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[Allg]: Allgemeines, Linguistik als Disziplin  » nicht erledigt Gegen das Sprachensterben!

21.01.2012, 17:13:25
Beitrag #16
RE: Gegen das Sprachensterben!
(21.01.2012 13:32:24)AlexderFranke schrieb:  Wir müssen verhindern, daß so etwas wie vor 1.500 Jahren in Westeuropa sich woanders in der Welt wiederholt.

Wir hätten verhindern müssen.
Das passiert(e) doch ständig unter unseren Augen, überall in der von Europa aus kolonisierten Welt.


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21.01.2012, 22:33:07
Beitrag #17
RE: Gegen das Sprachensterben!
Noch ist in der von Europa unterworfenen Welt kaum etwas endgültig verloren. Die meisten Eingeborenen-Sprachen sind nicht spurlos verschwunden. Es ist meist wenige Jahrzehnte her, daß eine Sprache ausgestorben ist. Entweder die Sprache wird noch von einer Handvoll Menschen gesprochen oder es gibt irgendwelche schriftliche Aufzeichnungen, anhand derer man sie wieder beleben kann. Das heißt nicht, daß mehr schriftliche Aufzeichnungen möglich gewesen wären und viel Zeit verschlafen worden ist. Ein tragisches Beispiel für Verlust mit wenig Überbleibseln ist Tasmanien. Es muß verhindert werden, daß die letzten Sprecher von Sprachen sterben, bevor sie ihr Wissen nicht (teilweise) an jüngere Leute weitergegeben haben oder die Zeit der Unterbrechung des Gebrauchs bei anderen Sprachen immer größer wird, bis die Neubelebung in Angriff genommen wird.

In der vereuropäischten Welt hat in den letzten Jahrzehnten ein gewisser Sinneswandel stattgefunden. Teile der europäischen Bevölkerung müssen einfach davon überzeugt werden, daß sie als Neuankömmlinge das eingeborene Erbe als Einwohner des Landes auch ihr Erbe ist. Die Aneignung wäre eine Möglichkeit, die Eigenheit eines Gebietes zu unterstreichen. In Gebieten mit hohen Anteilen von Eingeborenen wäre ich für Pflichtunterricht der heimischen Sprache für alle und der Wahlmöglichkeit für alle Schüler in anderen Gebieten.

In Irland hat die Gälische Liga doch für eine Anknüpfung an altes Erbe gesorgt. Die Vermittlung der irischen Sprache an alle Schüler sorgt dafür, daß sie nicht nur von einer winzigen Minderheit in abgelegenen Gebieten allein getragen wird. Zweifelsohne könnte viel mehr noch erreicht werden, wenn strenger über die Ergebnisse des Unterrichts gewacht würde. Nach rund 12 Jahren Unterricht müßte eigentlich jeder Schulabgänger fließend Irisch beherrschen. Ohne die Gründung der Gälischen Liga sähe es wohl sehr düster aus. Ohne die Diwan-Bewegung in der Bretagne sähe es wohl heute noch düsterer dort aus mit dem Bretonischen.


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22.01.2012, 10:52:53
Beitrag #18
RE: Gegen das Sprachensterben!
(21.01.2012 22:33:07)AlexderFranke schrieb:  Noch ist in der von Europa unterworfenen Welt kaum etwas endgültig verloren. Die meisten Eingeborenen-Sprachen sind nicht spurlos verschwunden.

Wo hast Du denn diese "Information" her? Von vielen Sprachen Südamerikas und Australiens wissen wir kaum mehr als dass es sie mal gegeben haben muss — und das auch nur anhannd der Namen, die ihnen Nachbarvölker gegeben haben.
Vor der europäischen Eroberung hat es in Australien vermutlich an die 250 bis 300 Sprachen gegeben. Nur 10% davon sind heute noch wirklich vital. Der überwiegende Anteil ist entweder moribund (mit bestenfalls noch einem Halbdutzend Sprechern die allesamt im achten Lebensjahrzehnt oder älter sind) oder bereits ausgelöscht. Schriftliche Dokumentation gibt es hier oft nicht, zumindest nicht in einem Umfang, der auch nur Ansätze einer Wiederbelebung erlauben würde. Denn dafür bräuchte man mehr als eine Liste mit ein paar amateurhaft transkribierten Vokabeln. Und das ist leider das einzige, was uns von vielen dieser Sprachen überliefert ist.


(21.01.2012 22:33:07)AlexderFranke schrieb:  In der vereuropäischten Welt hat in den letzten Jahrzehnten ein gewisser Sinneswandel stattgefunden. Teile der europäischen Bevölkerung müssen einfach davon überzeugt werden, daß sie als Neuankömmlinge das eingeborene Erbe als Einwohner des Landes auch ihr Erbe ist.

Naja. Wie aussichtsreich ist das denn? In Australien haben die Weißen lange genug den Aboriginals eingetrichtert, dass sie (die Aboriginals) nutzlose primitive Wilde seine, die keiner sinnvollen menschlichen Sprache mächtig seien. Nach ein paar hundert Jahren derartiger Indoktrination glauben die es irgendwann auch selbst. Und der besagte Sinneswandel ist längst nicht umfassend genug. Ein paar halbherzige Entschuldigungen im Parlament, ein paar symbolische Akte, vielleicht auch etwas Bargeld. das war's. Aktionen wie diese hier (über die wir vorhin getwittert haben) sind leider immer noch viel zu selten. Egal in welchem Erdteil.

Sicher, viele Völker besinnen sich auf ihre eigene Sprache und Kultur und entwickeln ein wundervolles neues Selbstbewusstsein. Aber, so bedauerlich ich selbst es finde, ich fürchte, das ist dennoch kein Anlass für Optimismus. Für viele Sprachen und Kulturen, die heute in den letzten Zügen liegen, kommt jede Mühe zu spät. Hier können wir leider nur noch versuchen, so grüdlich wie möglich zu dokumentieren, was noch da ist, damit diese Information wenigstens nicht so spurlos verschwidet, wie die in den Jahrhunderten zuvor.


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22.01.2012, 13:40:45
Beitrag #19
RE: Gegen das Sprachensterben!
(19.01.2012 22:47:44)Privileg schrieb:  Es ist sehr schwer Menschen dazu zu bringen eine Sprache zu lernen. Vielleicht ist ihnen Geld dafür zu geben doch die beste Lösung. Ich würde mich daran auch beteiligen.
Da wäre es eher sinnvoller, bereits bestehende Bestrebungen zu unterstützen:
z.B.
http://www.uni-koeln.de/gbs/
http://www.mpi.nl/DOBES
(oder meinet wegen auch http://www.sil.org/ wenn man deren Ziele vertreten
kann)

Abgesehen von den soziokulturellen Aspekten und aller Empathie und Sympathie, auf die hier ja schon eingegangen wurde, ist es für eine Sprachwissenschaft, die um eine breite empirische Grundlage ihrer Befunde bemüht ist , allein schon aus wissenschaftlich-rationalen Gründen zutiefst bedauerlich, wenn gewissemaßen
die Datenbasis "unter den Händen" wegstirbt.

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22.01.2012, 14:34:13
Beitrag #20
RE: Gegen das Sprachensterben!
DoBeS wird ja von der Volkswagenstiftung finanziert. Ich glaube, denen ist ums Geld vorerst nicht bange. Dasselbe gilt für das The Hans Rausing Endangered Languages Project.
SIL ist eine fundamentalprotestantische Missionsorganisation mit einer guten Akademikermaske vor dem Gesicht. Aber auch die haben Geld genug.

Sinnvoll spenden kann man an die hier:


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22.01.2012, 14:41:46
Beitrag #21
RE: Gegen das Sprachensterben!
Du hast Recht, DoBeS ist ganz gut finanziert, mir fiel das neben
der Gesellschaft für bedrohte Sprachen als erstes ein, weil das
an dem Institut, an dem ich studiere recht präsent ist.

(22.01.2012 14:34:13)janwo schrieb:  Sinnvoll spenden kann man an die hier:
[...]
Das ist doch eine gute Liste, danke dir. Wobei unterstützen ja nicht
zwangsweise spenden heißen muss Zwinker

(22.01.2012 14:34:13)janwo schrieb:  SIL ist eine fundamentalprotestantische Missionsorganisation mit einer guten Akademikermaske vor dem Gesicht. Aber auch die haben Geld genug.
Hatte das extra nicht so drastisch ausgedrückt, um nicht die nächste Diskussion
vom Zaun zu brechen, aber ich teile deine Auffassung. Leider ändert das nichts
daran, dass die relativ umtriebig sind.

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22.01.2012, 15:51:25
Beitrag #22
RE: Gegen das Sprachensterben!
Wenn Sprachwissenschaftler in den letzten 50 Jahren weniger Zeit verschlafen hatten, könnte es heute in den vereuropäischten Ländern mit eingeborenen Sprachen besser aussehen und weniger verlorengegangen sein.

Überall dort, wo nur ein paar Sprecher übrig sind, kann etwas aufgezeichnet werden. Und dazu sollten die Sprecher davon überzeugt werden, daß sie ihre Kenntnisse an junge Menschen des Volkes weitergeben, bevor sie sterben.

Die evangelikalen Vereine erzeugen gespaltend Meinungsbilder. Auch Erzählen von seinem Glauben ist ein Menschenrecht, wenn nicht zu Unterdrückung und Gewalt aufgerufen wird oder mit unlauteren Mitteln gearbeitet wird. Das SIL hat gewiß ein Anliegen für das sprachliche Erbe. Aber dessen Träger sind eben Evangelikale und wollen gleichzeitig von ihrem Glauben erzählen. Jene können wohl nicht Vereine mittragen, wo das Erzählen vom Glauben womöglich verboten ist. Wenn sie für Unterstützung werben, sollten sie aber mit offenen Karten spielen. Niemand ist gezwungen, sie zu unterstützen. Ich selbst würde auch keinen Verein unterstützen, der eifrig für den Islam eintritt. Wer mit mir darüber weiter reden will, der kann mir PNs schicken, damit das hier nicht ausufert.


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22.01.2012, 16:58:15
Beitrag #23
RE: Gegen das Sprachensterben!
(22.01.2012 15:51:25)AlexderFranke schrieb:  Wenn Sprachwissenschaftler in den letzten 50 Jahren weniger Zeit verschlafen hatten, könnte es heute in den vereuropäischten Ländern mit eingeborenen Sprachen besser aussehen und weniger verlorengegangen sein.
Tja, das ist ein Vorwurf, den R.M.W. Dixon mal kurz und knackig in dem Terminus "armchair linguists" zusammehgefasst hat. Die moderne Linguistik ist auch meiner Meinung nach noch viel zu sehr mit englischzentrierter Syntaxphilosophie beschäftigt. Ganz klar die falschen Prioritäten.

(22.01.2012 15:51:25)AlexderFranke schrieb:  Überall dort, wo nur ein paar Sprecher übrig sind, kann etwas aufgezeichnet werden. Und dazu sollten die Sprecher davon überzeugt werden, daß sie ihre Kenntnisse an junge Menschen des Volkes weitergeben, bevor sie sterben.
Ja. Nur muss das auch jemand machen. Und der der's macht müsste dafür auch bezahlt werden.

(22.01.2012 15:51:25)AlexderFranke schrieb:  Wer mit mir darüber weiter reden will, der kann mir PNs schicken, damit das hier nicht ausufert.
Och, wieso? So lange es nicht ausufert, ist das doch auch ein Thema, das öffentlich diskutiert werden kann. Ich hab's mal aus diesem Thread ausgeklinkt in einen eigenen Thread hier.


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27.01.2012, 09:13:24
Beitrag #24
RE: Gegen das Sprachensterben!
(22.01.2012 10:52:53)janwo schrieb:  Naja. Wie aussichtsreich ist das denn? In Australien haben die Weißen lange genug den Aboriginals eingetrichtert, dass sie (die Aboriginals) nutzlose primitive Wilde seine, die keiner sinnvollen menschlichen Sprache mächtig seien. Nach ein paar hundert Jahren derartiger Indoktrination glauben die es irgendwann auch selbst. Und der besagte Sinneswandel ist längst nicht umfassend genug. Ein paar halbherzige Entschuldigungen im Parlament, ein paar symbolische Akte, vielleicht auch etwas Bargeld. das war's. Aktionen wie diese hier (über die wir vorhin getwittert haben) sind leider immer noch viel zu selten. Egal in welchem Erdteil.

Ein kleiner Nachtrag, weil's gerade aktuell durch de Twitterwelt geht: http://linglink.de/Wiradjuri


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22.02.2012, 19:41:51
Beitrag #25
RE: Gegen das Sprachensterben!
Und zum Welttag der Muttersprache(n) noch ein Beitrag von der UNESCO:

http://www.unesco.org/new/en/media-servi...s_updates/

UNESCO schrieb:The interactive Atlas of languages in danger is one of UNESCO’s major contributions in the field of language safeguarding. This tool is in constant evolution. By examining closely the status and trends of linguistic diversity in our current world, it communicates a knowledge that is always renewed and represents a dynamic platform for dialogue and exchanges on languages in danger. Therefore, it ensures greater visibility for these languages and contributes to promote them.


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09.03.2012, 09:14:41
Beitrag #26
RE: Gegen das Sprachensterben!
Und wieder ist eine Sprache verstummt: Chinook bzw. Kiksht Ethnologue: chh

http://news.opb.org/article/last-fluent-...ksht-dies/


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10.03.2012, 03:54:52
Beitrag #27
RE: Gegen das Sprachensterben!
Sch...
Hoffentlich hat die Dame etwas Schriftliches hinterlassen und anderen einige Kenntnisse weitergegeben.

Wann eine Sprache ausgestorben ist, hängt von der Sichtweise ab. Deshalb finde ich es gut, wenn man einen Zusatz anfügt wie z. B. “Als Erstsprache ausgestorben“. Eine Sprache ist erst dann schlichtweg ausgestorben, wenn sie kein Mensch mehr sprechen kann. Bestes Beispiel ist Manx, wo 1974 der letzte Muttersprachler gestorben ist. Es gab aber laut Volkszählung noch 165 Leute mit Manxkenntnissen. Einige haben Manx von den letzten Muttersprachlern der letzten Jahrzehnten gelernt

Damit eine Sprache wirklich lebendig bleibt, braucht sie Personen, welche sie als Muttersprache haben. Deshalb muß es Ziel der Neubelebung sein, die Weitergabe innerhalb der Familie wieder in Gang zu bringen. Beim Hebräischen war der Erfolg durchschlagend und bisher einmalig. Erstsprecher lassen Forderungen nach amtlicher Verwendung als sinnvoll erscheinen.

Viele Eingeborenenvölker Amerikas und Australiens haben die Schwierigkeit, daß ihr Volk klein ist. Da ist es besonders schwierig, die eigene Sprache inmitten einer mächtigen Sprachgemeinschaft lebendig zu halten. Eine Möglichkeit besteht darin, sie im Umkreis des Stammesgebietes als Markenzeichen für die Gegend zu verankern und in den Schulen zu lehren. Es kann das geistige Leben vor Ort bereichern.

Alex


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10.03.2012, 10:37:04
Beitrag #28
RE: Gegen das Sprachensterben!
(10.03.2012 03:54:52)AlexderFranke schrieb:  Sch...
Hoffentlich hat die Dame etwas Schriftliches hinterlassen und anderen einige Kenntnisse weitergegeben.
Laut Artikel hat sie noch auf dem Sterbebett die Aussprache ihrer Verwandten korrigiert. Und so weit ich weiß ist die Sprache auch wissenschaftlich dokumentiert, so dass sie nicht komplett spurlos verschwindet.

(10.03.2012 03:54:52)AlexderFranke schrieb:  Wann eine Sprache ausgestorben ist, hängt von der Sichtweise ab. Deshalb finde ich es gut, wenn man einen Zusatz anfügt wie z. B. “Als Erstsprache ausgestorben“. Eine Sprache ist erst dann schlichtweg ausgestorben, wenn sie kein Mensch mehr sprechen kann.
Das verlagert das Definitionsproblem doch nur auf (D)eine Definition von 'sprechen können' oder meinetwegen auch '(intuitiv) beherrschen'. Wirklich beherrscht man eine Sprache m.M.n. dann, wenn man ohne viel Nachdenkens in der Lage ist, alles adäquat auszudrücken,was man möchte. Das ist weitaus mehr als z.B. 'sich verständlich machen können'.

(10.03.2012 03:54:52)AlexderFranke schrieb:  Bestes Beispiel ist Manx, wo 1974 der letzte Muttersprachler gestorben ist. Es gab aber laut Volkszählung noch 165 Leute mit Manxkenntnissen. Einige haben Manx von den letzten Muttersprachlern der letzten Jahrzehnten gelernt
Siehe oben. 'Manxkenntnisse' kann man auch angeben, wenn man ein paar Phrasen und Vokabeln kennt und vielleicht ab und zu noch die eine oder andere Grußformel verwendet.

(10.03.2012 03:54:52)AlexderFranke schrieb:  Damit eine Sprache wirklich lebendig bleibt, braucht sie Personen, welche sie als Muttersprache haben. Deshalb muß es Ziel der Neubelebung sein, die Weitergabe innerhalb der Familie wieder in Gang zu bringen. Beim Hebräischen war der Erfolg durchschlagend und bisher einmalig. Erstsprecher lassen Forderungen nach amtlicher Verwendung als sinnvoll erscheinen.
Das moderne Iwrit ist aber nicht gleichzusetzen mit dem antiken Hebräisch. Der schon in der aussterben-Metapher angelegte Vergleich, der sich hier aufdrängt, ist der mit rückgezüchteten Auerochsen oder Pferderassen. Bis zu einem gewissen Grade ist das genetische Material gleich, aber es fehlt der breite, diverse Genpool, der sich auch nicht wieder herstellen lässt. Mehr dazu siehe Anhang, ein Text, den ich 2005 verfasst habe:
.pdf  JW_Metaphernfeld.pdf (Größe: 175,74 KB / Downloads: 8)
Aus: Wohlgemuth / Dirksmeyer (Hrsgg.): Bedrohte Vielfalt. Aspekte des Sprach(en)tods / Aspects of language death. Berlin: Weissensee, 2005. S. 1-38.

(10.03.2012 03:54:52)AlexderFranke schrieb:  Viele Eingeborenenvölker Amerikas und Australiens haben die Schwierigkeit, daß ihr Volk klein ist. Da ist es besonders schwierig, die eigene Sprache inmitten einer mächtigen Sprachgemeinschaft lebendig zu halten. Eine Möglichkeit besteht darin, sie im Umkreis des Stammesgebietes als Markenzeichen für die Gegend zu verankern und in den Schulen zu lehren. Es kann das geistige Leben vor Ort bereichern.
Sie haben auch das Problem, dass sie bis heute einer Diskriminierung ausgesetzt sind und ihre Sprtachen als "minderwertig", "unwürdig", "primitiv" (ha! ausgerechnet!), usw. bezeichnet werden. Da hat es vor ein paar Wochen erst in den USA wieder einen Aufruhr gegeben, weil eine Schülerin ihren Mitschülern ein paar Wörter Menominee beigebracht hat und dafür vom Basketballteam ausgeschlossen und vom Unterricht suspendiert wurde (siehe z.B. hier und hier).


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10.03.2012, 12:34:59
Beitrag #29
RE: Gegen das Sprachensterben!
(10.03.2012 10:37:04)janwo schrieb:  Und so weit ich weiß ist die Sprache auch wissenschaftlich dokumentiert, so dass sie nicht komplett spurlos verschwindet.
Sogar schon recht früh, in einem Buch, von dem ich sonst vor allem die Einleitung zitiert sehe Zwinker

http://www.archive.org/details/chinookan...00boasgoog

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10.03.2012, 15:20:45
Beitrag #30
RE: Gegen das Sprachensterben!
Noch ein kleiner Nachtrag: "Of words and woods" - http://linglink.de/EndangeredWritings


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