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 » nicht erledigt Wunner wat

30.09.2012, 00:20:36
Beitrag #1
Wunner wat
Moin. Im Niederdeutschen und Norddeutschen gibt es die Formulierung: "Ik dink, wunner wat dat is." Gerade sehe ich, dass es das auch umgangssprachlich im Deutschen gibt. Eine Bedeutung wird auch angegeben.
Weiß aber jemand noch mehr darüber? Wie kam es etymologisch dazu? Vor allem wie ist das syntaktisch zu lösen? Als Substantiv ist es ja offensichtlich verblasst.
Danke und viele Grüße,
Kevin


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
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30.09.2012, 09:13:51
Beitrag #2
RE: Wunner wat
In Hermann Pauls Deutschen Wörterbuch wird es nur vage erklärt aber angelehnt an eine Konstruktion á la "es ist/sei ein Wunder was...". In meinen etymologischen WB ist die Konstruktion gar nicht aufgeführt.


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30.09.2012, 09:24:00
Beitrag #3
RE: Wunner wat
Kevin, auf geht's, würde ich sagen Big Grin

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30.09.2012, 18:16:07
Beitrag #4
RE: Wunner wat
Mich erinnert das an Anakoluth-Konstruktionen. Ich glaube, das ist es nicht richtig, aber vielleicht findet man in der Hinsicht was?

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01.10.2012, 10:31:12
Beitrag #5
RE: Wunner wat
Vielleicht lässt sich Wunner mit Woensdag verknüpfen? Dann dürfte hier jeder die Bedeutung kennen. Jedenfalls lässt sich es nicht nur am Woensdag mit Wonne gewohnt wunnerbar wohnen, wann immer. Entspräche das Wunner negativiert womöglich Wahnsinn? Auf wunnerbare Weise heilen zwar nicht alle, jedoch viele Wunden, wunderbar.

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01.10.2012, 11:28:11
Beitrag #6
RE: Wunner wat
(01.10.2012 10:31:12)Alarich schrieb:  Vielleicht lässt sich Wunner mit Woensdag verknüpfen? Dann dürfte hier jeder die Bedeutung kennen. Entspräche das negativiert womöglich Wahnsinn? Jedenfalls lässt sich es nicht nur am Woensdag gewohnt wunnerbar wohnen, wunderbar, wann immer.

Nein. Das ist völliger Unfug. Das haben wir Dir nun aber auch schon oft genug erklärt, dass wildes Assoziieren und Wortspielen außer gelegentlicher Belustigung nichts bringt. Lass es also bitte.

Niederdt. Wunner ist ganz klar mit hochdt. Wunder verwandt, sonst nix. Aber so weit waren wir ja mit Kevins Beitrag eingangs des Threads schon.


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01.10.2012, 13:09:18
Beitrag #7
RE: Wunner wat
Danke, Alarich, für den Ausflug in die Fantasie, aber nein... Ich denke damit hat es gar nichts zu tun. Zwinker

@thf: Den Ausdruck "Anakoluth" kannte ich noch gar nicht. Nach einigem Überlegen glaube ich aber, dass es damit nichts zu tun hat, das Wort scheint den Satz normal auszufüllen.

Meinem Sprachverständnis ist die Konstruktion verschiedentlich zu analysieren. Einmal als wörtliche Rede:
"Ich dachte: (Oh) Wunder, wie schnell sie fertig war."
Oh Wunder soll darauf hinweisen, dass es wie ein Ausruf ist. Man könnte auch von einer Ellipse ausgehen: Es ist ein Wunder, wie...

Es gibt aber auch Sätze wie:
"Vundaag wéér ik wedder Wunner wat gau." - Heute war ich wieder Wunder was schnell.
Im (Nord-)Deutschen sollte auch folgendes möglich sein:
"Er ist der Meinung, der Hund sei Wunder was dumm."

Ich kenne mich leider gar nicht mit der regionalen Verbreitung der Konstruktion aus und sowieso nicht mit anderen Dialekten. Ich würde aber glatt sagen, dass es zumindest Niederdeutsch angehaucht ist, weil ich im zweiten Falle das "was" als 1. "etwas" und 2. als Intensivierer identifizieren würde. (Im Niederdeutschen dient "wat" in Phrasen wie: "téémlich wat oold" - "ziemlich alt" als Intensivierer) Und wenn dem so ist, würde ich es als Adverb kategorisieren. Es lässt sich problemlos durch andere Adverbien wie "orrnlich" - "ordentlich", "téémlich" - "ziemlich", etc. austauschen.

Es gibt allerdings auch die Form "Wunders" / "Wunners". Das Wort stammt also wohlmöglich ursprünglich vom Genitiv des Worts "Wunder" ab. Und ab dieser Stelle verlassen sie mich, wie man solche Konstruktionen dann geschichtlich nachvollziehen kann.

Um zu den Anakoluth-Konstruktionen zurückzukommen:
Auf der niederdeutschen Wikipedia habe ich das Thema auch zur Diskussion gestellt, mit ebenfalls wenig Erfolg. Aber einer hat mich auf die Idee gebracht, dass es vielleicht doch Anakoluth-Konstruktionen sein könnten, zumindest in den Sätzen, die ich mit wörtlicher Rede erklärt habe. Und zwar könnten "Wunner" und "Wunners" auf die konjugierten Formen von "wunnern" / "wundern" zurückgehen: Ik wunner, du wunnerst (das "-t" wird in den meisten niederdeutschen Dialekten nicht mehr mitgesprochen.)
Dann könnte man es als ursprünglichen Satzumstieg bezeichnen: Ich dachte... ich wundere mich, wie schnell sie ist.
Dann müsste man aber auch von einem nichtreflexivem Verb "wunnern" ausgehen, das es zumindest in den Hauptdialekten des Niederdeutschen nicht mehr gibt. (aber as. "wundron*" - sich wundern)
"Ik dach... ik wunner, wat gau se is."
"Ik dach... du wunners(t), wat gau se is."
Das würde aber nicht mit den adverbialen Bedeutungen von "Wunner/Wunder" zusammenpassen.
Ich würde aber meinen wollen, dass beide Konstruktionen eine gemeinsame Erklärung haben.


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01.10.2012, 14:10:34
Beitrag #8
RE: Wunner wat
Entgegen manchem Wunsch zieht, wandelt und wendelt wohl nicht nur Freund Winter zeitweise sehr streng über die Erde, Ziemia → pl.

(01.10.2012 13:09:18)Kevin schrieb:  Danke, Alarich, für den Ausflug in die Fantasie, aber nein... Ich denke damit hat es gar nichts zu tun. Zwinker
Danke, ist auch von mir nur nett gemeint.
Bin wohl vielleicht etwas stärker beflügelt.
Sehr interessant, eure Ausführungen hier.

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01.10.2012, 18:07:10
Beitrag #9
RE: Wunner wat
(01.10.2012 13:09:18)Kevin schrieb:  Um zu den Anakoluth-Konstruktionen zurückzukommen:

,,,, Also für ein Anakoluth halte ich das nicht. Anakoluthe sind ja eher misslungene Satzbaupläne (zumindest in der Spontansprache) und insofern keine gewollten Konstruktionen. Sie werden eigentlich nicht Teil des phraseologischen Wortschatzes. Eine Verknappung / Ellipse, die hätte vielleicht eine Chance, lexikalisiert zu werden.


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02.10.2012, 14:24:42
Beitrag #10
RE: Wunner wat
(01.10.2012 18:07:10)janwo schrieb:  
(01.10.2012 13:09:18)Kevin schrieb:  Um zu den Anakoluth-Konstruktionen zurückzukommen:

,,,, Also für ein Anakoluth halte ich das nicht. Anakoluthe sind ja eher misslungene Satzbaupläne (zumindest in der Spontansprache) und insofern keine gewollten Konstruktionen. werden eigentlich nicht Teil des phraseologischen Wortschatzes. Eine Verknappung / Ellipse, die hätte vielleicht eine Chance, lexikalisiert zu werden.
Danke für die Erklärung Lächel
Ich hatte Kevins Beispiel als "ik dink: 'wunner wat dat is.'" interpretiert. Das hatte mich an Beispiele aus altnordischen Texten erinnert in denen "auf einmal der Satz in einem Zitat" weitergeht "und/oder endet" (ein richtiges Beispiel finde ich gerade nicht Traurig ).

Für diese Satzkonstruktionen wird öfter der Begriff Anakoluth gebraucht, allerdings hatte ich nicht dran gedacht, dass es da primär um Mündliches geht; die Verwendung in Texten ist ja quasi auch "konzeptionelle Mündlichkeit." Wobei man vielleicht Kevins Beispiel ebenfalls als eine Art "Selbstzitat" interpretieren könnte, dann könnte das evtl. hinhauen. Wie du aber ja auch schon meintest, Jan, ist das eher so eine Art Zustandbeschreibung für Sätze in denen irgendwas mit der Syntax etwas merkwürdig ist, ein Terminus, der eine gute Analyse erlaubt ist das eher nicht.

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