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[Gramm]: Grammatikographie, Sprachbeschreibung  » nicht erledigt adverbiale Adjektive & Interrogativadverbien

30.04.2014, 05:09:57
Beitrag #1
adverbiale Adjektive & Interrogativadverbien
Hallo

In dem Satz:
"Er fährt schnell."
ist schnell ein adverbiales Adjektiv.
Das ist für mich eine schlüssige Bezeichnung.

Nun habe ich aber gesehen, dass diese adverbialen Adjektive (oder: adverbial genutzten Adjektive) in verschiedenen Grammatik-Büchern unterschiedlich bezeichnet werden.
Je nach Grammatik wird schnell als adverbiales Adjektiv, Adjektivadverb, unechtes Adverb oder teilweise sogar als (echtes) Adverb bezeichnet.

Gibt es eine gängige Bezeichnung solcher adverbial genutzten Adjektive? Oder kann man eine für sich passende Bezeichnung heraus-picken?
Welche Bezeichnung würdet ihr benutzen?


Dann möchte ich noch eine Frage hinterherschieben:
Normalerweise ist das Wort warum ein Interrogativadverb; z.B.: "Warum gehst du so schnell?"
Warum kann aber auch anders eingesetzt werden.
Beispielsweise:
"Es gibt einen Grund, warum man das tun sollte."

Ist warum im letzen genannten Beispielsatz auch ein Interrogativadverb, obwohl es dort nicht als Fragewort eingesetzt wird?


Danke für alle netten und hilfreichen Antworten.


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30.04.2014, 10:47:47
Beitrag #2
RE: adverbiale Adjektive & Interrogativadverbien
(30.04.2014 05:09:57)Sf6 schrieb:  "Er fährt schnell."
ist schnell ein adverbiales Adjektiv.
Das ist für mich eine schlüssige Bezeichnung.(...)
Welche Bezeichnung würdet ihr benutzen?
Ich finde die von dir genannte Bezeichnung auch am passendsten, schon um Adjektive in attributivem, adverbialem und prädikativem Gebrauch differenzieren zu können.
vgl. meinen auf Englisch verfassten Beitrag in einem anderen Forum.
(30.04.2014 05:09:57)Sf6 schrieb:  Normalerweise ist das Wort warum ein Interrogativadverb; z.B.: "Warum gehst du so schnell?"
Warum kann aber auch anders eingesetzt werden.
Beispielsweise:
"Es gibt einen Grund, warum man das tun sollte."

Ist warum im letzen genannten Beispielsatz auch ein Interrogativadverb, obwohl es dort nicht als Fragewort eingesetzt wird?
Nein, hier handelt es sich um ein Relativadverb.
Man könnte stattdessen ja auch sagen:
Es gibt einen Grund, aus dem (heraus) man das tun sollte.


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01.05.2014, 10:50:00
Beitrag #3
RE: adverbiale Adjektive & Interrogativadverbien
@Gernot Back:
Erstmal danke für deine hilfreiche Antwort!

Jetzt tun sich aber neue Fragen bei mir auf.
Kurz zum Hintergrund:
Ich muss demnächst jemandem (laienmäßig) die Wortart Adverb erklären.
Mein Erklärungs-Konzept ist fertig und ich bin damit zufrieden.

In den meisten meiner Beispiele bezieht sich das Adverb auf ein Verb und beschreibt dieses näher.
Da Adverbien sich aber auch z.B. auf andere Nomen, Adjektive, Adverbien beziehen können, möchte ich das auch noch kurz erwähnen und habe deshalb folgende Beispiele dafür eingeplant (Adverbien sind unterstrichen):

Adverb in Kombi mit Adjektiv: Der Baum hat besonders lange Äste.
Adverb in Kombi mit Nomen: Das Kind dort ....
Adverb in Kombi mit anderem Adverb (bald): Sie kommt sehr bald.


Jetzt hab ich mich diesbezüglich noch ein wenig im Internet herumgetrieben und etwas gefunden, was die Richtigkeit zumindest einer meiner Beispiele falsch erscheinen lässt.
sehr wurde dort nicht als Adverb, sondern als Intensivierungspartikel (?oder so ähnlich?) dargestellt. Ich hab die Website leider nicht mehr parat, aber sinngemäß wurde dort wie folgt argumentiert:
Bei: Sie mag ihn sehr bezieht sich sehr auf mögen und ist somit ein Adverb
hingegen bei: Sie kommt sehr bald intensiviert sehr lediglich das Wort bald und ist nicht als Adverb, sondern als Partikel anzusehen.


Könnt ihr mir bitte sagen, ob meine o.a. drei Beispielsätze korrekt sind; also ob es sich bei den unterstrichenen Wörtern tatsächlich um Adverbien in Verbindung mit jeweils Adjektiv, Nomen, Adverb handelt!?
Und was es mit diesem sehr auf sich hat?


Und wo ich schon dabei bin:
Als kurze Einleitung meiner Erläuterung möchte ich knapp erläutern, was Adverbien überhaupt sind.
Also: dass Adverbien Wörter sind, die Aussagen oder andere Wörter näher beschrieben.

Ist das so korrekt und kann ich das so sagen?


Sorry, wenn das alles etwas verwirrt klingt. An sich dachte ich, dass ich das Thema gut im Griff hätte; aber je mehr ich darüber lese, desto mehr Fragen und Unklarheiten tun sich plötzlich auf.

Wäre nett, wenn mir jemand hilft, die letzten Nebelschwaden bezüglich der Adverbien zu vertreiben.

Danke und Grüße.


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01.05.2014, 12:40:47
Beitrag #4
RE: adverbiale Adjektive & Interrogativadverbien
Hey,

das Thema der Adverbien ist ein riesiger Sumpf, wo jeder eine andere Theorie zu hat.
Grundlegend werden Adverbien durch drei Faktoren unterschieden: Wortart, Interpretation und Verwendung.
Bei dem Faktor Wortart handelt es sich um Adverbien, die in der Regel nicht vom Verb als Argument (und somit zu Objekten werden) verlangt werden, sondern eher weitere Informationen zur Handlung liefern: Zeit (heute, morgen, nie); Ort (hier, dort) ...

Verwendung: Es gibt andere Wortarten, die adverbial gebraucht werden. Als Paradebeispiel gelten Adjektive wie schnell in "Das Auto fährt schnell."
Es gibt aber auch Adverbien, die als Partikel verwendet werden: Im oberen Beispiel "Das Kind dort.." ist es nicht das Adverb der Lokalität, sondern eher eine Fokuspartikel, die ein bestimmtes Kind in den Vordergrund rückt.

Interpretation: In der Regel unterscheidet man zwischen zwei großen Gruppen: Propositionsbezogene Adverbien, die sich in der Regel auf den ganzen Satz beziehen und Ereignisbezogene Adverbien, die sich auf die Handlung des Verb beziehen.

Beispiel: Leider lesen Studierende ungern Texte. => Leider ist ein Adverb, das die Haltung des Sprechers ausdrückt und bezieht sich auf die ganze Aussage des Satzes. Das Adverb ungern hingegen beschreibt die Einstellung des Subjekts zum Sachverhalt. Ist also auf die Handlung lesen bezogen.

Auch Sätze wie "Die Katze springt sicher sicher vom Baum" zeigen, dass es hier zwei Interpretationen von sicher gibt: 1. Ich als Sprecher bin mir sicher, dass die Katze gleich springt. = Satzbezogen 2. Die Katze springt auf eine sichere Art und Weise (weil sie das kann). = Eventbezogen. Man könnte diese noch klarer modifizieren in sicherlich und sichererweise, wenn man die Ambiguität umgehen möchte.

Diese beiden Gruppen kann man nun beliebig aufspalten, je nach dem was man da interpretieren und beschreiben möchte. So kommen dann Bezeichnungen wie Relativadverb, Diskursadverb, Objektorientiertes Adverb, ... (bspw. Bei Cinque 1998 bis zu 30 Klassen)

Was Adverbien aus der syntaktischen Perspektive so besonders macht, ist das Fehlen von grammatischen Merkmalen (Kasus, Genus, Numerus). Im Vergleich zu den Objekten sind sie wesentlich freier in ihrer Bewegung im Satz und auch der Kombinierbarkeit miteinander. Auch die Tatsache, dass Adverbien in der Regel ausgelassen werden können, ohne dass der Satz ungrammatisch wird, ist eine Eigenschaft dieser Gruppe.
Man findet hierzu unzählige Literatur: Diverse Modelle mit unterschiedlichen Schwerpunkten (semantisch, syntaktisch, prosodisch) So wirklich erschöpft ist das Thema also noch nicht.

Am einfachsten ist, wenn man alles als Adverb bezeichnet, was in die anderen Kategorien nicht passen will Zwinker

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01.05.2014, 12:59:14
Beitrag #5
RE: adverbiale Adjektive & Interrogativadverbien
(01.05.2014 12:40:47)Anna K. schrieb:  Am einfachsten ist, wenn man alles als Adverb bezeichnet, was in die anderen Kategorien nicht passen will Zwinker

Jop, genauso wirds im Unibetrieb auch gemacht. Lächel


Math puns are the first sine of madness.
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01.05.2014, 16:20:06
Beitrag #6
RE: adverbiale Adjektive & Interrogativadverbien
(01.05.2014 10:50:00)Sf6 schrieb:  
  1. Adverb in Kombi mit Adjektiv: Der Baum hat besonders lange Äste.
  2. Adverb in Kombi mit Nomen: Das Kind dort ....
  3. Adverb in Kombi mit anderem Adverb (bald): Sie kommt sehr bald.

Jetzt hab ich mich diesbezüglich noch ein wenig im Internet herumgetrieben und etwas gefunden, was die Richtigkeit zumindest einer meiner Beispiele falsch erscheinen lässt.
sehr wurde dort nicht als Adverb, sondern als Intensivierungspartikel (?oder so ähnlich?) dargestellt.

Ich habe mir mal erlaubt, in deinem Zitat noch Nummern vor die Beispielsätze zu setzen.
Was dir da als Intensivierungspartikel vorgestellt wurde, kenne ich unter der Bezeichnung Gradadverb und ich würde da bei 1.) und 3.) auch gar nicht danach unterscheiden, ob es sich auf ein anderes Adverbial oder ein Attribut bezieht. Ich verwende hier bewusst die funktionalen Ausdrücke Adverbial und Attribut und nicht die formalen, eine Wortart beschreibenden Kategorien Adverb und Adjektiv.
In deinem Beispiel 2.) ist dort übrigens der Wortart nach ein Adverb, fungiert aber als Attribut, um das Kind von einem anderen möglichen Kind zu unterscheiden:

Das Kind dort vs. das Kind hier

Hier macht ein Adverb nichts anderes als sonst ein Adjektiv, Partizip oder ein Relativsatz die attributiv verwendet werden.
  1. Das kleine Kind vs. das große Kind
  2. Das sitzende Kind vs. das liegende Kind
  3. Das Kind, das hier sitzt vs. das Kind, das dort sitzt
  4. Das Kind in deiner Nähe vs. das Kind in größerer Entfernung von dir.

Das alles sind Attribute; einfache adjektivische, partizipiale, adverbiale Attribute oder komplexe Attribute, die gleich aus einem ganzen Nebensatz bzw. Präpositionalphrasen bestehen.
So wie die Wortart Adjektiv einmal als Attribut, dann als Prädikativum und dann wieder als Adverbial zum Einsatz kommen kann, ist es also umgekehrt auch möglich, dass ein Adverb nicht nur als Adverbial, sondern auch als Attribut fungieren kann. Man muss also immer zwischen der Form auf der einen und der Funktion auf der anderen Seite unterscheiden.

(01.05.2014 10:50:00)Sf6 schrieb:  Ich hab die Website leider nicht mehr parat, aber sinngemäß wurde dort wie folgt argumentiert:
Bei: Sie mag ihn sehr bezieht sich sehr auf mögen und ist somit ein Adverb
hingegen bei: Sie kommt sehr bald intensiviert sehr lediglich das Wort bald und ist nicht als Adverb, sondern als Partikel anzusehen.

Ehrlich gesagt halte ich diese Unterscheidung für künstlich. Warum sollten nicht flektierbare Wörter, deren Schwerpunkt anders als bei Konjunktionen und Präpositionen nicht auf ihrer syntaktischen Funktion liegt, sondern auf ihrer semantischen noch einmal in Partikeln und Adverbien unterschieden werden?
Ich kenne das wie gesagt als Gradadverb


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03.05.2014, 19:08:52
Beitrag #7
RE: adverbiale Adjektive & Interrogativadverbien
Dann sage ich an dieser Stelle erstmal: vielen Dank an alle für die sehr hilfreichen und teils auch sehr ausführlichen Antworten.
Danke für eure Mühe; das hat mir sehr geholfen, einiges klarer zu sehen.


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