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 » Erledigt: Heute Heute Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?

25.03.2013, 08:18:03
Beitrag #1
Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
Hi,
ich muss für einen Artikel, den ich schreiben soll, herausfinden, woher die Behauptung kommt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt. ELCat hat jetzt Anfang März bei einer Konferenz in Hawaii neue Ergebnisse vorgestellt, aus denen hervorgeht, dass eher alle 3-4 Monate eine Sprache ausstirbt. Aber bisher - kann man auch sehr gut googeln - hieß es immer überall alle 2 Wochen. Das wird so oft irgendwo ohne Quellenangaben wiederholt ("researchers say...", "linguistic experts found..."), dass es sich ziemlich schwierig gestaltet, den Ursprung dieser Behauptung auszumachen.
Ich würde mich freuen, wenn ihr mir helfen könntet, da etwas Licht in die Sache zu bringen.
LG,
Karin

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25.03.2013, 09:28:47
Beitrag #2
RE: Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
Just a hunch: Das mit den zwei Wochen könnte auch probabalistisch sein: Wenn bis Ende des Jahrhunderts die Hälfte aller Sprachen ausstirbt, wie manche Schätzungen durchaus auch mal sagen, und wir von soundso vielen Tausend Sprachen ausgehen, dann könnte mit etwas Rumrechnerei auch zwei Wochen rauskommen. Aber ich hab das nicht mathematisch überprüft. In diesem Fall könnte es damit zusammenhängen, wie pessimistisch die entsprechende Person die Entwicklung der Sprachvielfalt einschätzt. Im Zweifel ist es vielleicht auch einfach nur so, dass das mal jemand behauptet hat (Journalisten mit hohem Pagerank) und dann alle voneinander abschreiben.

Ne Quelle hab ich nicht, da müssten dir die TypologInnenen aushelfen Lächel

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25.03.2013, 09:48:29
Beitrag #3
RE: Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
Huhu,
das kommt natürlich ein Bisschen auf die Sprachdefinition an. (Was ist ein Dialekt, was zählen wir....?)
Die Behauptung mit den 14 Tagen ist recht alt.
Man findet sie auf einer Sprachenkarte der National Geographic von 1999 versteckt. Dort wird Douglas Whalen vom Endangered Language Fund (ohne bibliogr. Angabe) als derjenige zitiert, der gesagt habe, dass bis zum Ende des kommenden [= dieses] Jahrhunderts die Hälfte der knapp 6000 Sprachen ausgestorben sein werden. Der Rest ist eine Rechenaufgabe.

Bei R.M.W. Dixon The rise and fall of languages (CUP, 1997) findet sich auf S. 144 eine ähnliche Feststellung
Dixon schrieb:Languages are falling out of use, across the world, at the rate of several dozen each year.
Auch hier ist es einfache Umrechnung.

Bei David Crystal Language Death (CUP, 2000) findet sich genau diese ganze Rechnerei auf S. 19 genau aufgedröselt, dort auch mit der expliziten Formulierung:
Crystal schrieb:To meet that time frame, at least on language must die, on average, every two weeks or so. This cannot be very far from the truth.
Er bezieht sich was die Daten und die Schätzung der Rate angeht auf Michael Krauss: The World's languages in crisis. In: Language 68 (1992), 4-10.


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25.03.2013, 09:59:14
Beitrag #4
RE: Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
Wie suz schon sagt, man kann mathematisch darauf kommen. (Herzlichen Glückwunsch übrigens. Zwinker)
Um die Rechnung zu vereinfachen gehen wir mal von rund 7.000 Sprachen aus. Die pessimistische Prognose ist, dass 2100 nur noch 10% der heutigen Sprachen existieren. 10% von 7.000 sind 700. Gehen wir von der Spanne 2000-2100 aus, dann müssten wir die sterbenden 6.300 Sprachen durch 100 Jahre teilen und bekommen 63 Sprachen, die pro Jahr sterben. Das wären sogar mehr Sprachen als Wochen im Jahr, 1,2 Sprachen pro Woche.
Die optimistische Prognose wäre ja, dass 50% der Sprachen überleben, das hieße, dass 3.500 Sprachen stürben. Das sind dann pro Jahr 35 Sprachen, also 0,6 Sprachen pro Woche, die sterben.
Die 2 Wochen Angabe basiert also auf ähnlicher Rechnung und der 50%-Prognose. Die Wahrheit liegt wohl eher zwischen der optimistischen und pessimistischen Prognose und wäre dann wohl eher ca. eine Sprache pro Woche.


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25.03.2013, 11:32:10
Beitrag #5
RE: Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
(25.03.2013 08:18:03)Karin schrieb:  Das wird so oft irgendwo ohne Quellenangaben wiederholt ("researchers say...", "linguistic experts found..."), dass es sich ziemlich schwierig gestaltet, den Ursprung dieser Behauptung auszumachen.

Im jetzt ausklingenden Semester hatte ich ein Seminar in dem es um Sprachtod und Sprachverschiebung im Kontext einer bestimmten Sprachregion ging. Der Dozent, der das Seminar durchführte und der Sprachtodthematik eher skeptisch gegenüber stand, meinte dass das so ein Thema wäre, bei dem auch hoch angesehene Linguisten aufeinmal anfangen sentimental zu werden bzw. aufhören rational zu argumentieren; er hatte das u.a. an Beispielen aus dem zitierten Dixon-Buch exemplifiziert. Das war ehrlich gesagt das erste Mal, dass ich gehört habe, dass jemand in dem Kontext auch mal kritische Punkte äußert.

Wenngleich ich ihm nicht unbedingt in allen Punkten zustimmen würde, bzw. mich frage, welche Alternative besteht, war's doch recht interessant, auf bestimmte rhetorische und argumentative Muster aufmerksam gemacht zu werden: dazu gehörte u.a. die von dir angesprochene "Sterberate", oder auch die Aussage "Sprachen sind immer ausgestorben, aber in den letzten 100/200 Jahren hat es durch die Industrialisierung, Globalisierung, Zunahme der Massenkommunikation [...] stark zugenommen", die man in gefühlt jedem zweiten Text zu dem Thema liest.

Der zuletzt genannte Punkt, den ich beispielsweise (mindestens) auch schon in Artikeln aus den 80er Jahren gelesen habe, umfasst ja den ersten, (oder ist zumindest eng mit ihm verknüpft) würde ich sagen; die Frage ist dann, wann die bloße Feststellung einer raschen Zunahme zusätzlich durch eine
Angabe von Zahlen verfeinert wurde. So schreibt zum Beispiel Stephan Wurm (1991:1f.) "[t]his disappearance of languages continues today and has greatly accelerated during the last two hundred years or so. Hundreds of languages [...] have died during this period, and hundreds more are destined to meet the same fate in the foreseeable future[...]", sodass es vielleicht eine brauchbare Arbeitshypothese ist, dass konkrete Angaben erst später hinzu gekommen sind.

Ich fürchte allerdings, dass dieses "Abschreiben" nicht nur symptomatisch für dieses spezifische Gebiet, sondern ein allgemeiner diskursiver Effekt ist.

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25.03.2013, 20:40:05
Beitrag #6
RE: Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
Wow, hätte nicht mit so vielen fundierten Antworten gerechnet - Danke!

(25.03.2013 09:48:29)janwo schrieb:  Bei David Crystal Language Death (CUP, 2000) findet sich genau diese ganze Rechnerei auf S. 19 genau aufgedröselt, dort auch mit der expliziten Formulierung:
Crystal schrieb:To meet that time frame, at least on language must die, on average, every two weeks or so. This cannot be very far from the truth.
Er bezieht sich was die Daten und die Schätzung der Rate angeht auf Michael Krauss: The World's languages in crisis. In: Language 68 (1992), 4-10.

Hm, hat jemand zufällig den Krauss-Artikel zur Hand?
Bei Crystal (2000, S. 19) heißt es ja:

Crystal schrieb:A middle position would assert 50% loss in the next 100 years. This is the view independently arrive at by three linguists, reported by Krauss in 1992.

Zitiert Krauss selbst also auch andere, wenn ja wen?



Noch 'ne andere Frage:
Den neuen Ergebnisse vom ELCat zufolge sind 46% aller Sprachen bedroht. Das ist ja schon sehr nah an den oft zitierten 50% dran! Trotzdem kommen sie auf eine Rate von eher einer Sprache in 3 Monaten, nicht 2 Wochen. Wie lässt sich das erklären? Ich würde es mir so erklären, dass, selbst wenn 46% bedroht sind, dass ja nicht automatisch heißt, dass die Gesamtheit der bedrohten Sprachen bis zum Ende des Jahrhunderts ausgestroben ist. Vielleicht wurde da ja in der Vergangenheit genau das verwechselt? Also bedrohte Sprachen=alle ausgestroben bis zum Ende des Jahrhunderts und dann wurden offensichtlich auf Grudlage dieser Schlussfolgerung die berühmten 2 Wochen ausgerechnet?
Wenn ich das richtig verstanden habe, haben die beim ELCat die Rate auf der Grundlage der Sprachen die in einem gewissen Zeitraum (ich glaube seit 1960) ausgestorben sind abgeleitet, was mir auch plausibler erscheint.
Hier kann man sich eine Audiodatei von dem Vortrag dazu bei der 3rd International Conference on Language Documentation & Conservation anhören, wen's interessiert:
http://scholarspace.manoa.hawaii.edu/handle/10125/26145
(Seltsamerweise weichen die Daten auf der Homepage von denen im Vortrag ab... Ich habe mich nach denen im Vortrag gerichtet.)

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25.03.2013, 21:41:56
Beitrag #7
RE: Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
Na, wenn bisher 46% der Sprachen bedroht sind, werden bis 2100 sicherlich auch noch weitere Sprachen in die Definition des Bedrohtseins fallen und vielleicht noch vor 2100 aussterben; Bedrohtheit ist ein sehr synchroner Terminus. Ich weiß zwar nicht genau, woher diese 50%-90%-Diagnosen kommen, aber ich glaube, dass es mindestens 50% sind, gillt als allgemeine Lehrmeinung. Und wie du an meiner Rechnung siehst, ist selbst die optimistischste dieser Prognosen genau die mit den 2 Wochen - 1 Sprache. Die Wahrheit geht wohl eher noch dahin, dass häufiger Sprachen sterben.


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25.03.2013, 22:44:20
Beitrag #8
RE: Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
Dazu kommt ja noch die Frage, wie man bedroht definiert. Macht man es an einer Sprecherzahl fest (welcher? 1, 10, 1000, 10000 ?) oder auch noch an anderen Faktoren? Das spielt dann da rein, ob eher 46% oder eher 90% der Sprachen der Welt auf irgend eine Art bedroht sind. Wie Krauss auf die Rechnung kam und was man heute davon halten soll auch hier: http://www.sil.org/~simonsg/preprint/Wis...posium.pdf


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26.03.2013, 02:17:03
Beitrag #9
RE: Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
(25.03.2013 21:41:56)Kevin schrieb:  Na, wenn bisher 46% der Sprachen bedroht sind, werden bis 2100 sicherlich auch noch weitere Sprachen in die Definition des Bedrohtseins fallen und vielleicht noch vor 2100 aussterben; Bedrohtheit ist ein sehr synchroner Terminus. Ich weiß zwar nicht genau, woher diese 50%-90%-Diagnosen kommen, aber ich glaube, dass es mindestens 50% sind, gillt als allgemeine Lehrmeinung. Und wie du an meiner Rechnung siehst, ist selbst die optimistischste dieser Prognosen genau die mit den 2 Wochen - 1 Sprache. Die Wahrheit geht wohl eher noch dahin, dass häufiger Sprachen sterben.

Ja, aber kannst du wirklich von Bedrohtheit auf Aussterben schließen? Zumindest nicht bei allen bedrohten Sprachen oder..? Der neuesten Ausgabe des Ethnologue zufolge kann man "nur" bei den Sprachen, die nicht an die nächste Generation vererbt werden, mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass sie auf absehbare Zeit aussterben werden und das sollen wohl derzeit um die 20% sein. Habe ich nen Knick in der Logik, wenn es mir unplausibel vorkommt von der Anzahl der BEDROHTEN Sprachen die Rate mit der Sprachen AUSSTERBEN zu schließen? Sind das nicht mehr oder weniger zwei paar Schuhe (wenn auch leicht zu verwechseln)?

@janwo
Auf den Link bin ich dank deiner Literaturangaben mittlerweile auch gestoßen, sehr brauchbar! Also schild_danke nochmal dafür. Lächel

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26.03.2013, 10:52:30
Beitrag #10
RE: Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
Ich meinte auch nicht, dass man von Bedrohtheit direkt auf Aussterben schließen kann. Allerdings liegt es nahe, dass vor allem bedrohte Sprachen aussterben. Und ich meinte nur, dass einige/viele der 46% bis 2100 vorraussichtlich aussterben. Und es erscheint logisch, dass in den nächsten 87 Jahren noch weitere Sprachen dazu kommen, die dann bedroht sind. Und auch von denen werden wohl noch einige aussterben bevor wir den 01.01.2100 haben. Zudem sehe ich schwarz, dass wirklich ein Großteil der 46% bedrohten Sprachen die nächsten 4-5 Generationen überleben wird, viel eher wird auch von denen nur ein kleiner Teil es wirklich schaffen.


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26.03.2013, 10:58:17
Beitrag #11
RE: Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
(26.03.2013 02:17:03)Karin schrieb:  Habe ich nen Knick in der Logik, wenn es mir unplausibel vorkommt von der Anzahl der BEDROHTEN Sprachen die Rate mit der Sprachen AUSSTERBEN zu schließen? Sind das nicht mehr oder weniger zwei paar Schuhe (wenn auch leicht zu verwechseln)?

Wie Jan ja schon meinte, muss man halt auch erstmal "bedroht" definieren. In dem Modell von Sasse (1990) ist das z.B. potentiell schon der Fall, sobald ein Wechsel von der eigenen zu einer anderen Sprache begonnen hat; ob all diese Sprachen dann auch sterben, ist wieder eine andere Sache. In der Literatur finden sich ja auch verschiedene Versuche, um "Bedrohtheitsgrade" festzulegen.

Und dann kommt die nächste Frage, nämlich, was bedeutet 'tot' bei Sprachen überhaupt? Da gibt es ja auch wieder verschiedene Auffassungen, bis hin zu der, dass Sprachen eben gar nicht sterben (z.B. weil Sprachen keine Lebewesen sind und die Metapher möglicherweise erschöpft ist).

Wenn man von Bedrohtheit auf tatsächliches sterben schließen möchte, handelt es sich ja dabei immer um eine Prognose; mit welcher Wahrscheinlichkeit kann eine Sprache, die unter eine Bedrohtkeitsdefinition fällt (in einem bestimmten Zeitraum), die Kriterien einer spezifischen Sprachtoddefinition erfüllen?

Vor dem Hintergrund, dass es sich bei Sprachtod um ein komplexes Geflecht verschiedener (auch extralinguistischer) Prozesse, die sich gegenseitig aufschaukeln handelt, finde ich es recht problematisch, das irgendwie beziffern zu wollen.

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26.03.2013, 15:26:55
Beitrag #12
RE: Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
@Karin - sieh mal in Deine Mailbox. Zwinker

Krauss mittelt die Zahl der Sprachen auf der Welt aus drei Quellen auf ca. 6.000 und setzt als "Sicherheitsgrenze" an, dass die Sprachen über 100.000, besser über 1.000.000 Sprecher haben. Nimmt man die Millionengrenze, kommt man schnell zu der Zahl, dass 90% der Sprachen (eben die 90% mit < 1 Mio. Sprechern) im Grunde gefährdet seien, im Laufe des 22. Jahrhunderts auszusterben (Krauss 1992: 7).
.pdf  416368.pdf (Größe: 771,76 KB / Downloads: 3)

(26.03.2013 10:58:17)thf schrieb:  Und dann kommt die nächste Frage, nämlich, was bedeutet 'tot' bei Sprachen überhaupt? Da gibt es ja auch wieder verschiedene Auffassungen, bis hin zu der, dass Sprachen eben gar nicht sterben (z.B. weil Sprachen keine Lebewesen sind und die Metapher möglicherweise erschöpft ist).

Zu der ganzen Sache hatte ich im Sprachensterben-Thread schon mal was gepostet:
http://www.linguisten.de/Thread-Gegen-da...64#pid4864


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28.03.2013, 22:44:43
Beitrag #13
RE: Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
Einen kleinen Nachtrag zur Gefährdungsklassifikation will ich mir noch erlauben:
Friedrich Becker: Klassifikationen gefährdeter Sprachen – Bestimmung des Gefährdungsgrades einer Sprache. In Wohlgemuth / Dirksmeyer (Hrsgg.): Bedrohte Vielfalt. Aspekte des Sprach(en)tods / Aspects of language death. Berlin: Weissensee, 2005. S. 39-52.

.pdf  Becker.pdf (Größe: 158,63 KB / Downloads: 1)


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29.03.2013, 03:42:01
Beitrag #14
RE: Wer hat gesagt, dass alle 2 Wochen eine Sprache ausstirbt?
Hallöchen,
DANKE nochmal an alle Beteiligten und vor allem janwo für die Literaturtipps und Hochladen der Texte!

Habe meinen Artikel nun erfolgreich abschließen können, wen's interessiert. ^_^

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