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 » nicht erledigt Linguistic Determinism und Linguistic Relativity
▶ - eine kurze Definition?

21.03.2014, 03:09:12
Beitrag #1
Linguistic Determinism und Linguistic Relativity
Hallo meine Damen und Herren,
ich bin hier ganz frisch angemeldet und hoffe, dass ich hier auf Anhieb nicht alles verkehrt mache.
Aber versuchen muss ich es, da ich eine Frage an euch habe:
Könnte jemand von euch eventuell die Idee hinter dem "Linguistic Determinism" etwas genauer erläutern?

- ich lese momentan beispielsweise einiges über Sapir-Whorf und ihre Idee bezüglich linguistischer Relativität.

Stelle ich mir das einigermaßen richtig vor, wenn ich sage:
Linguistic Relativity ist, wenn die Sprache das Denken eines Menschen beeinflusst. Z.B. Genderzuweisung - "le soleil" im Französischen und "die Sonne" im Deutschen. Man assoziiert dadurch andere Eigenschaften mit ein und derselben Sache. Das könnte man auch auf zig andere Sachen beziehen, wie der Wahrnehmung von Zeit/Farben oder oder oder...

Linguistic Determinism ist eine verstärkte Variante der Linguistic Relativity. Sie besagt: Sprache beeinflusst uns nicht nur, sie gibt uns sogar vor, welche Gedankengänge möglich sind und welche nicht. Man kann nur in den existierenden Kategorien der eigenen Sprache denken. Gäbe es dafür eventuell ein realistisches Beispiel? - mir will spontan keines einfallen.

Leider ist mir immer noch ganz und gar nicht klar, was genau jetzt das Alleinstellungsmerkmal des Determinism wäre. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich gerade ein schön großes Brett vorm Kopf habe - aber ich komme momentan einfach nicht weiter. Verweise auf weitere Literatur wären natürlich auch gerne gesehen.

Für jedwede Hilfe bin ich sehr dankbar und wünsche aber auch allen Lesern an dieser Stelle einen schönen Start in das Wochenende. Lächel


Jan


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21.03.2014, 04:06:55
Beitrag #2
RE: Linguistic Determinism und Linguistic Relativity
Ein Beispiel wäre -- wobei es in der Tendenz eher im Laiendiskurs vorkommt -- dass lexikalische oder grammatische Kategorien, die eine Sprache nicht besetzt hat, dazu führen, dass die Sprecher/innen dieser Sprachen das Konzept nicht haben oder nicht „denken“ können. Beispiel: Sprache X hat kein Wort für Y, oft im Kontext für uns exotischer Sprachen. Meist sind das so Verweise auf Sprachen, die in uns völlig fremden Kulturen gesprochen werden und die angeblich keine Wörter für Rache, Kapitalismus, Neid oder Missgunst haben. Die Erklärung ist dann immer: wir sind eine so rachsüchtige Gesellschaft, andere halt nicht. Denke an Schadenfreude, die wir Deutschen haben, aber nicht die englischsprachige Welt. Ein Beispiel für grammatische Kategorien aus eurozentrischer Sicht wäre die Abwesenheit von für uns „natürlicher“ Kategorien wie grammatischer Vergangenheits- oder Zukunftsmarkierung. Das Problem auf größerer Ebene: es bedient kulturelle Stereotype. Klassiker ist die Diskussion um Wörter für Schnee in Eskimosprachen. Hier habe ich mal was kurzes dazu geschrieben, mit Links zu anderen Diskussionen.

(Auch die schwache Form der SWH wird oft missverstanden. Es geht vielleicht eher darum, welchem Aspekt einer Situation wir mehr aufmerksamkeit schenken, weil unsere Sprache diese Unterscheidung macht; im Englischen z.B. I go vs. I'm going.)

Für die Gender-Einflüsse gibt es viele Studien, die den direkten Einfluss von Genus auf das Denken nicht bestätigen können, wohl aber Unterschiede in der Reaktion auf derartige Stimuli auf Basis des Genussystems. Soll heißen, wenn es (schwache) Effekte gibt, müssen diese nicht unbedingt auf Genus per se zurückgeführt werden, sondern darauf, dass die Sprachen, in denen Effekte nachgewiesen werden können, ein binäres Genussystem haben. So gibt es z.B. Effekte für Französisch und/oder Spanisch, aber nicht oder deutlich weniger für Deutsch.)

Literatur:
Gumperz, John J. & Stephen C. Levinson (eds.). 1996. Rethinking linguistic relativity. Cambridge University Press.

Zu Gender:
Bender, Andrea, Sieghard Beller & Karl Christoph Klauer. 2011. Grammatical gender in German: a case for linguistic relativity? Quarterly Journal of Experimental Psychology 64(9). 1821–1835. doi:10.1080/17470218.2011.582128.
Koch, Sabine C., Friederike Zimmermann & Rocio Garcia-Retamero. 2007. El sol - die Sonne. Psychologische Rundschau 58(3). 171–182. doi:10.1026/0033-3042.58.3.171.

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22.03.2014, 10:42:37
Beitrag #3
RE: Linguistic Determinism und Linguistic Relativity
Hallo und willkommen, Namensvetter.
Du hast nix verkehrt gemacht. Ich verschiebe den Thread nur mal ins pasende Forum http://www.linguisten.de/Forum-Sprache-Kultur-Kognition
Hast Du schon mal die Forensuche genutzt? Wir haben zu den Stichwörtern Sapir-Whorf, Relativität, Kultur, Gender auch schon einige Threads, die Dir vielleicht weitere Anregungen geben können.


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
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22.03.2014, 11:40:55
Beitrag #4
RE: Linguistic Determinism und Linguistic Relativity
Erstmal vielen Dank für eure Beiträge,
mit der Forensuche kenne ich mich nicht sooo aus und habe auf Anhieb lediglich http://www.linguisten.de/Thread-Linguist...m-und-Zeit gefunden. - bin mir nicht sicher, wie der Link dargestellt wird, er handelt von "linguistischer Relativität abseits von Farbe, Raum und Zeit". Da ist durchaus was für mich dabei gewesen, aber den Begriff des Linguistic Determinism hatte ich an dieser Stelle noch nicht klären können.

Der Input von dir suz hat mir schon einmal wirklich weitergeholfen. Ich werde versuchen zeitnah mal einen Blick in die von dir empfohlene Literatur zu werfen!

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende.


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