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 » nicht erledigt 1.001 Leute

07.07.2015, 15:23:11
Beitrag #1
1.001 Leute
Hallo,
das mag vielleicht etwas peinlich und dumm sein, aber wie spricht man '1.001 Leute' aus? Z. B. in 'Bei den Aufräumarbeiten haben 1.001 Leute mitgeholfen.'
Meine Mitbewohnerin und ich sind uns gerade stark unsicher und zweifeln an unserem Deutsch. Spricht man es 'tausend und eins Leute' oder 'tausend und ein Leute' oder wie aus? Das klingt alles ziemlich komisch für meine Ohren.
Viele Grüße,
Kevin


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
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07.07.2015, 18:12:05
Beitrag #2
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Nach meinem Sprachgefühl klingt "tausend und eins" besser. So würde man es ja ohne "Leute" auch sagen. tausend und ein würde ich weder mit Leute noch ohne sagen. Aber das jetzt nicht sehr wissenschaftlich, nur vom Gefühl. ^^


Hier könnte reger's Signatur stehen...
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07.07.2015, 18:38:20
Beitrag #3
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Meine erste Bauchgefühlanwort: "Tausendundein Leute"
(übrigens stets zusammen geschrieben)

Und dann mal mit etwas Nachblättern:
Das Problem ist, dass es keinen Singular von Leute gibt und hier ein Singular stehen müsste (vgl. Tausendundeine Nacht), wenn man die Verknappung tausendundein(e/s) verwendet.
Laut IDS-Grmmatik ist es dann auch so, dass nur die Form Hundertundein, Tausendundein (ohne -s) steht, wenn die Formen als Nomina behandelt werden. Das ist in Eurem Beispiel aber nicht der Fall.
Für das Zahlwort kann man ansonsten ja auch unverknappt eintausendundeins sagen.

Das hilft uns jetzt aber nicht weiter, weil hier immer noch der Konflikt besteht zwischen der durch ein(s) ausgelösten Singularkongruenz und der von der Semantik geforderten Pluralkongruenz. Die Dudengrammatik sagt dazu:
Dudengrammatik §455 schrieb:Wenn ein der letzte Bestandteil einer zusammengesetzten Zahl ist, besteht traditionell zwei Möglichkeiten: (a) Der Bestandteil ein wird flektiert, das Substantiv steht im Singular; (b) der Bestandteil ein bleibt unflektiert, das Substantiv steht im Plural. [ ... ]
Wenn die Flexion von ein ohnehin nur endungslose Formen vorsieht (→448), ist Singular oder Plural korrekt (c):
c) Tausendundein Grund [ ... ]
Daneben wird aber die Form auf -eins immer gebräuchlicher: [ ... ]

Da es keinen Singular von Leute gibt, müsste man, wenn man Singular verwenden will, Mensch nehmen. Das ist maskulin und fällt daher unter die Regel (c): Tausendundein MenschTausendundein Menschen und dann in Analogie dazu Tausendundein Leute.

Die Form mit -s käme mir persönlich komisch vor, auch wenn sie laut Dudengrammatik gebräuchlich am werden ist.

Aber das mag auch daran liegen, dass ich intuitiv einen Singular *der Leut bilden würde, nicht *das Leut.


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08.07.2015, 06:17:49
Beitrag #4
RE: 1.001 Leute
(07.07.2015 18:12:05)reger schrieb:  Nach meinem Sprachgefühl klingt "tausend und eins" besser.


(07.07.2015 18:38:20)janwo schrieb:  Meine erste Bauchgefühlanwort: "Tausendundein Leute"
(übrigens stets zusammen geschrieben)

Ob das regional bedingt ist? "Eintausendundein Leute" klingt für mich ebenso besser (auch wenn solche Erklärungen immer wenig aussagekräftig sind, aber janwo hat den Part mit den Grammatiken ja schon übernommen.

Gerade @Kevin könnte sich ja retten, indem er "een dusend un een lüüd" sagt. Da stellt sich das Problem nicht Big Grin


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08.07.2015, 11:49:26
Beitrag #5
RE: 1.001 Leute
Wieso? Ist lüüd kein plurale tantum?


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08.07.2015, 12:23:55
Beitrag #6
RE: 1.001 Leute
Vielen Dank für die Ausführungen. Also 'tausenduneins Leute' kommt mir auch komisch vor und hört sich ungrammatisch für mich an. Ich würde den theoretischen Singular von Leute auch eher als männlich sehen.
In dem Moment, wo ich abgeschickt hatte, dachte ich halt auch, dass eigentlich eher der Singular da hingehört. Aber semantisch muss es ja möglich sein mit 'Leute', wieso nicht auch syntaktisch Zwinker

'eendusenduneen Lüüd' wäre in der Tat einfacher. 'Lüüd' ist zwar ein Pluraletantum, aber die Form 'een' ist in den meisten heutigen Dialekten komplett unflektiert. Auch die Zahl 'eins' ist 'een'. Daher stellt sich da gar nicht die Frage, worauf 'een' ausgehen würden.


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08.07.2015, 12:36:30
Beitrag #7
RE: 1.001 Leute
Aber dann bleibt auch im Niederdeutschen doch der semantische Konflikt zwischen dem den Singular fordernden Zahlwort und dem im Plural stehenden Bezugsnomen.


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08.07.2015, 14:37:09
Beitrag #8
RE: 1.001 Leute
Aber steht nicht in deinem Zitat aus der Grammatik, dass nach Möglichkeit (b) auch der Plural mit dem unflektierten Zahlwort stehen kann? Oder lese ich das falsch?


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08.07.2015, 17:34:47
Beitrag #9
RE: 1.001 Leute
Ja. Aber dass es das darf heißt ja nicht, dass es sich nicht dennoch komisch anhört wegen des Numeruskonflikts.


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08.07.2015, 18:17:38
Beitrag #10
RE: 1.001 Leute
Hmm okay. Also ich muss sagen, dass das niedersächsische Beispiel mir gar nicht aufstößt, weder syntaktisch noch semantisch. Das deutsche Dilemma kommt ja daher, dass das Zahlwort 'eins' keine Pluralflektion zulässt (wieso auch, außer hier). Das Dilemma herrscht im Niedersächsischen ja nicht, da es keine Flektion für Zahlen gibt. Ich würde daher sogar fast sagen, dass in solchen Konstruktionen auch Plurale regelkonform möglich sind. Entgegen zum Deutschen kann ich mir in Formulierungen wie sevenhunnerduneen Bööm/Boom, Hüüs/Huus, Bargen/Bargen beides vorstellen und würde sogar eher zum Plural tendieren.

Semantisch ist es in beiden Fällen möglich, das ist klar, syntaktisch ist das Problem die nötige Kongruenz und die fehlende Pluralflektion für 'eins'. (Das gleiche hätte man wohl auch bei Bruchzahlen, die auf 'eins' ausgehen.) Liegt nur darin der Grund, dass im Deutschen ein Singular nach Möglichkeit dahinter müsste oder gibt es noch einen anderen Grund? Semantisch sind ja Pluraletantums möglich mit mehrstelligen Zahlen auf eins. Wenn man nicht folgende Sätze bilden kann, hätte das Deutsche eine Lücke im Sprachsystem: 'Ich hatte einen abgefahrenen Traum, wo ich über einhunderdundein Alpen geflogen bin und dann habe ich die zweihundertundein Daten der Vorschläge für die einhundertundein Ferien ausgearbeitet.'

Und wie verhält es sich mit dem bestimmten Artikel davor? Sagt man dann echt 'der tausendundeine Räuber'?


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08.07.2015, 19:24:31
Beitrag #11
RE: 1.001 Leute
(08.07.2015 18:17:38)Kevin schrieb:  Und wie verhält es sich mit dem bestimmten Artikel davor? Sagt man dann echt 'der tausendundeine Räuber'?

Dazu kommt mir als erstes der eintausendunderste Räuber in den Sinn.


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08.07.2015, 20:03:18
Beitrag #12
RE: 1.001 Leute
Hmm, aber ich glaube, ich meinte etwas anderes. Zum Beispiel wenn ich sagen will: 'Meinst du diese tausendundein Räuber oder jene?' (Oder halt: Meinst du diesen tausendundeinen Räuber oder jenen?') [Obwohl ich im Nachhinein das ganz unterschwellige und nicht in Worte fassbares Gefühl habe, dass zwischen den beiden Sätzen sogar ein Bedeutungsunterschied sein könnte?]

Wie verhält es sich denn in anderen Sprachen, zum Beispiel den romanischen? Ich schätze mal, dass überall der Singular als Normalform gilt. Aber wie ist es da mit den Pluraletantums?


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14.08.2015, 16:27:21
Beitrag #13
RE: 1.001 Leute
Jetzt steh ich mal auf dem sprachlichen Schlauch. Wie drücke ich '75 Minuten' in Stundenbruchteilen aus? Eineinviertel Stunde? Eineinviertel Stunden? Help


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14.08.2015, 16:34:48
Beitrag #14
RE: 1.001 Leute
Ich glaube, intuitiv hätte ich das erste gewählt. Bei Google ist allerdings Variante 2 fast 11 mal so häufig.

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15.08.2015, 02:04:44
Beitrag #15
RE: 1.001 Leute
Ich denke, dass zumindest mit "andert-" die erste Variante/der Singular korrekt wäre, weil es dann ja "das zweite/nächste Viertel eines Vollen" bezeichnet, was Singular wäre. Mit "einein-" würde ich persönlich selbst wohl den Plural benutzen und ich glaube auch die meisten, die ich kenne. Die meisten dröseln das semantisch auf und alles über 1 ist ergo mehr als eins, was über den Singular hinaus in den Plural geht. Ich könnte mir die 1. Variante auch kaum in einem Satz vorstellen: "Ich habe eineinviertel Stunde gewartet." Ich würde immer zum Plural neigen.
Ich könnte mir auch nicht vorstellen, dass man "1,25 Stunde" sondern "1,25 Stunden" sagen würde, ähnlich würde ich es bei Bruchteilen halten.

Ganz was andres: Wie oft ist euch schon der Singular zu "Leute" - "Leut" vorgekommen? Ich habe das schon einige Male gehört. Zwar war es meistens noch etwas markiert als eine ad-hoc-Wortschöpfung, aber diese Markierung wird immer weniger und ich kenne das Wort merkwürdigerweise auch aus eher höheren Registern als "volksnahen".


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