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 » nicht erledigt"freien" - eine Frau nehmen

02.12.2013, 13:33:18,
Beitrag #1
"freien" - eine Frau nehmen
Moin,
angestoßen daher, dass ich heute in einem niederdeutschen Text das Wort "freen" in der Bedeutung für "heiraten" gesehen habe, wollte ich die Etymologie dazu herausfinden. Kluge sagt, dass es altsächsischen Ursprunges ist und sich von "frī" - 'Frau' ableitet und durch Luther (& Lessing) in das Hochdeutsche Eingang gefunden hat. Wiktionary nennt zwei Theorien: 1. die obige aus Kluge und 2. die Abstammung von "frīhon, friohon" - 'lieben, schätzen'. (Letzteres wäre dann freilich auch mit dem got. "frijōn" - 'lieben' verwandt.)
Wenn man aber nun bei anderen Quellen (dazu auch unseriöse Online-Quellen) schaut, findet man nicht selten die Ableitung von der Göttin Freya.
Gibt es nun beide Herleitungstheorien oder ist eine auszuschließen? Und wie sieht es aus mit "frīhon/frī"; kann man da genauer sagen, was wahrscheinlicher ist?
Vielen Dank und viele Grüße,
Kevin


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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02.12.2013, 15:27:14,
Beitrag #2
RE: "freien" - eine Frau nehmen
Mehr als einen Auszug aus einem weiteren Wörterbuch posten kann ich dir zu diesem Thema auch nicht. Allerdings scheint, zumindest für Grimm die Zuordnung zu einer eindeutigen etymologischen Quelle nicht einfach:

Zitat:freien , matrimonium inire. es ist nicht leicht, dies verbum von dem vorhergehenden, mit welchem es höher aufwärts verwandt sein musz, gehörig abzusondern. das goth. frijôn ist φιλεῖν, ἀγαπᾶν, wozu ags. freogan Beov. 1889. 6346. freon Cœdm. 136, 15, alts. friehan Hel. 43, 17 nicht genau stimmt. das part. praes. frijônds bedeutet amicus, ags. freond, alts. friund, ahd. friunt, welches letztere ein volleres frîônti, also den inf. frîôn = frigôn voraussetzt. frijôn, freogan, frigôn, mahnend an frei und frech, berühren sich zugleich mit fraihnan, frëgnan (sp. 49), wie lat. precari mit rogare und procus, der freier procans ist ein precans, nuptiarum petitor, ahd. pital, altn. biðill, folglich kann frijôn als appetere, begehren gefaszt werden. frijôn frijôda, amare, nubere würde, wie schon vorhin angedeutet ist, abstehen von frijan frijaida liberare, aber freis frijis grenzt unmittelbar an frijôn, wie līber an lĭbet, lŭbet und unser lieben. skr. prî amare.
freien, in bezug auf heirat und brautwerbung, scheint gleichwol unhochdeutsch und klingt noch heute der oberdeutschen volksprache unheimisch (Schm. 1, 610), die Zürcher bibel setzt an die stelle des lutherschen freien: zu der ee nemen, zu der ee greifen, gerade wie die ahd. version bei Tatian quënûn halôn, leitan, nëman. kein mhd. vrîen in diesem sinn ist aus der reinen sprache aufzuweisen, es stöszt zuerst im passional 27, 36 K. auf:

wiʒʒe, daʒ Lucîen
ein ander nu wil vrîen,
ein brûtegoum dër ist rîch
und dir an êren ungelîch,
den wil sie zu vriedele haben.

im Kartmeinet hätte der häufige reim auf Galîen ein solches vrîen herbeiführen sollen, es ist uns offenbar aus dem nd. oder nl. zugebracht worden. Herbort 12796 hat Diomedis frîe (oder frîge : amîge) für die liebe zu Diomedes. nnl. wird vrijen heiraten von vrijden liberare gesondert. nhd. ist im 16 jh. schon vor und seit Luther freien in gebrauch, sowol von der frau für nubere, als von dem mann für uxorem ducere: lasz sie (die töchter Zelaphehad) freien, wie es inen gefelt, allein das sie freien unter dem geschlecht des stams irs vaters.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis: Leipzig 1971. Online-Version vom 02.12.2013.


Math puns are the first sine of madness.
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02.12.2013, 21:10:59,
Beitrag #3
RE: "freien" - eine Frau nehmen
Ich glaube nicht, dass das wirklich wortbiographisch zusammenhängt. Alle deutschen WB mit etymologischen Angaben, die ich konsultiert habe (Kluge; Pfeifer; Paul; Grimm; Weigand) lehnen freien usw. an die ursprüngl. Bedeutung 'lieb' an. Von der nordischen Gottheit ist nie die Rede.

Ich habe daher mal bei de Vries, Jan: Altnordisches Etymologisches Wörterbuch (Leiden: Brill, 1962) nachgesehen und die Seiten mit den relevanten Einträgen
Freyja, f. 'herrin, frau, name einer göttin'
Freyr m. 'name eines gottes'
fria schw. V. 'befreien'
frjá schw. V. 'lieben'
frú, frúa, f. 'frau, eheweib'
eingescannt:
.pdf  deVries1962.pdf (Größe: 1,42 MB / Downloads: 3)

Also, die nordischen Verben zum Thema gehen auf (west)germanische Einflüsse zurück, die Gottheiten sind urnordisch und letztlich analog zu anderen indogermanischen Wörtern mit der Bedeutung 'erster' o.ä.


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