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[Phon]: Phonetik & Phonologie  » nicht erledigt R-constriction und linking /r/

24.10.2012, 17:01:26
Beitrag #1
R-constriction und linking /r/
Zwei Fragen.

Könnte mir jemand erklären, was r-constriction ist? Es geht um intrusive und linking /r/, der Satz ist: "Is there any evidence for socially or linguistically conditioned variation in the degree of constriction of the /r/?" Mir ist nicht klar, wie man ein /r/ "constricten" könnte.

Das Konzept des linking /r/ verstehe ich am Beispeil von "car alarm" in nicht-rhotischen Varietäten. "Fearing" ist jedoch auch als Beispiel angegeben. In welcher Varietät spricht man da denn das /r/ nicht aus? Ist dann da statt dessen ein glottal stop?

Merci vielmals!


Starfleet Yeah
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24.10.2012, 17:13:53
Beitrag #2
RE: R-constriction und linking /r/
Auch in nicht-rhotischen Varietäten: Das freie Morphem fear ist dort ja auch /fɪə/. Das /r/ kommt also erst zur Realisierung, weil ein gebundenes Morphem mit initialem Vokal angehängt wird.

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24.10.2012, 17:44:16
Beitrag #3
RE: R-constriction und linking /r/
Genau. Aber gibt es Varietäten, in denen das /r/ in diesem Kontext nicht ausgesprochen wird? In Richtung fɪəɪŋ?

"Linking /r/ refers to cases in which the /r/ is orthographically present, and is produced across a morpheme or word boundary when followed by a vowel (e.g. fearing, car alarm). [...] in RP the insertion of /r/ is obligatory before a suffix beginning with a vowel, where the /r/ is historically justified."


Starfleet Yeah
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24.10.2012, 17:46:24
Beitrag #4
RE: R-constriction und linking /r/
Constriction habe ich übrigens gerade verstanden. Sorry für den übereilten Post Rolleyes


Starfleet Yeah
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24.10.2012, 18:03:47
Beitrag #5
RE: R-constriction und linking /r/
Hallo,

ich kann auch noch etwas beisteuern. Jetzt hab ich's einmal geschrieben:^^

Das Nicht-Aussprechen von /r/, genauer gesagt: von POST-VOKALISCHEM /r/, zählt zu den Eigenschaften vieler britischer Dialekte und auch der heutigen britischen Standardvarietät (Standard English English). Ein Ausdruck dafür ist "NON-RHOTIC accent". Manche sagen auch einfach "r-less versus r-ful accents". Das post-vokalische /r/ fehlt einfach; an dessen Stelle ist kein glottal stop. Die Standardaussprache des Amerikanischen English ("General American") ist hingegen rhotisch, d.h. alle /r/ werden in jeder Position, also auch nach Vokalen, ausgesprochen. In übertriebener Weise visualisiert sagen die Amerikaner also "parrrk theirrr carrrs" und die Engländer "pahk theih cahs", wenn sie den (prestigereichen) Standard ihres jeweiligen Landes sprechen. Deshalb findet man in vielen Wörterbüchern des Englischen auch Transkriptionen mit Klammern um post-vokalische /r/. Das sieht dann z.B. so aus: singer = / ˈsɪŋə( r )/.

Dein Beispiel für das "LINKING /r/" ist richtig: car alarm -- hier wird auch in nicht-rhotischen Varietäten oft das /r/ ausgesprochen.

Ein "INTRUSIVE /r/" ist wieder etwas anderes. Hier schleicht ein /r/ ein, wo keins hingehört; z.B. in "drawing", wenn es wie "drawRing" ausgesprochen wird. Dieses Phänomen tritt (i.d.R.) nur in nicht-rhotischen Akzenten wie dem britischen Standard-English auf. Ich denke, manch ein Linguist würde das als eine Art "hyper-correction" einstufen.

Ich glaube, mit dem Begriff "/r/ CONSTRICTION" ist lediglich die Abwesenheit von post-vokalischem /r/ gemeint. Diese ist nicht nur geographisch bedingt (z.B. Amerikanisch versus Britisch), sondern auch eine soziolinguistische Variable. In Amerika sind die Rs sozusagen hoch angesehen -- unter anderem auch weil die Varietät, die Afro-Amerikaner stereotypischerweise untereinander sprechen, "African American Vernacular English" (AAVE), nicht-rhotisch ist. Daher Schreibweisen wie <gangstaz> (statt <gangsters>).^^

Zu Deiner Fragestellung: "Is there any evidence for socially or linguistically conditioned variation in the degree of constriction of the /r/?" -- JA, GIBT ES. In einem amerikanischen Kontext hat das z.B. Labov in seiner New-York-Studie (1966) belegt. Zu NYC muss man noch wissen, dass der New-Yorker Dialekt lang vorrangig nicht-rhotisch war, und als Labov in den 1960ern seine Studie durchführte gerade auf dem Weg zur Rhotizität -- sich also dem Standard-Amerikanischen angepasst hat. Labov hatte quantitativ belegt, dass New-Yorker um so mehr postvokalische Rs aussprachen, desto förmlicher die Sprechsituation war und desto höher die soziale Klasse des Sprechers (working class, middle class usw.).

Hoffe, meine Forenpremiere war hilfreich.

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24.10.2012, 18:19:19
Beitrag #6
RE: R-constriction und linking /r/
Mit r-constriction ist (zumindest in meinem Kontext) gemeint, wie stark das /r/ r-like ist. Was genau im Mund passiert - der Teil den ich nicht verstanden habe - wird garnicht näher definiert:

"...if a speaker increases the magnitude of the articulatory gestures associated with /r/ (whatever they may be for that speaker) so that the realization becomes more strongly /r/ like..."

Bezüglich linking /r/: Ich habe schon die Definitionen von beiden Phänomenen verstanden, mir ist nur keine Varietät bekannt, in der die Sprecher fɪəɪŋ (oder etwas Ähnliches) sagen würden, ohne linking /r/. In dem Text klingt es aber so, als gebe es das.


Starfleet Yeah
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24.10.2012, 19:09:55
Beitrag #7
RE: R-constriction und linking /r/
Achso. Ich kann mir vorstellen, dass "car alarm" von Sprechern nicht-rhotischer Akzente unter Umständen auch mal ohne linking /r/ realisiert wird. Aber bei "fearing" kann ich mir ein gänzliches Fehlen von /r/, also /fɪəɪŋ/, nur schwer vorstellen. Dass es Varietäten gibt, in denen das der Fall ist, wäre mir neu. Zumindest ist mir das bei der Behandlung der verschiedener internationalen Varietäten des Englischen -- wie kanadisches, australisches, neuseeländisches oder südafrikanisches Englisch -- nie begegnet. Mit Dialekten ganz im Norden von Schottland musste ich mich auch mal beschäftigen; da hat auch niemand davon berichtet.

Wenn es, wie von Dir beschrieben, in dem Text bei "r constriction" nicht um /r/ da oder nicht da geht, sondern um Abstufungen bei der Stärke des linking /r/ geht, ist dann in dem Text eventuell so etwas wie eine "Minimal"-Aussprache von /r/ und nicht ein gänzliches Fehlen à la /fɪəɪŋ/ gemeint?

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24.10.2012, 19:31:16
Beitrag #8
RE: R-constriction und linking /r/
Glaube ich ehrlich gesagt nicht. Der Fearing-Teil kommt in der allgemeinen Einführung vor, wo die Konzepte erstmal definiert werden. Dort ist es als erklärendes Beispiel angeführt für linking-r an Morphem-Übergängen. Die Abstufung von r-constriction sowohl im Kontext von linking und intrusion ist dann ein Ergebnis der konkreten Analyse.

Es kam mir halt so komisch vor, dieses Wort als Beispiel für linking-r zu nehmen, wenn es garnichts "Besonderes" ist. Wobei ich beim ersten Durchlesen noch nicht an Suz' Erklärung gedacht hatte, dass das /r/ nur realisiert wird in Verbindung mit dem darauf folgenden Vokal. Mal schaun, was der Dozent nächste Woche dazu zu sagen hat...

Aber danke auf jeden Fall für deine wunderschön ausführliche Antwort vorhin! schild_danke


Starfleet Yeah
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25.10.2012, 10:26:11
Beitrag #9
RE: R-constriction und linking /r/
Ihr habt den Denkfehler bei "Morphemgrenze vs. Orthografie/Spatium" und lasst euch dadurch verwirren. Linking-/r/ hat aber nur was mit Morphemgrenzen zu tun (Morphemgrenze ist präzieser als 'Wortgrenze', siehe ...and is produced across a morpheme or word boundary when followed by a vowel...). Die Morphemgrenze bei car alarm wird durch ein Spatium repräsentiert, bei fearing aber nicht. Somit ist fearing sogar ein sehr gutes Beispiel für 'intrusive /r/' in nicht-rhotischen Varietäten, auch wenn es eben der Überwindung eines Denkfehlers bedarf (und es würde mich sehr wundern, wenn fearing und/oder car alarm in irgendeiner Varietät ohne /r/ gesprochen wird).

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25.10.2012, 11:31:50
Beitrag #10
RE: R-constriction und linking /r/
Bangdesk Ja klar. Ich hatte automatisch assoziiert, wenn etwas einen bestimmten Namen hat, muss es etwas Besonderes sein. Ist es ja aber nur in dem Sinne, dass /r/ in anderen Kontexten nicht ausgesprochen wird in nicht-rhotischen Varietäten.

Danke miteinander Lächel


Starfleet Yeah
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