quellen wenn ich danach suche. Hallo, ich bin alexa_x und seit 23.06.2011 18:03:51 hier angemeldet. Hier könnte meine Signatur stehen. | |||
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Presuppositions in Online Advertising






Allerdings habe ich in meinem alten Semantikbuch eine Stelle dazu gefunden, die vielleicht ganz hilfreich ist:
Ich finde im Internet irgendwie nie die richtigen Quellen wenn ich danach suche.
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